Irma rüttelt an Swiss Re und Zurich

Totalschaden: Hurrikan Irma zieht durch die Karibik und hinterlässt verwüstete Gebiete wie hier in Sint Maarten. Foto: Key

Totalschaden: Hurrikan Irma zieht durch die Karibik und hinterlässt verwüstete Gebiete wie hier in Sint Maarten. Foto: Key

Die Aktien der Versicherer sind ins Auge des Sturms geraten. Im Sturmzentrum soll es ja ruhig und still sein, und so ist es trotz der aktuellen Katastrophenlage auch bei den Versicherern. Die Chefs von Swiss Re und von Zurich Insurance versuchen die Anleger zu beruhigen und weisen auf die dicken Kapitalpolster und die Diversifikation der versicherten Risiken hin. Dennoch rütteln die Hurrikane Harvey und Irma sowie das Mexiko-Erdbeben heftig an den Konzernen.
Ich kann nachvollziehen, dassviele Anleger ihre Aktienposition in Swiss Re und Zurich Insurance zumindest etwas verkleinern. Beide Valoren liegen dieses Jahr zurück, Swiss Re gar deutlich. Doch analysieren wir sachlich.
Die Unternehmen sind wirklich kapitalstark. Die Vorgabe der Finanzmarktaufsicht wird gleich doppelt erfüllt. Die Jahresbudgets für Katastrophendeckung sind zur Jahresmitte zwar anteilsmässig genutzt worden. Aber da bleibt einiger Spielraum für die zweite Jahreshälfte. Die Folgen von Harvey wiegen für die Versichererbranche nach aktueller Informationslage nicht allzu schwer. Sollte Irma in Florida ungewöhnlich grosse Verwüstungen anrichten, werden die Schadenbudgets aber kaum mehr ausreichen. Dann wäre mit einem Gewinnrückgang zu rechnen. Geht der Einschnitt aber nicht sehr tief, dürften die Versicherer die ordentliche Dividende auch nächstes Jahr bezahlen. In Mengen gekauft werden Swiss Re und Zurich Insurance aber wohl erst wieder, wenn es Richtung Dividenden­zahlung geht. Abwarten

 

Hoch hinaus

Im laufenden Jahr wird die Jungfraubahn einen Rekord erzielen. Nicht etwa, was Geschwindigkeit angeht, sondern Masse: 464 600 Personen haben im ersten Semester die höchste Bahnstation Europas benutzt. So viele wie noch nie. Setzt sich dieser Trend fort, wird das Jungfraujoch im laufenden Jahr zum zweiten Mal mehr als eine Million Personen zählen. Als Naturliebhaber schreckt mich das vielleicht ab, nicht aber als Aktionär. Denn die Bahn ist ein Goldesel. Die Fahrkarten aufs Jungfraujoch steuern drei von vier Franken zum Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Amortisationen bei. Dank dem Besucherplus von 24 Prozent sprang der Gewinn 60 Prozent auf 17 Millionen Franken. Im zweiten Halbjahr dürfte der Zuwachs aber niedriger ausfallen. Denn im Juli und August stösst die Jungfraubahn an Kapazitätsgrenzen. Abhilfe wird erst die V-Bahn schaffen. Sie bringt unter anderem Passagiere direkt bis zum Eigergletscher. Wegen Einsprachen verzögert sich das 300-Millionen-Projekt aber und wird nicht vor 2020 eröffnet werden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 für dieses Jahr sind die Titel nicht günstig. Zudem ist die Liquidität niedrig. Langfristige Investoren dürfen davor aber nicht zurückschrecken. Dosiert kaufen

 

Fitnesskur mit Wirkung

Andere Dimensionen reklamiert Royal Dutch Shell für sich. Der Riese steckt mitten in der Transformation. Auslöser war erstens der Zerfall des Ölpreises, der Mitte 2014 einsetzte. Damit das Geschäft profitabel blieb, senkte der Öl- und Gasmulti
die Kosten. Zudem wurden teure Explorations- und Förderprojekte gestrichen; die Investitionen gingen markant zurück. Zweitens übernahm Shell 2015 für 35 Milliarden Dollar den kleineren Konkurrenten BG Group, was die Nettoschulden stark ansteigen liess. Um sie auf ein akzeptables Niveau zurückzuführen, wurden im Rahmen eines milliarden­schweren Devestitionsprogramms wenig rentable Aktiva verkauft. Die Fitnesskur zeigt Wirkung: In den vergangenen vier Quartalen erwirtschaftete Shell einen operativen Cashflow von 38,5 Milliarden Dollar – genug, um komfortabel zu investieren
und Dividenden auszuschütten. Zweifel an der Beständigkeit der Ausschüttung sind damit aus­geräumt. Mit aktuell 6,6 Prozent ist die Rendite rekordverdächtig in der Branche. Die Aktien sind im Sektorvergleich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für das kommende Jahr von 15 moderat bewertet. Kaufen

 

Härtere Zeiten

Goldene Zeiten hat der Aussenwerber APG zuletzt durchleben dürfen. Seit dem Tief 2010 und mit dem Ausstieg aus verlustreichen Auslandsengagements hat sich der Aktienkurs von rund 100 auf gut 500 Franken im Mai verteuert. Seither ist er ein Fünftel zurückgekommen. Die Zeiten für APG werden härter. Der Wettkampf im Aussenwerbemarkt hat sich verschärft, ein paar wichtige Verträge gingen an die Konkurrenz. Der Umsatzrückgang um 3 Prozent im ersten Halbjahr zeugt davon, dass der Leader in der Schweiz etwas an Marktanteilen (aktuell geschätzt: 65 Prozent)
verloren hat. Die Aktien gelten aber als Dividendenperlen, mit der letzten Ausschüttung ergibt sich eine Rendite von 6 Prozent. Für das laufende und das nächste Jahr ist die Dividende kaum gefährdet. Dann gilt noch die Regel, dass die ordentliche Dividende via Sonderdividende verdoppelt wird, um nicht benötigte Netto­liquidität abzubauen. Nach und nach dürfte aber der freie Cashflow sinken und dann auch die Dividende. Gewinne dosiert realisieren

2 Kommentare zu «Irma rüttelt an Swiss Re und Zurich»

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