Verzichten Sie im Alter auf riskante Anlagen

Die biologische Uhr des Anlegers: Je älter, desto kürzer der Anlagehorizont, desto höher das Risiko. Foto: iStock

Ich habe demnächst mit dem Vermögensverwalter meines Onkels ein Gespräch. Mein Onkel ist sehr vermögend und über 90 Jahre alt. Er lebt im Altersheim und seine Gattin allein in ihrem Haus. Die Bank möchte weiterhin Geld auf dem Wertschriftenmarkt anlegen. Ich bin der Ansicht, dass die Risiken minimiert und der grösste Teil in bar gehalten werden sollte, um die anfallenden hohen Kosten für Pflege und Altersheim zu sichern. Im hohen Alter sollte man nicht mehr spekulieren. Liege ich richtig? P.A.

Ja, im Grundsatz teile ich Ihre Meinung: Je älter man wird, desto weniger spekulieren. Die Überlegung ist einfach: Je älter man wird, desto kürzer wird der Anlagehorizont, den man hat. Als junger Mensch hat man einen sehr langen Anlagehorizont.

Man ist also in der Lage, selbst eine lange Baisse an den Finanzmärkten von mehreren Jahren problemlos zu überstehen, ohne dass man mit Buchverlusten verkaufen muss. Im Alter hingegen verschieben sich die Prioritäten – man hat rein körperlich einen kürzeren Anlagehorizont. Dazu kommen neue finanzielle Bedürfnisse wie ein Altersheim oder Pflegekosten, die getragen werden müssen. Da ist es in der Tat wichtig, dass man dafür genügend liquide Mittel hat.

Solche Kosten lassen sich in der Regel aber hochrechnen und planen, sodass man in etwa abschätzen kann, wie hoch der finanzielle Bedarf pro Jahr ist. Solche Hochrechnungen sind wichtig für die mögliche Anlage der Mittel. Man muss also wissen, wie viel Geld man auf der Seite haben muss, um kurzfristig die Kosten fürs Altersheim und die Pflege zu begleichen.

Wenn jemand aber sehr vermögend ist, wie Sie es im Falle Ihres Onkels beschreiben, bedeutet dies nicht, dass man das ganze Kapital als liquide Mittel halten sollte. Ich würde sogar dringend davon abraten. Als liquide Mittel sollte man nur den Betrag halten, den man für die Altersheim- und Pflegekosten pro Jahr benötigt, und allenfalls noch eine Reserve für Unvorhergesehenes.

Das übrige Kapital – insbesondere bei einem grösseren Vermögen – sollte man nicht einfach auf einem Bankkonto parkieren, wo es keine Rendite abwirft und man nach Abzug aller Gebühren darauf sogar Geld verliert.

Denn in solchen Fällen gilt es, auch Risikoaspekte zu berücksichtigen: Wenn die Bank zusammenbrechen sollte, sind gemäss gesetzlichem Einlagenschutz lediglich liquide Mittel von maximal 100’000 Franken je Kunde – nicht pro Konto – gesichert. Wertschriften hingegen bleiben auch im Falle eines Bankkonkurses immer im Besitz der Kunden. Daher würde ich über die nötigen liquiden Mittel für die Begleichung der Altersheim- und Pflegekosten sowie Unvorhergesehenes hinaus das übrige Kapital konservativ investieren.

Mit einer konservativen Strategie, welche in erster Linie auf Anleihen von guten Schuldnern fokussiert, erreichen Sie in Schweizer Franken zwar auch nur noch eine mickrige Rendite. Das ist aber besser als die null Zins, welche Sie auf dem Bankkonto bekommen. Zudem ist das Kapital besser geschützt, als wenn es nur einfach auf dem Bankkonto brachliegt, wo es nur begrenzt geschützt ist.

Ich würde im Alter sicher nicht mit dem Kapital spekulieren und auch generell keine hohen Anlagerisiken mehr eingehen. Das bedeutet aber nicht, dass das Kapital nicht angelegt werden sollte. Vielmehr würde ich das Kapital vorsichtig, ausschliesslich in sehr sichere Wertschriften anlegen, sodass wenigstens eine Werterhaltung des Kapitals auch nach Abzug aller Gebühren und der geringen Inflation sichergestellt ist.

Sinnvollerweise sollte es möglich sein, darüber hinaus auch mit einer konservativen Strategie noch einen kleinen Ertrag zu erwirtschaften, der dazu beiträgt, allenfalls mögliche unerwartete Auslagen im Alter zu decken.  

7 Kommentare zu «Verzichten Sie im Alter auf riskante Anlagen»

  • Paul Kellenberger sagt:

    Im Hinblick auf die Erben hat man mit 90 Jahren durchaus wieder einen längeren Anlagehorizont😊

  • Hans Graf sagt:

    Die mickrige Rendite, die man auf Obligationen in CHF noch bekommt, reicht nicht mal, um die Spesen der Banken für das Depot und die Steuern auf den Erträgen zu decken. Einen Drittel meines Vermögens habe ich in gute Dividendenpapiere angelegt und die bringen mir bisher den besten Ertrag. Aus meiner Sicht ist der Zeitpunkt günstig, genügend Bargeld zur Verfügung zu haben, um bei den anziehenden Zinsen nach und nach wieder in gute Obligationen anzulegen.

    • Tinu Berger sagt:

      Dividendentitel am Besten in UK. Keine Quellensteuer (Versteuerung als Einkommen in der Schweiz), quartalsweise oder halbjährliche Dividende, begrenztes Fremdwährungsrisiko (ev. sogar langfristig Währungsgewinn).
      Beispiele: GSK, IMB, RDSB, VOD, MARS, HSBA, RIO…

  • I. Unternährer sagt:

    Haben Sie schon mal etwas von der Wir Bank gehört? Mit 25 Stammanteilen und einer järhlichen Neuanlage von 5.000.– CHF erhalten Sie da immer noch 1% Zins, auch nicht viel aber viel mehr als auf allen anderen Banken.

  • Karl Knapp sagt:

    Sofern ausser dem Fragesteller noch andere Erben da sind, gibt es nur ein Stichwort: Sicherheit. Die Interessen der Bank (wirklich nur eine ???) sind irrelevant.

  • Anton Engler sagt:

    Ich finde es schade, dass Herr Spieler im Text einen Bankkunden als „Besitzer“
    der dort im Depot liegenden Wertpapiere nennt. Die Bank besitzt die Werte zur Zeit, Eigentümer – und das ist entscheidend – ist der Kunde.

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