Kommt die Inflation bald zurück?

Noch ist eine grosse Wende bei der Teuerung und bei den Zinsen in der Schweiz nicht in Sicht. Foto: Getty Images

Noch ist eine grosse Wende bei der Teuerung und bei den Zinsen in der Schweiz nicht in Sicht. Foto: Getty Images

Bis jetzt haben wir nicht nur Negativzinsen, sondern auch eine Minus-Teuerung. Glauben Sie, das wird noch länger so anhalten oder werden wir bald wieder eine stärkere Teuerung haben? L. P.

Um Ihre Frage zu beantworten, muss man zwischen der Entwicklung in Europa und den USA unterscheiden. Denn zwischen Europa und den USA gehen sowohl die Zinsen als auch die Teuerung stark auseinander. Während die Europäische Zentralbank die Geldpolitik noch mehr lockert, hat die US-Notenbank die Zinsen vor Weihnachten zum zweiten Mal seit der Finanzkrise erhöht.

Ein wichtiger Entscheidungsfaktor für die Geldpolitik ist die Inflation: Zwar hat die Teuerung auch im Euroraum im November leicht angezogen. Die Konsumentenpreise bewegten sich 0,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Zudem signalisieren neuste Daten, dass die Inflation auch in der Eurozone weiter anzieht, dennoch ist sie nach wie vor schwach und liegt weit vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) weg. Denn diese strebt eine Inflationsrate von gut zwei Prozent an.

Anders ist die Lage in den USA: Hier erhöhten sich die Konsumentenpreise um 1,7 Prozent. Dies bedeutet, dass die Inflationsrate nicht mehr weit weg ist vom Zielwert der US-Notenbank von zwei Prozent. Ich gehe davon aus, dass die Teuerung in den USA sogar noch weiter zunimmt: Erstens präsentiert sich der US-Arbeitsmarkt als robust und die Arbeitslosenquote ist auf einem historisch tiefen Niveau. Das dürfte den Löhnen Auftrieb geben. Und zweitens: Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten könnte die Teuerung anheizen. Wenn der neue Präsident sein Wahlversprechen wahr macht und tatsächlich hohe Milliardensummen in die Erneuerung der maroden Infrastruktur in Amerika investiert, kurbelt dies die Wirtschaft und die Inflation weiter an.

Auch von Trump angedrohte Handelsbarrieren für Billigprodukte aus China sprechen für eine steigende US-Teuerung. Zwar wirkt sich eine höhere Inflation in den USA über kurz oder lang auch auf die Teuerung in der Schweiz aus. Viel wichtiger ist für uns die Entwicklung in Europa. Da in der Eurozone die Inflation nur schwach steigt, rechne ich auch bei uns nicht mit einem Inflationsschub. Der Trend allerdings zeigt auch in Europa leicht aufwärts: Dafür spricht nur schon der höhere Ölpreis. Die grosse Wende bei der Teuerung und den Zinsen ist in Europa und der Schweiz vorderhand aber noch nicht in Sicht.

Wie man mit Aktien, die man nicht besitzt, Geld verdienen kann

Können Sie mir bitte kurz erklären, wie das funktioniert bei Leerverkäufen in Aktien? R. S.

Als Leerverkäufer spekuliert man darauf, dass die Kurse sinken: Man verkauft Wertpapiere, die man sich zuvor von einem anderen Besitzer ausgeliehen hat. Securities Lending heisst dazu der Fachbegriff. In vielen Bankverträgen ist die Ausleihe von Wertschriften enthalten. Oft stimmen Kunden dem Securities Lending zu, ohne dass Sie genau wissen, was damit passiert. Als Kunde bekommt man für die Ausleihe seiner Wertschriften eine geringe Gebühr.

Das eigentliche Geschäft macht aber derjenige, welcher sich die Papiere ausleiht und damit handelt. Er verkauft am Markt die Wertschriften, die er eigentlich gar nicht selbst besitzt, sondern nur ausgeliehen hat, in der Hoffnung, dass er die gleichen Papiere später günstiger zurückkaufen kann. Denn er muss diese ja dem Verleiher wieder in der festgelegten Frist zurückgeben.

Wenn die Kurse in dieser Zeit tatsächlich wie darauf gewettet sinken, macht der Leerverkäufer einen Gewinn, von dem aber die geringe Gebühr für das Securities Lending abgeht: Ihm gehört die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und dem späteren tieferen Kaufpreis für die geliehenen Wertschriften. Sollten die Papiere aber entgegen der Erwartung plötzlich steigen, bekommt der Leerverkäufer ein Problem. Er muss die gleichen Titel schnell teurer einkaufen, da er diese dem Verleiher zurückgeben muss und zusätzlich die Ausleihgebühr berappen. In diesem Fall macht er einen Verlust.

