Wie sicher ist Raiffeisen noch?

Kunden am Schalter der Raiffeisen: Viele machen sich Sorgen um das gesunkene Rating. Foto: Keystone

Langsam werden Stimmen laut, die Raiffeisenbank sei nicht mehr sicher. Wir haben über 150’000 Franken Bargeld bei Raiffeisen und fragen uns, ob wir das Geld abheben und bei einer anderen Bank platzieren sollen. Wie beurteilen Sie die Sicherheit der Raiffeisenbank? P. C.

Die Rückstufung von Raiffeisen Schweiz durch die internationale Ratingagentur Moody’s auf Aa3 mit negativem Ausblick war ein negatives Signal und wirkt sich auf den Kurs von ausstehenden Anleihen der Gruppe belastend aus.

Wenn sich das Kreditrating eines Unternehmens verschlechtert, bedeutet dies, dass die Fremdfinanzierung in Zukunft teurer wird. Denn die Anlegerinnen und Anleger wollen für mehr Risiko mehr Zins.

Nach wie vor hat Raiffeisen aber ein A-Rating und bewegt sich mit ihren Anleihen somit im Investment Grade für institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen.

Heikel würde es, wenn es zu einer weiteren Abstufung in den BBB-Bereich käme. Dann würden sich einige Investoren von ihren Raiffeisen-Anleihen trennen. Dass es dazu kommt, dafür gibt es derzeit keine Anzeichen, wenngleich der kritische Bericht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma etliche Investoren aufgeschreckt hat.

Für die Investoren entscheidend ist allerdings weniger die Vergangenheit als die Zukunft: Zwar muss Raiffeisen die Fehlleistungen und mangelnde Aufsicht in der Vergangenheit noch weiter aufarbeiten, was auch an der künftigen Delegiertenversammlung noch heftige Diskussionen auslösen dürfte.

Wichtig ist aber, dass die heutige Leitung Korrekturmassnahmen eingeleitet hat und die Aufsicht deutlich verbessert hat. Die Fehler sind sowohl dem heutigen Management als auch dem Verwaltungsrat bekannt und, soweit ich dies von aussen beurteilen kann, korrigiert.

Es muss sich zeigen, inwiefern der durch die Affäre verursache Reputationsschaden grössere Auswirkungen auf das operative Geschäft hat. Bislang jedenfalls präsentiert sich die Raiffeisengruppe operativ in ausgezeichneter Verfassung und schrieb im letzten Jahr noch Rekordzahlen.

Ganz ohne negative Spuren dürften die Vorgänge im operativen Geschäft kaum vorbeigehen. Ich rechne aufgrund der kundennahen Genossenschaftsstruktur aber nicht mit einem Kundenexodus.

Aus meiner Sicht besteht dafür auch kein Anlass, zumal die einzelnen Genossenschaften unabhängig von den vergangenen Vorgängen in der Zentrale solid arbeiten.

Für Sie als Kunde einer dieser Genossenschaften ist in erster Linie wichtig, wie gut es Ihrer lokalen Bank geht. Darüber hinaus gilt der gesetzlich vorgeschriebene Einlagenschutz: Demnach sind Einlagen von maximal 100’000 Franken pro Kunde durch die Einlagensicherung Esisuisse gesichert.

Ihr Geld wäre somit nicht einfach weg. Gefährdet wäre im allerschlimmsten Fall – den ich aber nicht erwarte – der Anteil über dem gesetzlich gesicherten Betrag von maximal 100’000 Franken.

Generell rate ich bei Bareinlagen zu einer Diversifikation auch bei den Banken, zumal der Einlagenschutz im Umfang auf wenige Milliarden Franken begrenzt ist und bei einem Konkurs gleich mehrerer Banken kaum ausreichen würde.

Meines Erachtens sollte man möglichst bei keiner Bank liquide Mittel von über 100’000 Franken einfach auf dem Konto parkieren. Erstens trägt man dann – ausser bei Kantonalbanken mit vollumfänglicher Staatsgarantie – ein erhöhtes Risiko.

Und zweitens bekommen Sie auf dem Geld praktisch null Zins. Entweder diversifizieren Sie, oder aber Sie investieren einen Teil des Geldes in Wertschriften wie Fonds, Anleihen oder Aktien.

Damit erreichen Sie je nach Risikobereitschaft etwas mehr Rendite und können das Einlagenrisiko verringern, denn Wertschriften bleiben selbst bei einem Bankkonkurs im Besitz der Kunden.