Totalverlust mit Indexfonds?

Auch wenn ein Unternehmen Konkurs geht: Ein Totalverlust ist bei Indexfonds unmöglich. Foto: Steffen Schmidt/Keystone

Auch wenn ein Unternehmen in Konkurs geht: Ein Totalverlust ist bei Indexfonds unmöglich. Foto: Steffen Schmidt/Keystone

In meinem Depot halte ich Aktien und Exchange Traded Funds (ETF). Neulich habe ich mir einige Gedanken zu den Risiken von ETF gemacht. Gehe ich richtig in der Annahme, dass man im Vergleich zu Aktien bei ETF keinen Totalverlust erleiden kann? L. B.

Im Grundsatz ist Ihre Überlegung richtig: Eine einzelne Börsenfirma kann durchaus in Konkurs gehen. Unschöne Beispiele haben wir auch in der Schweiz etwa mit der Swissair oder der Ölraffineriebetreiberin Petroplus erlebt. Bei einem Firmenkonkurs würden Sie als Aktionär Ihren Einsatz im schlimmsten Fall ganz verlieren.

Bei einem Exchange Traded Fund ist die Sachlage anders: Diese Indexfonds sind an einen Index oder andere Basiswerte gekoppelt und bilden einen Index auf Aktien, Obligationen oder andere Anlageklassen ab. Ihr Hauptrisiko entspricht den Schwankungen des mit dem Produkt im direkten Verhältnis stehenden Index. Geht der Index rauf, profitieren Sie von Gewinnen, gibt er nach, schlagen die Verluste direkt auf Ihr Produkt durch, was bei einem Crash fatal ist. Einen Totalverlust erleiden Sie aber nicht.

Sie können mit ETF günstig und mit wenig Kapitaleinsatz einen ganzen Markt abdecken und damit eine gute Diversifikation erreichen. Selbst wenn Ihre Bank, bei der Sie die ETF im Depot haben, in Konkurs geht, sind die Vehikel nicht betroffen: Denn die ETF gelten wie klassische Anlagefonds und andere Wertschriften als Sondervermögen. Die Wertschriften bleiben selbst bei einem Bankenzusammenbruch in Ihrem Besitz. Auch ein Emittentenrisiko wie bei vielen strukturierten Produkten besteht bei einem klassischen ETF eigentlich nicht. Die Bank bildet ja lediglich den Index ab.

Leider hat die Sache einen Haken, den man als stark auf Sicherheit bedachter Investor unbedingt beachten sollte. Nicht alle ETF sind in ihrer Funktionsweise gleich. Ein Teil der ETF bilden den an sie gekoppelten Index ein zu eins ab. Sie halten bei einem ETF auf den SMI beispielsweise Aktien im genauen Verhältnis wie sie im Index gewichtet werden. Sie sind voll replizierend. Andere ETF bilden den Index aber nur synthetisch ab, und zwar durch Swap-Geschäfte. Bei solchen Tauschgeschäften garantiert eine Bank dem ETF-Anbieter die Performance des entsprechenden Index. Die Bank muss die Aktien im Fall eines Aktienindex nicht zwingend besitzen.

Viele Anbieter setzen für Ihre ETF Derivate ein. In diesem Fall besteht ein Emittentenrisiko für diese Derivate, ohne dass sich die meisten Anleger dessen bewusst sind. Immerhin kann dieses Ausfallrisiko abgesichert werden, was oft gemacht wird. Zu beachten gilt, dass auch viele ETF, welche auf Rohstoffe setzen und somit an Rohstoffindizes gekoppelt sind, oft Derivate nutzen. Bei diesen Instrumenten würde ich das Gegenparteienrisiko im Auge behalten und nur erstklassige Institute mit solider Kapitalbasis berücksichtigen. Ein gewisses Restrisiko besteht auch bei voll replizierenden ETF, welche zwar die Aktien gemäss Index erwerben, diese oder Teile davon dann aber wieder an andere institutionelle Anleger ausleihen und damit Gebühren erhalten.

Auch wenn ETF im Krisenfall der Bank als Sondervermögen gelten und damit in Ihrem Besitz verbleiben, sind Sie je nach Art der gewählten ETFs mit Restrisiken konfrontiert. Die geringsten Risiken gehen Sie meines Erachtens ein, wenn Sie in ETF investieren, welche eine volle physische Replikation bieten – also den an den ETF gekoppelten Index effektiv mittels Wertpapieren selbst nachbilden und auf Swap-Geschäfte und andere Derivate möglichst verzichten. Vom Emittentenrisiko abgesehen, bleibt ja immer noch das Marktrisiko.

Gerade bei ETF, welche an Aktienindices wie den Swiss-Market-Index, den Dow Jones oder den DAX gekoppelt sind, müssen Sie jederzeit mit starken Kursschwankungen rechnen. Da ist es sinnvoll, dass Sie über das eigentliche Markt- und Anlagerisiko hinaus nicht auch noch weitere Unwägbarkeiten in Form des Emittentenrisikos im Blickfeld behalten müssen.