Bossard kann mit dem lahmen Tesla umgehen

Schraubenlager von Bossard: Die Basis für ein weiteres Rekordjahr ist da. Foto: Urs Flüeler/Keystone

Aktionäre von Bossard hatten es dieses Jahr bis anhin nicht leicht; die Titel wurden kräftig durchgeschüttelt. Gegen Ende Januar wurde ein Allzeithoch von 250 Franken erreicht. Im Frühjahr sank der Kurs bis auf 176 Franken – ein Rückgang um 30 Prozent. Dabei hatte das Management an der Bilanzpressekonferenz von einem «Blue-Sky-Szenario» für 2018 gesprochen, und das erste Quartal endete für das Schraubenhandels- und Logistikunternehmen folgerichtig mit einem Rekordresultat. Vergangene Woche sind nun Umsatz und Gewinn des ersten Semesters veröffentlicht worden. Und siehe da: Das Wachstum hat sich sogar beschleunigt – ohne Unterstützungen von Akquisitionen. Die Basis für ein weiteres Rekordjahr ist da, die Marge wird zum neunten Mal in Folge prozentual zweistellig wachsen und wohl 13 Prozent erreichen. Zwei Befürchtungen, die im Frühling den Kurs drückten, sind nicht eingetreten. Die von den USA angezettelten Handelsdispute haben die Stimmung der Bossard-Kunden nicht beeinträchtigt, zumindest noch nicht. Und die Stagnation im Geschäft mit dem Grosskunden Tesla konnte problemlos durch Wachstum anderswo kompensiert werden. Daher bleibe ich mit Kursen um 200 Franken auf der optimistischen Seite. Kaufen

Wachsender Markt in den USA

Für die Wertpapiere des Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli geht es derzeit hoch hinaus, und das ohne spezielle Nachrichten. Namenaktie und Partizipationsschein erreichten vergangene Woche ein Allzeithoch. Der Rebound nach zwei schwachen Jahren ist deutlich. Das Kursniveau spiegelt eine klare Erwartungshaltung der Investoren. Die Semesterzahlen, die Lindt am 24. Juli vorlegen wird, müssen demnach den erhofften Aufwärtstrend bestätigen. Das Augenmerk wird dem wichtigsten Einzelmarkt USA gelten, der nach zwei schwierigen Jahren wieder zu Wachstum finden dürfte. Erste ­Signale weisen zumindest auf einen wachsenden Markt hin. Auf lange Sicht verfolgt das Schokoladenunternehmen ambitionierte Ziele. Seine Stärken bleiben die Innovationskraft und die gute Position im Premiumbereich. Eine zweistel­lige Dynamik weist zudem das Segment Global Retail auf, das in diesem Jahr mindestens 30 neue Läden eröffnen wird. Doch die Bewertung ist zu hoch. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt über dem langjährigen Mittel. Frühere Spitzenwerte sind damit nicht erreicht, aber der Spielraum ist eng geworden. Abwarten

Polster fürs zweite Semester

Es klingt irgendwie bekannt: Ems-Chemie wartet zum ersten Halbjahr mit Höchstwerten in Umsatz und Ergebnis auf. Wie schon für 2015 wird die Dividende für 2017 nachträglich nochmals erhöht, von 18 auf 18.50 Franken. Die Gruppe bestätigt einmal mehr ihre Qualitäten. Das Zahlenset, das die hohen Erwartungen erfüllt, beeindruckt. Das starke Umsatzwachstum im ersten Quartal (+11,8 Prozent) konnte im zweiten nochmals beschleunigt werden – trotz einer kaum veränderten Produktion des Automobilsektors, der mehr als 60 Prozent zum Gruppenumsatz beisteuert. Beeindruckend ist zudem, wie gut es gelungen ist, den Margendruck, der von steigenden Rohstoffpreisen ausgeht, abzudämpfen. Die Bestätigung der Jahresprognose mit einem Umsatz und einem Betriebsgewinn leicht über Vorjahr passt in dieses Bild. «Leicht über» heisst bei Ems bis 10 Prozent mehr. Damit startet das Unternehmen mit einem Polster ins zweite Semester. Das könnte sich als nützlich erweisen. Ems-Aktien sind teuer, und sie werden es bleiben. Dosiert kaufen

Hohe Verschuldung

Einiges läuft derzeit schief bei Meier Tobler. Der Klimatechniker, hervorgegangen aus der Fusion von Walter Meier und Tobler Haustechnik ist zur Unzeit mit der Integration beschäftigt. Das Umfeld ist schwierig, das Geschäft im Neubau harzt, und das Sanierungsgeschäft kommt einfach nicht auf Touren. Nun hat das Management überraschend erklärt, dass der Umsatz im ersten Halbjahr etwa 4 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen werde. Auch wenn es im zweiten Halbjahr etwa besser läuft, wird Meier Tobler die Gewinn­zone nur knapp erreichen oder sogar einen kleinen Verlust schreiben. Massnahmen zur Beschleunigung der Integration und zur besseren Marktbearbeitung sind aufgegleist; wie schnell sie wirken, ist offen. Für 2017 wurden noch 2 Franken je Aktie ausgeschüttet, trotz Verlust. Seit Jahresbeginn war davon auszugehen, dass die Dividende nicht gehalten werden kann. Dass sie aber für zwei Jahre ganz gestrichen werden muss, wie nun kommuniziert wurde, ist ein starkes Stück. Die Massnahme ist auch wegen der hohen Verschuldung nötig. Die Aktien haben innerhalb einer Woche rund ein Fünftel ihres Wertes eingebüsst. Es ist zu früh, um einzusteigen. Erst muss das Management zeigen, dass es das Ruder herumreissen kann. Abwarten

Dürftige Transparenz

Vor zwei Wochen habe ich Ihnen von Titeln wie Asmallworld abgeraten. Die Story stimmt nicht, seitdem sich das soziale Netzwerk über die Hintertreppe hat listen lassen, also nicht über einen richtigen Börsengang mit begleitenden Banken. Nun hat sich schon wieder ein Vehikel auf dem ähn­lichen Weg listen lassen: Black­stone Resources, eine Rohstoff­gesellschaft mit verschiedenen Beteiligungen und einem Handelsgeschäft. Blackstone setzt auf Reizworte, die gerade in sind, wie Metalle für Batterien, die dank ­E-Mobilität stark nachgefragt würden. Die Transparenz ist aber sehr dürftig, es hat alles wenig Fleisch am Knochen, auch das Handels­volumen der Aktien an der SIX ist äusserst begrenzt. Es bleibt nur eines zu sagen: Meiden

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