Leerverkäufe können einerseits für Spekulationszwecke genutzt werden, anderseits aber auch als Absicherung. Einen schlechten Ruf haben Leerverkäufe nicht zuletzt, weil sie einen ohnehin sinkenden Kurs zusätzlich negativ beeinflussen können. Es entsteht zusätzlicher Abgabedruck in den betroffenen Titeln. Wer sich über Leerverkäufe ärgert, sollte seine eigenen Papiere nicht ausleihen. Denn Leerverkäufe sind nur möglich, wenn andere Investoren – dazu zählen auch professionelle Anleger wie Fonds oder Pensionskassen – dazu Hand bieten, dass ihre Wertschriften ausgeliehen werden. Gleichzeitig müssten sich diese Anleger überlegen, was für die Entwicklung ihres Depots relevanter ist: Die kleinen Gebühren, welche sie dank dem Securities Lending verdienen, oder aber der in gewissen Börsenphasen stärker spürbare Abgabedruck bei einigen Papieren durch die Leerverkäufe.

Wenn sich die Konditionen der Pensionskasse plötzlich verschlechtern

Ich arbeite in einer Firma, welche sparen und darum auch die PK-Verträge entsprechend anpassen will. Die Mitarbeiter wissen noch nichts davon, dass mit der Anpassung der PK-Verträge die Konditionen wesentlich schlechter ausfallen. Ist es korrekt, dass wir offiziell erst nach der Inkraftsetzung der neuen Verträge orientiert werden? M. C.

Eine Pensionskasse kann ihre Reglemente jederzeit anpassen. Das ist im PK-Reglement festgelegt – ebenso die genauen Umsetzungsmodalitäten bei Reglementsänderungen. Aber eine Kasse muss dabei die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. So muss sie beispielsweise für den obligatorischen Bereich weiterhin den gesetzlich festgelegten Umwandlungssatz von 6,8 Prozent garantieren oder auch viele andere Vorgaben erfüllen. Der gesetzliche Umwandlungssatz gilt allerdings nur für Mindestleistungen.

Für den überobligatorischen Bereich, der in vielen Punkten nicht gesetzlich geregelt ist, sowie bei Leistungen über den Mindestvorgaben kann sie indes die bisherigen Konditionen verschlechtern. So darf sie durchaus den Umwandlungssatz stark senken. Das wirkt sich für die Versicherten in Form einer deutlich geringeren Rente aus.

Änderungen des PK-Reglementes müssen einerseits vom Stiftungsrat der Vorsorgeeinrichtung Ihrer Firma genehmigt werden, und anderseits muss das Reglement von der Pensionskassenaufsicht geprüft werden. Letztere prüft allerdings nur, ob alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind. Gerade die Senkung des Umwandlungssatzes im überobligatorischen Bereich hat für die Mitarbeitenden und Versicherten massive Konsequenzen und ist bei den Betroffenen umstritten.

Die rekordtiefen Zinsen, welche es den Kassen erschweren, mit dem Vorsorgekapital vernünftige Renditen zu erwirtschaften sowie die in den letzten Jahren weiter gestiegene Lebenserwartung hierzulande zwingt die Kassen dazu, über die Bücher zu gehen und die Umwandlungssätze und weitere Bedingungen anzupassen. Oft kommt es vor, dass Firmen in der Vergangenheit auch freiwillig attraktive Zusatzbedingungen boten, indem sie etwa mehr Beiträge in die Kassen einzahlten, als sie mussten. Die Sparanstrengungen in vielen Unternehmen führen dazu, dass auch solche freiwilligen Leistungen ebenfalls gestrichen werden.

Das hat zur Konsequenz, dass die Mitarbeitenden selbst höhere Lohnabzüge verkraften müssen und/oder weniger Leistungen bei ihrer Pensionierung erhalten. In Ihrem Fall empfehle ich Ihnen, sich an die Arbeitnehmervertreter im Stiftungsrat Ihrer Pensionskasse zu wenden. Die Stiftungsräte bestehen nämlich sowohl aus Arbeitgeber- als auch aus Arbeitnehmervertretern. Letztere sollten in der Lage sein, Sie über die geplanten Änderungen zu informieren und vor allem auch Ihre Interessen im Stiftungsrat der Kasse zu vertreten, sodass Sie und alle Ihre Kolleginnen und Kollegen transparent und zeitnah erfahren, was auf Sie zukommt.