Hypothek: Der Steuereffekt wird überschätzt

Hypothek amortisieren: Man spart dadurch Zinsen. Foto: Getty

Hypothek amortisieren: Man spart dadurch Zinsen. Foto: Getty

Ich habe eine Frage in Bezug auf die Amortisation der Hypothek. Aus meiner Sicht ist eine Amortisation der Hypothek immer die wirtschaftlichste Option. Ich sehe die Rendite der Anlage, wenn man nicht amortisiert, nicht als einen entscheidenden Punkt. Vielmehr sehe ich den Vorteil bei einer Amortisation darin, dass dadurch die Kosten der Hypozinsen wegfallen. Wie beurteilen Sie meine Sichtweise? T.K.

Ich teile Ihre Sichtweise, dass die Amortisation einer Hypothek in den meisten Fällen ökonomisch attraktiv ist. Und zwar einfach darum, weil man sich die Zinsen für die Hypothek sparen kann. Der Steuereffekt, der gegen eine Amortisation ins Spiel gebracht wird, wird meines Erachtens oft überschätzt. Selbst wenn man den Grenzsteuersatz berücksichtigt und der Steuerabzug wegfällt, fährt man in der Regel mit der Amortisation unter dem Strich besser.

Nicht ganz so eindeutig ist die Frage nach der Anlage: Wenn jemand in der Lage ist, mit dem Kapital, das er für die Amortisation verwendet, eine sehr hohe Rendite zu erwirtschaften, würde er unter Umständen besser fahren. Das ist allerdings eine theoretische Aussage. Denn neben der möglichen Rendite muss auch das Risiko gebührend berücksichtigt werden. Falls jemand zehn oder mehr Prozent Rendite erwirtschaften könnte, geht er entsprechend hohe Risiken ein. Der Amortisation müsste man sinnvollerweise eine Anlage des Kapitals mit geringen Risiken gegenüberstellen. Ansonsten vergleicht man Äpfel mit Birnen und kommt zu einem verzerrten Resultat.

Mit sehr konservativen Anlagen in Schweizer Franken erreicht man derzeit angesichts der Negativzinsen oft nicht einmal ansatzweise die Höhe des Hypozinses. Während die Bundesanleihen der Eidgenossenschaft eine Negativrendite aufweisen, zahlt man selbst für eine günstige Hypothek im Schnitt rund ein Prozent Zins. Diesen Gap kann man auch mit dem Steuervorteil von Zinsabzügen meist nicht wettmachen.

Ohnehin wird meines Erachtens bei Ihrer Fragestellung von vielen der Risikoaspekt zu wenig beleuchtet: Abgesehen davon, dass es derzeit schwierig ist, eine ansprechende Rendite zu erwirtschaften, sind die Folgen, wenn die Anlage in Buchverlusten resultiert, fatal. Dann sitzt man auf der einen Seite weiterhin auf einer Hypothek, die man eigentlich hätte abzahlen können und auf der anderen Seite auf Verlusten. Das Kapital, mit dem man hätte amortisieren können, ist dann geringer.

Eigentlich gibt es einen alten Grundsatz, dass man nur Geld anlegen sollte, wenn man keine Schulden hat. Oder anders ausgedrückt: Man sollte nur Geld investieren, das man auch problemlos verlieren kann. Solange man einen Kredit offen hat, ist man nicht in der Lage, Geld problemlos zu verlieren. Auch diese Überlegung spricht meines Erachtens für eine Amortisation.

Konditionen der Pensionskassen genau vergleichen

Meine Pensionskasse hat ihre Umwandlungssätze angepasst. Früher  beliefen sich diese bei einer Pensionierung mit 63 Jahren auf 5.4 Prozent und bei 65 Jahren auf 5.6 Prozent. Jetzt gelten andere Zahlen: Bei Pensionierung mit 63: 4.8 Prozent und bei 65 Jahren nur noch 5 Prozent. Verglichen mit der Pensionskasse des Kantons Bern (im Schnitt 5.4 Prozent) erscheint dies mickrig! Da ich selbstständig tätig bin: Soll ich die Pensionskasse wechseln? C.Z.

