AMS ist ein Highflyer, aber anfällig für Korrekturen

AMS-Sensor: Der Schweizer Halbleiterproduzent beliefert auch Apple. Foto: PD

Mitte März habe ich Ihnen ans Herz gelegt, AMS zu behalten oder sogar weiter zu kaufen – für alle Optimisten unter Ihnen. Damals kosteten AMS-Titel rund 54 Franken, vor einer Woche 111.40 Franken. Doch jetzt kam eine «kleine» Korrektur von rund 15 Prozent auf 96 Franken. Spekulationen, Grosskunde Apple könnte so manches Teilchen künftig lieber selbst produzieren (Insourcing), liessen die Aktien von AMS-Branchen-Nachbar Dialog Semiconductor einbrechen, was auch AMS nach unten zog. Doch es gibt Unterschiede: Bei Dialog geht es um Power Management (bei AMS nicht); Apple ist bei Dialog für geschätzt 70 Prozent der Einnahmen verantwortlich (bei AMS «nur» für 30 Prozent), und AMS dürfte mit Apple Verträge mit Laufzeiten von drei bis vier Jahren fixiert haben. Allerdings schwebt über AMS immer das Damoklesschwert, dass Apple Schwierigkeiten macht. Wer dieses Risiko tragen will, kann – wie vor einem halben Jahr – AMS halten oder mit viel Optimismus zukaufen. Dosiert kaufen

Beteiligungen verkaufen

Nach Zukäufen von mehr als 50 Milliarden Dollar ächzt der ­chinesische Koloss HNA unter der Zinslast – welch eine Über­raschung. Im ersten Halbjahr 2017 musste der intransparente Konzern, der Fluglinien, Flughäfen und Logistik- und Technologieunternehmen besitzt, 2,3 Milliarden Franken Zinsen zahlen – etwa die Hälfte des Bruttogewinns. Das kann nicht gut gehen. Darum muss Chef Adam Tan nun Beteiligungen verkaufen. Wie ernst die Lage sein muss, zeigt, dass der erst vor einem Jahr akquirierte Airline-Caterer Gategroup bald wieder an die Börse gebracht werden soll. Vor einem halben Jahr ist HNA auch bei Dufry, dem Betreiber von Zollfreiläden, eingestiegen. Immer wieder wurde spekuliert, dass HNA Dufry voll übernimmt. Diese Fantasie hat sich aber in Luft aufgelöst. Muss HNA Beteiligungen zu Geld machen, dürften zuerst die liquiden Anlagen verhökert werden. Und dazu zählt Dufry. Das heisst nichts Gutes für den Aktienkurs. Meiden

Chancen für Aufschwung

Werkzeugmaschinenhersteller bekommen einen Aufschwung gewöhnlich als Letzte zu spüren. Erst wenn die Wirtschaft gut läuft, die Kapazitäten der Fabriken voll ausgelastet sind und die Nachfrage weiter steigt, braucht es neue Maschinen. Dieser Zeitpunkt scheint nun zu kommen. Investitions­güterhersteller wie Starrag verzeichneten in den letzten Jahren einen erratischen, aber letztlich stag­nierenden Geschäftsverlauf. Jetzt steigen die Chancen für einen Aufschwung. Das Weltwirtschaftswachstum beschleunigt sich, und die Kapazitätsauslastung in der ­Industrie, dem Kundensegment von Starrag, steigt. Das soll gemäss Prog­noseinstituten zum stärksten Anstieg der Investitionstätigkeit seit sechs Jahren führen. Davon dürfte auch Starrag profitieren. Der Hersteller präziser Fräs­maschinen für eine breite Palette von Abnehmerindustrien hat zudem die Verkaufsanstrengungen intensiviert, was die Chancen auf eine Partizipation am Aufschwung noch erhöht. Starrag hat sich mittelfristig eine Betriebsmarge von acht Prozent zum Ziel gesetzt. Im ersten Halbjahr 2017 waren es gerade einmal vier Prozent. Da liegt Potenzial drin. Kaufen

