Gebühren: Lieber transparent als versteckt

Anlageberatung: Je nach Ihrem Risiko-Rendite-Profil kann sich der kostenpflichtige Rat vom Profi auszahlen. Foto: Shutterstock

Ich verwalte für eine Genossenschaft ein Vermögen, davon sind über eine Million Franken in einem Depot der ZKB in Wertschriften angelegt. Nun wurde ich damit konfrontiert, dass die ZKB eine neue Anlagewelt implementiert. Bisher hatten wir einen Private-Banking-Vertrag mit Kosten von 7000 Franken pro Jahr. Mit dem neuen Beratungsvertrag beläuft sich die Gebühr auf 14’000 Franken. Ich finde das ziemlich dreist. Nun wurde mir quasi das Messer an den Hals gesetzt: Entweder ich schliesse einen solchen Vertrag ab oder ich erhalte keine Beratung mehr. Was raten Sie? W.M.

Mit der neuen Strategie werden die Gebühren aus meiner Sicht ganz einfach transparenter. Diesen Trend sehe ich derzeit bei allen Banken in der Schweiz: Beratung muss transparent bezahlt werden. Früher hatten Sie diese eigentlich auch bezahlt – aber das erfolgte auf anderen Wegen.

Die Banken kassierten mit den von ihnen vertriebenen Finanzprodukten im grossen Stil Retrozessionen. Damit wurde dann auch die angeblich kostenlose Beratung finanziert. Faktisch war dies eine Quersubventionierung, die allerdings aus Sicht der Kunden einen gravierenden Nachteil hat: Sie setzte falsche Anreize zuungunsten der Kundschaft.

Es war eine Illusion, wenn die Leute glaubten, dass sie die Beratung gratis bekommen. Sie wurde einfach anders – versteckt – bezahlt. Mir persönlich ist es viel lieber, wenn eine Bank transparent Gebühren für ihre Expertise verlangt und dafür nicht im versteckten Provisionen einnimmt. Beratung hat einen Preis wie beim Anwalt oder beim Steuerberater. Damit wissen Sie, woran Sie sind und können selbst entscheiden, ob Sie eine Beratung in Anspruch nehmen möchten oder nicht. Und ob Ihnen die Beratung den Preis wirklich wert ist.

Im Rahmen der neuen Anlagewelt der ZKB könnten Sie über die Vermögensverwaltungs- und Beratungsmandate hinaus auch eine Execution-only-Variante wählen. Damit hätten Sie geringere Gebühren, könnten aber die Beratung durch die Bank nicht nutzen.

Inhaltlich verfolgt die Anlagewelt der ZKB einen neuen Ansatz: Die gesamte Beratung ist auf die individuelle Risikobereitschaft des Kunden fokussiert. Ihr Depot soll nur gerade so viel Risiko beinhalten wie Sie gemäss Ihrer individuellen Risikofähigkeit wirklich bereit sind zu tragen. Aufgrund dieses Risikoprofils wird die Anlagestrategie abgestimmt.

Das ist entscheidend: Denn nur so bekommen Sie ein möglichst optimales Risiko-Rendite-Verhältnis. Mittels Digitalisierung können die Konsequenzen der gewählten Anlagestrategie schon vor einer Umsetzung anhand verschiedenster Szenarien konkret aufgezeigt werden. Sie können etwa simulieren, wie sich Ihr Depot mit der gewählten Anlagestrategie während der Finanzkrise verhalten hätte. Darüber hinaus verspricht die Bank, dass die Depots laufend überwacht und je nach Marktgeschehen stetig auf das individuelle Risiko-Rendite-Profil ausgerichtet wird.

Diesen, auf das Risiko-Rendite-Profil bezogenen Ansatz erachte ich als interessant. Inwieweit er sich auch in Krisen bewährt, muss sich dann noch zeigen. Ich sehe aber eine gute Wahrscheinlichkeit, dass mit dem Risiko-Rendite-Ansatz die Risiken des Depots verringert und die Renditemöglichkeiten verbessert werden.

Welche Variante für Ihre Genossenschaft sinnvoll ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Sie müssen beurteilen, ob Sie innerhalb Ihrer Genossenschaft über genügend Expertise verfügen, um auf die ganz Beratung zu verzichten. Auch andere Banken haben bereits Gebührenmodelle implementiert, welche Beratung kostenpflichtig macht oder sind daran, solche Modelle einzuführen.

Wenn die Beratung gut ist, dann ist sie die Gebühr wie bei einem guten Anwalt mehr als wert. Indem Sie Risiken senken und mehr Renditemöglichkeiten ausschöpfen können, haben Sie weit mehr herausgeholt als die effektive Gebührendifferenz. Letztlich müssen Sie aber entscheiden, ob Sie die Beratung wirklich brauchen und ob Sie Ihnen den zusätzlichen Preis wert ist.