Raiffeisen: Wenig Risiko für 2 Prozent Zins

Nach wie vor ein sicherer Wert: Die Raiffeisen-Gruppe ist trotz vieler negativer Schlagzeilen als sicher einzustufen. Foto: Keystone

Als Mitglied der Raiffeisenbank Frauenfeld habe ich die Möglichkeit, Anteilscheine zu zeichnen. Die 2 Prozent Verzinsung der Anteilscheine sind interessant. Aber meistens ist bei guter Rendite ein Risiko vorhanden. Wie schätzen Sie das Risiko ein? V.D.

Sie haben recht: Eine im Marktvergleich höhere Rendite und Verzinsung gibt es nie umsonst. Man bezahlt als Investor immer einen Preis – meistens in Form von mehr Risiko, das man eingeht.

Offensichtlich wird das, wenn Sie die Verzinsung mit anderen Sparmöglichkeiten in Schweizerfranken vergleichen: Auf dem Sparkonto bekommen Sie nur einen mickrigen Zins. Und selbst Bundesobligationen der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit zehn Jahren Laufzeit werfen null Zins ab. So gesehen sind die zwei Prozent Zins auf den Anteilscheinen ein gutes Geschäft, auch wenn Sie Ihr Geld langfristig binden.

Die Anteilscheine verfügen über eine unbeschränkte Laufzeit. Das ist allerdings kein Problem. Das eigentliche Risiko liegt darin, dass Sie sich mit den Papieren an der Bank beteiligen. Wie wenn Sie eine Aktie eines Unternehmens an der Börse kaufen, werden Sie Mitbesitzer der Firma. Sie tragen somit das volle Risiko des Unternehmens mit.

Da Sie jetzt schon Mitglied der lokalen Raiffeisengenossenschaft sind, tun Sie das heute schon. Anders als wenn Sie Besitzer einer Obligation sind, sind Sie als Aktionär in einem Krisenfall kaum geschützt. Würde die Bank in eine finanzielle Schieflage geraten, müssten Sie Ihr Geld, das Sie in Anteilscheine investiert haben, im schlimmsten Fall wohl abschreiben.

Im Gegensatz zu Ihren Spareinlagen bis 100’000 Franken sind die Anteilscheine nicht durch die Einlagensicherung der Schweizer Banken geschützt. Entsprechend weist Raiffeisen die Interessenten für Anteilscheine auch auf die damit verbundenen Risiken ausdrücklich hin und schreibt:  «Der Verwaltungsrat kann eine Rückzahlung der Anteilscheine ohne Angabe von Gründen verweigern, insbesondere dann, falls die Eigenmittel der Raiffeisen-Gruppen den gesetzlichen Eigenmittelanforderungen nicht genügen.»

Wichtig zu wissen ist, dass die zur Raiffeisen-Gruppe gehörenden Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz zusammen einen Haftungsverbund bilden. Dies halte ich für einen Vorteil. Wenn eine einzelne lokale Raiffeisenbank in eine Krise gerät, kann sie auf die Unterstützung der übrigen im Raffeisenverbund zusammengeschlossenen Raiffeisen-Institute zählen.

Auch wenn die Raiffeisen-Gruppe in den letzten Monaten wegen der Verhaftung ihres früheren Chefs, Pierin Vincenz, für viele negative Schlagzeilen gesorgt hat, stufe ich die Gruppe weiterhin als sicher ein.

Die Affäre hat zwar der Reputation der Bank geschadet. Dennoch ist sie operativ – und das ist entscheidend – gut unterwegs. Die Zahlen sind stark und ich rechne nicht damit, dass die Gruppe aufgrund des Imageproblems operativ Schaden nehmen wird, zumal die Bankleitung die richtigen Massnahmen eingeleitet hat, um das Vertrauen der Kundinnen und Kunden wieder zu stärken.

Ihre lokale Raffeisenbank Frauenfeld kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Sie wurde bereits 1922 gegründet und ist in der Region gut verankert. Jede fünfte Person im Geschäftskreis ist Mitglied und damit auch Mitbesitzer des Institutes. Mit einer Bilanzsumme von 662 Millionen Franken ist es eine kleine Bank, die aber Teil ist von Raiffeisen Schweiz, welche nach der UBS und CS die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz darstellt.

Die Geschäftstätigkeit als Bank ist damit automatisch mit Risiken verbunden. Ein erhöhtes Risiko liegt zweifellos im Immobilienmarkt: Als grosser Player im Schweizer Hypothekengeschäft würde Raiffeisen bei einem Crash am hiesigen Liegenschaftenmarkt – ebenso übrigens wie die meisten Schweizer Kantonalbanken – mit Abschreibern konfrontiert sein.

Zusätzliche Anteilscheine sollten Sie nur zeichnen, wenn Sie sich bewusst sind, dass Sie Risiken tragen und diese in Kauf nehmen wollen und können. Im Falle von Raiffeisen, welche sich auf das Inlandgeschäft fokussiert und nicht zum Kerngeschäft gehörende Beteiligungen wie die Bank Notenstein veräussert hat, stufe ich die Risiken als überschaubar ein.

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