Aufschub des AHV-Bezugs lohnt sich

Nur mit der Ruhe: Wer mit dem Bezug der AHV-Rente zuwartet, muss genügend Reserven für die Zeit der Überbrückung haben. Foto: Gaetan Bally/Keystone

Nur mit der Ruhe: Wer mit dem Bezug der AHV-Rente zuwartet, muss genügend Reserven für die Zeit der Überbrückung haben. Foto: Gaetan Bally / Keystone

Ich überlege mir, die AHV-Rente aufzuschieben, da ich genügend Geld auf der Seite und noch Einnahmen habe. Lohnt sich ein Aufschub überhaupt? I. T.

Als Frau beträgt Ihr ordentliches Rentenalter 64 Jahre. Sie müssen Ihre AHV-Rente aber nicht zwingend mit 64 beziehen. Gemäss Gesetz dürfen Sie den Bezug der Rente auch aufschieben. Allerdings nur um maximal fünf Jahre. Also spätestens mit 69 müssten Sie die AHV dann sicher beziehen.

Wenn Sie abwarten und die AHV noch nicht in Anspruch nehmen, profitieren Sie künftig ab Bezug von einem monatlichen Zuschlag. Laut AHV beträgt der prozentuale Zuschlag nach einem Jahr 5,2 Prozent, nach zwei Jahren 10,8 Prozent, nach drei Jahren 17,1 Prozent, nach vier Jahren 24 Prozent und nach fünf Jahren sogar 31,5 Prozent. In Zeiten rekordtiefer Zinsen ist dieser Zuschlag auf die Rente eine gute Anlage. Zudem sparen Sie in der Phase des Aufschubs auch noch Steuern, da Renten als Einkommen versteuert werden müssen.

Doch Vorsicht: Sie sollten sich einen Aufschub der Rente und vor allem die Zeitdauer des Aufschubs gut überlegen und prüfen, ob Sie für die Zeit wirklich genügend Reserven für den Lebensunterhalt und auch für unvorhersehbare Ereignisse haben. Denn nach Ablauf der einjährigen Minimaldauer ist kein Widerruf des Aufschubs mehr möglich, wie es auf der Website der AHV heisst. Ausserdem muss der Aufschub innerhalb eines Jahres seit Beginn der Rentenberechtigung erklärt werden. Wenn dies nicht erfolgt, wird die Altersrente ohne Zuschlag festgesetzt und vergütet.

Gebühren zu vergleichen, zahlt sich aus

Unser Vermögensverwalter schlägt uns eine Verwaltungsgebühr in der Höhe von 0,75 Prozent vor sowie Performance-abhängige Gebühren zwischen 3 und 15 Prozent der jährlichen Performance, wobei beim Höchstwert die Verwaltungsgebühr entfällt. Wie beurteilen Sie die Gebühren? H. H.

Punkto Verwaltungsgebühr ist Ihr Vermögensverwalter recht günstig. Verbreitet sind in der Branche Kosten bis zu 1,5 Prozent. Bei einer Anlagesumme von angenommen einer halben Million Franken macht die jährliche Verwaltungsgebühr in Ihrem Fall aber immerhin 3750 Franken aus. Auch dann, wenn der Vermögensverwalter erfolglos arbeitet und für Sie null Rendite oder sogar Buchverluste resultieren.

Ins Geld gehen auch die Performancegebühren, die bei Ihnen zusätzlich belastet würden. Doch da können Sie sich sagen, dass für Sie immerhin real ein Gewinn bleibt, zumal die Gewinnbeteiligung offenbar erst ab einer Nettorendite von über 6 Prozent greift. Mit den Ansätzen für die Gewinnbeteiligung liegt Ihr Verwalter im Branchendurchschnitt. Die entsprechenden Performancegebühren liegen zwischen 5 und 25 Prozent, je nach gesamter Gebührenstruktur.

