Nestlé-Chef in Höchstform

Nestlé-Chef Mark Schneider will die Kundengruppe der Millennials für sich gewinnen. Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Nestlé-Chef Mark Schneider will die Kundengruppe der Millennials für sich gewinnen. Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Vergangenen Dienstag hatte Mark Schneider seinen grossen Auftritt. An der Investorenkonferenz in London erläuterte der Chef von Nestlé, wie er den Nahrungsmittelkonzern zu schnellerem Wachstum und mehr Gewinn führen will. Mich hat er überzeugt. Nicht mit der Aussage, dass er auf wachstumsstarke Bereiche wie Heimtierprodukte, Kaffee, Wasser und Säuglingsnahrung setzt – das ist selbsterklärend –, sondern dass sich Nestlé beeilen muss, um die Kundengruppe der Millennials, der zwischen 1980 bis 2000 Geborene, für sich zu gewinnen. In den USA hat der Hersteller von Nes­presso, San Pellegrino und KitKat Lücken im Portfolio mit Zukäufen geschickt geschlossen: Blue Bottle Coffee ist eine hippe Kaffeehauskette aus Kalifornien, Sweet Earth stellt fleischlose und vegane Tiefkühlkost her, und Freshly ist ein Lebensmittellieferdienst. Zudem will der Konzern in den USA für 310 Millionen Franken eine Tierfutterfabrik bauen. Gleichzeitig schaut Schneider aber auch auf die Kosten. Das gefällt den Investoren und den Analysten. Während der Präsentation von Schneider stieg der Wert des Konzerns mehr als 3 Milliarden Franken. Dosiert kaufen

Namhafter Ankerinvestor

Für VAT war es eine gute Woche, wieder einmal. Das Private-­Equity-Haus Partners Group hat 10 Prozent der VAT-Aktien verkauft. Ihre Fonds halten nur noch 13 Prozent am Hersteller von Vakuumventilen. Damit neigt sich die Übergangsphase von einer Familien- zu einer echten Publikumsgesellschaft dem Ende zu. Mit Rudolf Maag hat VAT einen namhaften Ankerinvestor gewonnen. Er hätte für die 10 Prozent Anteil kaum über 400 Millionen Franken investiert, wäre er vom langfristigen Gedeihen von VAT nicht überzeugt. Ich wäre nicht überrascht, wenn Partners Group versuchen würde, auch die Restbeteiligung an einen oder zwei langfristig orientierte Investoren zu veräussern – vielleicht noch dieses Jahr. Für die Gesellschaft ist es von Vorteil, einen stabilen Aktionärskern zu haben. Das wäre ganz im Sinn von Verwaltungsrat und
Management. So können sie sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren, ohne ihre Kräfte in einem Abwehrkampf zu verzetteln – was auch den übrigen Aktionären zugut kommt. Mitte Oktober wird VAT exzellente Neunmonatszahlen veröffentlichen. Auch wenn die Aktien sich seit dem Gang an die Börse im April 2016 im Wert fast verdreifacht haben, sind sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26 nicht überteuert. Kaufen

Ansehnliche Performance

Seit sich Ascom im Herbst vergangenen Jahres von ihrer problembelasteten Network-Testing-Sparte getrennt hat und voll auf Kommunikationslösungen für Spitäler setzt, hat das Unternehmen eine wachsende Fangemeinde. Jüngstes Mitglied: die UBS. Als die Analysten des Instituts, das gleichzeitig über 5 Prozent der Ascom-Titel besitzt, ihre Aktienempfehlung letzte Woche von Neutral auf Kaufen anhoben, machte die Aktie an einem einzigen Tag einen Kurssprung von 7 Prozent. Damit können die Papiere in diesem Jahr eine ansehnliche Performance von über 27 Prozent vorweisen. Es stimmt, die Firma macht Fortschritte. Das Managementteam um Chef Holger Cordes ist erneuert, die Verkaufsmannschaften wurden verstärkt und mit wichtigen Aufträgen von Spitälern in Barcelona und Rotterdam scheint auch an der Verkaufsfront Dynamik aufzukommen. Das zweite Halbjahr könnte also tatsächlich deutlich besser ausfallen als das erste, das eher verhalten ausfiel. Doch mittlerweile sind die Aktien mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 durchaus stolz bewertet. Ich sehe in diesem Preis schon grosse Erwartungen inbegriffen. Aber Fans ist der Preis ja bekanntlich egal. Abwarten

Kampf mit hausgemachten Problemen

Sind Sie leidenschaftlicher Velofahrer, Surfer, Taucher, oder gar Basejumper? Welchem Sport Sie immer frönen, wahrscheinlich war der Kauf einer GoPro schon mal Thema. Das US-Unternehmen hat sich als Anbieter für Actionkameras etabliert. Die Produkte sind einfach zu bedienen. Am Donnerstagabend stellte GoPro zwei neue Geräte vor: die sechste Version der Bestseller-Kamera Hero sowie eine neue 360-Grad-Kamera. Zuletzt aber hatte GoPro mit hausgemachten Problemen bei seinen Produkten zu kämpfen. Dazu kommt Billigkonkurrenz aus Fernost. Seit dem Börsengang vor drei Jahren haben die Papiere mehr als zwei Drittel an Wert verloren. Anfang September hat das Management um Gründer und Chef Nick Woodman mitgeteilt, es laufe besser. Im dritten Quartal zielt GoPro wieder auf einen Gewinn. Das Problem: Viele wetten dagegen. Ein Drittel der Aktien von GoPro sind aktuell leer verkauft, die Investoren setzen also auf sinkende Kurse. Das wird den Einfluss von guten wie schlechten Nachrichten auf den Aktienkurs in naher Zukunft verstärken. Die Papiere sind derzeit nichts für wertorientierte Anleger. Meiden

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