Selbst bei erstklassigen Obligationen drohen Kursrückschläge

Währungsrisiko: Schwankungen bei Dollaranleihen. Foto: Getty

Währungsrisiko: Schwankungen bei Dollaranleihen. Foto: Getty

Ich habe aus einer Erbschaft Anteile am Anlagefonds Swisscanto (CH) Bond Fund International (III), Valor 277950 geerbt. Der Fonds hat eine schöne Ausschüttung, aber die Performance lässt zu wünschen übrig. Ich bin im Moment nicht auf das Geld angewiesen; soll ich den Buchverlust aussitzen oder den Fonds verkaufen und in einen Aktienfonds investieren? R.S.

Der Swisscanto (CH) Bond Fund International (III) AA investiert fast das gesamte Kapital in internationale Anleihen mit einem guten Rating. Obschon der Fonds damit für konservative Anleger geeignet wäre, hat er in den letzten Jahren Terrain verloren. Der Grund für die erheblichen Buchverluste liegt einerseits in den Kursveränderungen bei den Währungen, anderseits bei den Schwankungen bei den Anleihenkursen. Das Währungsrisiko bei diesem Fonds ist erheblich. Denn rund 55 Prozent des Kapitals wird in Dollar, 27 Prozent in Euro und 14 Prozent im Britischen Pfund und der Rest in weiteren Währungen investiert.

Ebenso gewichten wie das Währungsrisiko würde ich bei diesem Fonds das Zinsänderungsrisiko. Wenn die Zinsen steigen, werden bestehende Anleihen, die noch tiefe Zinscoupons aufweisen, weniger interessant. Dadurch kommt es bei Anleihen zu Buchverlusten. Konkret passiert ist dies bereits bei vielen US-Obligationen: Nachdem die Zinsen zunächst Ende 2015 das erste Mal und im Dezember 2016 zum zweiten Mal seit der Finanzkrise angehoben wurden, kamen viele US-Dollar-Obligationen unter Druck. Daher sitzen Sie bei dem Fonds auf Buchverlusten. Leider drohen auch künftig weitere Verluste.

Aus meiner Sicht sind viele Obligationen überbewertet – insbesondere sehr konservative Anleihen mit langen Laufzeiten. Schon jetzt ist klar, dass die Zinsen in den USA weiter steigen werden. Voraussichtlich dürfte die US-Notenbank die Leitsätze in diesem Jahr noch zweimal anheben. Das könnte die US-Anleihen weiter unter Druck bringen. Als Investor sollte man nicht von der falschen Annahme ausgehen, dass Obligationen absolut sicher sind und anders als bei den Aktien keine Kursverluste drohen. Derzeit stufe ich das Risiko bei hoch bewerteten Anleihen als fast so hoch ein wie bei konservativen Aktien.

Sowohl in den USA als auch in Europa zieht die Inflation langsam an. Sobald die Zinsen stärker steigen, werden Obligationen mit langen Laufzeiten noch mehr sinken. Vor diesem Hintergrund würde ich mich von Ihrem reinen Obligationenfonds trennen. Ob es stattdessen sinnvoll ist, das Kapital vollumfänglich in einen Aktienfonds umzuschichten, hängt von Ihrer Risikofähigkeit und Ihrer übrigen Depotstruktur ab. Aktienfonds versprechen zwar in der Tat eine deutlich höhere Rendite als reine Anleihenvehikel. Allerdings weise ich Sie darauf hin, dass die Börsen insbesondere in den USA schon hoch bewertet sind. Eine Korrektur ist jederzeit möglich.

Etwas mehr Potenzial sehe ich indes für Aktien in Europa und der Schweiz, die weit weniger gestiegen sind. Interessanterweise haben sich konservative Blue Chips wie Roche und Novartis im letzten Jahr sogar negativ entwickelt. Bei solchen Qualitätstiteln erwarte ich eine positive Gegenbewegung, was Schweizer Aktienfonds stützen könnte. In solche Papiere sollten Sie aber nur investieren, wenn Sie das Geld während mehrerer Jahre nicht brauchen und mit starken Kursschwankungen problemlos leben können.