Klumpenrisiko

Das war ein Paukenschlag. Boris Collardi, Chef von Julius Bär, verlässt die Privatbank Knall auf Fall und wechselt zu den Genfer Kollegen von Pictet. Dort fängt er zwar erst nächsten Sommer an, wegen der Konkurrenzsituation verlässt er die Bären aber per sofort. Collardi hat seit Amtsantritt 2009 eine aggressive Akquisitionsstrategie gefahren, und die gesamte Entwicklung der Bank war eng mit seiner Person verbunden. Ein typischer Fall von Klumpenrisiko. Das zeigen zwei Punkte: Erstens gibt es intern keine potenziellen Nachfolger; der neue Chef Bernhard Hodler ist eine Übergangslösung. Zweitens dürfte Collardi durchaus den einen oder anderen Mitarbeiter und Kunden mitnehmen, wenn auch zeitlich etwas verzögert. Vielleicht ist eine neue Kraft an der Spitze aber auch gar nicht so schlecht. Das aggressive Wachstum stösst an Grenzen, nun geht es um Expansion aus eigener Kraft und um die Kosten. Das sind neue Herausforderungen – und Chancen. Nach dem Rücksetzer haben sich die Titel stabilisiert. Das ergibt auf lange Sicht eine Einstiegs­gelegenheit. Dosiert kaufen

Gefährliche Blase

Sicherlich kennen Sie Leute, die von Bitcoin schwärmen. Die Fans der Kryptowährung glauben, dass Privat- und Zentralbanken bald ausgedient haben, da jeder ohne Bankkonto oder Papiergeld zahlen kann. Vergangene Woche hat der Wert der Währung die Marke von 11 000 Dollar durchbrochen – und notiert nun mehr als zehnmal so hoch wie Anfang Jahr. Für einige Stunden war der Preis am Donnerstag fast 20 Prozent eingebrochen, hat sich dann aber wieder erholt. So mancher Anleger hat Angst, den Boom zu verpassen. Doch Bitcoin ist eine Blase, wie sie im Buche steht. Natürlich kann sich der Wert der Währung noch einmal verzehnfachen – aber er kann auch ganz schnell gegen null sinken. Woher ich das weiss? Die neuen Investoren wollen nicht die angepriesene Funktion der Währung nutzen; für ein Zahlungsmittel schwankt der Bitcoin-Wert auch viel zu stark. Stattdessen kauft man die Digitalwährung, weil der Preis steigt. Und mit diesen Käufen wird der Preis noch höher getrieben. Diese Preisspirale verheisst nichts Gutes: Der Wert von Bitcoin wird sich nicht auf dem aktuellen Niveau stabilisieren. Fällt der Preis, werden die Spekulanten aussteigen – und die Spirale wird sich im «Affentempo» nach unten drehen. Meiden

1 Kommentar zu «AMS ist ein Highflyer, aber anfällig für Korrekturen»

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Eine lustige Bemerkung zu AMS: Dass eine Aktie einmal korrigieren wird, die sich innert eines Jahres verdreifacht hat, ist nichts weltbewegendes. In den Börsenberichten und Rubriken wird hauptsächlich viel erzählt und geschwatzt, ohne meistens viel konkretes Wissen, denn die meisten Berichte berufen sich auf Annahmen, ohne die Firma richtig zu kennen. Die Berichte über AMS verfolge ich hier schon seit längerem und ich mag mich noch gut erinnern, als im letzten Winter , als der Kurs unter 30 Fr. war, die Aktie zum Verkauf empfohlen wurde und als hochspekulativ angesehen wurde. Börsenanalysen in den Rubriken ändern sich halt oft schneller, als der Verleger die Zeitung drucken vermag. Oder auf gut Deutsch: Was heute gut ist, ist morgen schlecht und übermorgen aber wieder gut.

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