Doch damit ist es nicht getan: Denn darüber hinaus fallen noch weitere Gebühren an. Genau prüfen sollten Sie etwa, welche Depotgebühren, Courtagen für den Kauf und Verkauf und weitere Abgaben für die Kontoführung usw. zusätzlich bei der Bank anfallen. Hat der Verwalter Ihr Depot bei einer teuren oder günstigen Bank parkiert? Auch hier gibt es grosse Unterschiede. Weiter würde ich nachfragen, was mit den Retrozessionen passiert. Das sind sogenannte Kick-backs – Provisionen –, welche Fondsfirmen oder Banken für den Kauf und das Halten ihrer Produkte an den Vermögensverwalter bezahlen. Werden Ihnen diese Retrozessionen vergütet, oder behält diese der Vermögensverwalter? Gemäss Bundesgericht gehören diese Provisionen Ihnen als Kunde. Nicht selten werden aber Retrozessionen trotzdem vom Vermögensverwalter oder der Bank einbehalten.

Das ist möglich, wenn der Kunde dafür schriftlich sein Einverständnis gibt. Oft ist das im Kleingedruckten von Verträgen versteckt. Falls der Vermögensverwalter die Provisionen behält, sind seine wahren Gebühren deutlich höher. Prüfen sollten Sie zudem, ob in den im Vertrag aufgeführten Kosten wirklich alle Gebühren enthalten sind. Oder werden dann doch noch irgendwelche Extras verrechnet? Auch dies kann ins Geld gehen. Da die Verwaltungs- und Bankgebühren einen Teil Ihrer Rendite wegfressen, empfehle ich Ihnen, bei anderen Vermögensverwaltern oder Banken Vergleichsofferten einzuholen.

Doch Vorsicht: Gebühren sind nicht alles. Noch wichtiger sind die Professionalität und die Fähigkeit sowie die Vertrauenswürdigkeit Ihres Beraters. Wenn er schlechte Arbeit leistet, nützt es Ihnen auch nichts, wenn er die tiefsten Gebühren hat. Und doch: Gerade in Zeiten tiefer Zinsen und Renditen entscheiden Gebühren mit, ob man mit seinem Vermögen überhaupt noch anständig verdient oder unter dem Strich ein schlechtes Geschäft macht. Darum sollte man auch diese genau im Auge behalten.

Zuverlässiger Schuldner mit gutem Rating

Ich bin auf der Suche nach sehr sicheren Obligationen in Schweizer Franken. Dabei bin ich auf die Anleihen der Stadt Zürich gestossen. Wie sicher sind diese? Die Stadt hat doch riesige Schulden. V. U.

Es stimmt, dass die Verschuldung der Stadt Zürich seit der Finanzkrise im Jahr 2008 nochmals zugenommen hat. In Relation zu den Gesamteinnahmen ist die Verschuldung auf fast 180 Prozent in die Höhe geklettert. Negativ ausgewirkt hat sich im Fall der Stadt Zürich unter anderem, dass die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS während mehrerer Jahre massiv weniger Steuern zahlten, weil sie phasenweise in die roten Zahlen abrutschten oder aber frühere Verluste anrechnen konnten.

Trotzdem erachte ich die Stadt Zürich als einen sehr sicheren Schuldner. Die Zürcher Kantonalbank stuft Zürich mit einem guten AA-Rating ein. Sie weist darauf hin, dass Zürich nach Zug die höchsten Steuereinnahmen pro Einwohner der grösseren Schweizer Gemeinden generiert. Ein gewisses Risiko sehe ich im Falle der Stadt Zürich wie bei vielen anderen staatlichen Schuldnern in der städtischen Pensionskasse. Der Deckungsgrad auch dieser Kasse hat sich verschlechtert und könnte sich angesichts der steigenden Lebenserwartung der Versicherten und der rekordtiefen Zinsen, welche es schwierig machen, eine vernünftige Rendite zu erzielen, noch weiter verschlechtern.

Diesen Aspekt gilt es mittelfristig im Auge zu behalten, obwohl er kurzfristig noch kein konkretes Risiko darstellt. Dennoch können Sie davon ausgehen, dass die Stadt Zürich ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Anleihen-Schuldnern auch künftig zuverlässig erfüllt, Ihr Risiko also sehr gering ist.