Wie der Handelsstreit die Schweiz betrifft

Strafzölle in Milliardenhöhe: Die Handelspolitik von US-Präsident Trump gegenüber China könnte der Anfang einer gefährlichen Spirale sein. Foto: iStock

Fast jeden Tag hört man vom Handelsstreit zwischen den USA, China und Europa. Die Schweiz lebt stark vom Export. Wird der Aufschwung in der Schweiz durch die vielen Konflikte gestoppt? Geht es uns bald schlechter? R. K.

Nein, ich rechne nicht damit, dass der Aufschwung in der Schweiz durch den internationalen Handelsstreit abgewürgt wird. Aber wir müssen davon ausgehen, dass der Konflikt zwischen den USA, China und Europa Bremsspuren bei der Weltkonjunktur hinterlässt und wir ebenfalls zumindest indirekt von negativen Effekten betroffen werden.

Die Strafzölle in Milliardenhöhe, die US-Präsident Trump gegen China und Europa verhängt hat, könnten der Anfang einer gefährlichen Spirale sein. Sowohl die EU als auch China haben mit Gegenmassnahmen reagiert, und es besteht die Gefahr, dass alle Seiten immer weitere Zölle erlassen.

Noch fast schlimmer als die effektiven Zölle ist die psychologische Wirkung des Handelsstreites: Der freie Handel mit möglichst wenigen Zollbarrieren hat die Weltkonjunktur in den letzten Jahren angetrieben.

Wenn der Freihandel nun immer mehr eingeschränkt wird und laufend weitere Zölle beschlossen werden, ist dies für die globale Konjunktur ein gefährliches Signal.

Das dürfte dazu führen, dass Unternehmen und Konsumenten in den verschiedenen Ländern die konjunkturellen Perspektiven weniger positiv einschätzen. Investitionen könnten eher aufgeschoben und Kaufentscheide vertagt werden, was schnell Ausfälle bringt.

Ein Risiko sehe ich auch in den politischen Turbulenzen in Italien. Die neue Regierung ist betont eurokritisch und wird die bereits riesigen Schulden in Italien weiter erhöhen, damit sie ihre Wahlversprechen umsetzen kann. Zwar erwarte ich keinen Euroaustritt von Italien, dafür sind die Italiener viel zu stark von den Subventionen aus Brüssel abhängig.

Der enorme Schuldenberg in Italien führt uns aber vor Augen, dass die alten Probleme der Euro- und Finanzkrise nicht gelöst sind. Die Probleme wurden mit viel spottbilligem Geld der Europäischen Zentralbank kurzfristig gelindert und aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit geschoben. Gelöst sind die Probleme indes nicht.

Die nötigen Reformen sind nicht umgesetzt. So braucht es wenig, dass sich in Europa eine neue Finanzkrise bildet. Vorderhand ist davon allerdings noch nichts zu spüren, und der Wirtschaftsmotor läuft sowohl in den USA als auch in Europa und Asien auf Hochtouren.

Positive Wirkung zeigen dürfte auch die anhaltende Tiefzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), welche die Zinsen noch bis mindestens Ende Sommer 2019 tief halten wird. Geld bleibt somit weiter günstig. Auch bei uns in der Schweiz.

Bei unseren wichtigsten Exportpartnern sind die Aussichten allerdings nicht mehr ganz so rosig. Deutschland hat nicht nur politische Probleme, auch die Perspektiven der deutschen Exportindustrie haben sich vor dem Hintergrund der internationalen Handelskonflikte und des phasenweise stärkeren Euro etwas verschlechtert.

Die Wirtschaft in Deutschland dürfte sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr aber weiter wachsen. Das Wachstumstempo verliert allerdings etwas an Fahrt, was sich negativ auf die zahlreichen Schweizer Zulieferfirmen zum Beispiel aus dem Automobilsektor auswirken könnte.

Etwas an Schub verlieren dürfte auch die Wirtschaft in Frankreich. Die französische Notenbank erwartet in diesem Jahr nur noch ein etwas geringeres Wachstum von 1,8 Prozent.

Wenig Impulse bekommt unsere Wirtschaft zudem von Italien, zumal das Land nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich durch schwierige Zeiten geht.

Vor diesem Hintergrund rechne ich damit, dass auch der Aufschwung in der Schweiz etwas an Dynamik verlieren wird. Sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr wird die Wirtschaft voraussichtlich über 1,5 Prozent wachsen – Wachstumsquoten von klar über 2 Prozent dürften wir in der Schweiz aber eher nicht sehen.

Grund zum Klagen haben wir dennoch definitiv nicht.