Ich würde einen Wechsel zumindest ernsthaft prüfen. Jeder Prozentpunkt, den Sie beim Umwandlungssatz im überobligatorischen Bereich besser fahren, macht später einiges für Ihre Pension aus. Im obligatorischen Bereich gilt ja nach wie vor der gesetzlich vorgeschriebene Umwandlungssatz von 6,8 Prozent. Ein Altersguthaben mit 65 von 100’000 Franken ergibt damit eine jährliche Altersrente von 6800 Franken. Im überobligatorischen Teil wurde dieser Satz von den meisten Vorsorgeeinrichtungen bereits gesenkt und zwar deutlich, so wie bei Ihrer Kasse. Gemäss Vorstellungen von Bundesrat Alain Berset soll der Umwandlungssatz künftig auch im obligatorischen Bereich von 6,8 auf 6 Prozent reduziert werden. Ob dies beim Volk durchkommt, ist eine ganz andere Frage.

Was die Vorsorgeeinrichtungen im überobligatorischen Bereich bereits vollzogen haben, soll künftig also auch im obligatorischen Bereich passieren. Persönlich rechne ich damit, dass dies nur der Anfang wäre: Wenn die Zinsen weiter extrem tief bleiben und die Lebenserwartung der Versicherten weiter steigt, dürften die Umwandlungssätze künftig noch mehr unter Druck kommen. Sowohl im obligatorischen als auch vor allem im überobligatorischen Bereich. Die Pensionskassen und Versicherungen verfolgen derzeit gegenseitig genau, wer welchen Schritt macht. Viele Kassen sind daran, ihre Sätze im überobligatorischen Bereich weiter anzupassen.

Normalerweise kann man seine Kasse nicht einfach wechseln. Da Sie selbstständig sind, haben Sie andere Möglichkeiten. Ihnen rate ich, von mehreren Vorsorgeeinrichtungen eine Offerte einzuholen. Dann können Sie vergleichen. Allerdings muss ich Sie warnen: Auch wenn eine Kasse derzeit höhere Umwandlungssätze im überobligatorischen Bereich hat, bedeutet dies für Sie keine Garantie. Auch diese Kasse dürfte früher oder später ihre Umwandlungssätze weiter reduzieren. Möglicherweise fahren Sie aber immer noch besser, als wenn Sie bei Ihrer Kasse bleiben. Ein Vergleich lohnt sich auf jeden Fall. Immerhin geht es für Sie um viel Geld.

Quellensteuern zurückfordern

Ich besitze deutsche Aktien. Bei der Dividendenauszahlung ist jeweils 26.375 Prozent Quellensteuer abgezogen worden. Für die Rückerstattung der Quellensteuer verlangt meine Bank nun 120 Franken Gebühr pro Titel. Kann man das nicht billiger haben, wenn man das R-D-1-Formular selber ausfüllt? H.K.

Ja, Sie können die Quellensteuern auch selbst zurückfordern und sich so die hohen Gebühren sparen. Letztlich geht es dabei um einen etwas mühsamen administrativen Aufwand, den Sie selbst leisten können und für den die Bank die happigen Kosten verrechnet. Im Zuge des bestehenden Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Schweiz und Deutschland können Sie die bereits abgezogene Quellensteuer wieder geltend machen. Konkret müssen Sie das DA-1-Formular, welches Sie von Ihren kantonalen Steuerbehörden erhalten, ausfüllen und Ihrem Steueramt einreichen. Allerdings beträgt der anrechenbare Teil nur 15 Prozentpunkte.

Ihnen wurde aber mehr abgezogen. Doch auch den darüber hinaus gehenden Teil können Sie zurückfordern – nämlich direkt bei den deutschen Steuerbehörden.  Nachdem Sie in einem ersten Schritt das DA-1-Formular zusammen mit den Bankbelegen, welche die Zinsen und Dividenden sowie die Abzüge aufzeigen, beim Kantonssteueramt eingereicht hatten, bestätigt Ihnen dieses, dass Sie hierzulande wohnen und steuerpflichtig sind. Dies ist die Voraussetzung, dass Sie die Quellensteuer in Deutschland vollumfänglich zurückverlangen dürfen.

Wenn Sie die Bestätigung sowie alle Belege und Formulare zusammen haben, können Sie diese ans deutsche Finanzamt schicken und die Quellensteuer so selbst einfordern. Das entsprechende Formular für Deutschland finden Sie auf der Homepage der Eidgenössischen Steuerverwaltung www.estv.admin.ch. Meines Erachtens lohnt es sich, die Quellensteuer in Deutschland geltend zu machen, da Sie ansonsten beträchtliche Summen verlieren und einen Teil Ihrer mit deutschen Aktien erwirtschafteten Rendite flöte geht.