Träume aus Silber

Silbernotierungen: Höchster Stand seit rund einem Jahr. Foto: Getty

Silbernotierungen: Höchster Stand seit rund einem Jahr. Foto: Getty

Ein Kollege hat mir empfohlen, im grossen Stil Silber zu kaufen. Damit würde ich schnell einen hohen Gewinn erreichen. Was meinen Sie? T. C.

Silber hat sich in diesem Jahr ebenso wie das Gold stark erholt. Die Silbernotierungen erreichten den höchsten Stand seit rund einem Jahr. Die stärkere Nachfrage nach den beiden Edelmetallen hat mehrere Gründe. Einerseits suchten die Anleger aufgrund der zeitweise heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten seit Jahresbeginn nach sicheren Anlagemöglichkeiten. Silbermünzen und Engagements in Silberfonds sind wieder eher gefragt. Andererseits hat im Falle des Silbers auch die industrielle Nachfrage zugenommen. Silber braucht es für viele technische Produkte, etwa in der Herstellung von Fotovoltaikanlagen. Sollte die Inflation irgendwann wieder anziehen, würde auch dies dem Silber Auftrieb geben. Derzeit wird die Inflation durch die tiefen Rohölpreise aber stark gebremst. Den Preis gestützt hat auch die etwas geringere Silberförderung. Dies spricht zusammen mit der zunehmenden Nachfrage aus der Schmuckbranche und der Industrie durchaus dafür, dass sich die Silbernotierungen noch weiter erholen könnten.

Das grosse und vor allem auch schnelle Geld werden Sie mit Silber aber kaum machen. Da warne ich Sie vor zu hohen Erwartungen und unrealistischen Träumen. Silber nur aus Spekulationszwecken zu kaufen, halte ich für hoch riskant. Wie beim Gold müssen Sie auch beim Silber mit starken Preisausschlägen rechnen. Wenn Sie an den Aufwärtstrend beim Silber glauben, würde ich als Depotabrundung in einen kostengünstigen Exchange Traded Fund, der an den Silberpreis gekoppelt ist, investieren. Zu viel Geld würde ich aber nicht allein in Silber anlegen, sondern nur einen kleinen Teil Ihres Vermögens im Sinne der Diversifikation auf Silber setzen. Trotz der aktuellen und anhaltenden Erholungstendenz stufe ich die Risiken bei Silberanlagen als hoch ein.

 

Breiter diversifizieren

Ich habe über 300 Anteile am Fonds Swisscanto Ant SWC (CH) BF Corp. H-A- in meinem Depot gespart. Der Fonds hat in jedem Jahr eine Ausschüttung von 3 Prozent geleistet. Meine Bankberaterin hat mir empfohlen, mit Aktienfonds (Valorennummer 2541753 oder 2541749) ein wenig zu diversifizieren. Ist dies sinnvoll? A. F.

Diversifikation ist grundsätzlich sinnvoll. Jetzt setzen Sie voll auf Obligationen und sind damit in der Vergangenheit gut gefahren. Doch auch Anleihenfonds sind nicht vor Kursrückschlägen gewappnet, obschon die Kursausschläge bei solchen Vehikeln in der Regel deutlich geringer sind. Je nach Zinsentwicklung müssen Sie auch bei Anleihenfonds mit Kursverlusten rechnen. So gesehen macht es schon Sinn, wenn Sie Ihr Kapital breiter in andere Anlagegruppen diversifizieren. Bei den von Ihrer Bankberaterin vorgeschlagenen Fonds handelt es sich um reine Aktienfonds. Der Swisscanto (CH) MSCI USA Index Fund A (Valor 2541753) fokussiert sich auf amerikanische Aktien und bildet den MSCI USA Index ab. Grösste Positionen des Fonds sind Titel wie Apple, Microsoft, Exxon, GM oder Johnson & Johnson. Für den Fonds spricht auch, dass er mit einer Kostenkennziffer TER von 0,55 Prozent günstig ist.

Der zweite vorgeschlagene Fonds, der Swisscanto (CH) SPI Index Fund A (Valor 2541749), investiert passiv in Schweizer Aktien und bildet den Swiss-Performance-Index (SPI) ab. Zu den Hauptpositionen gehören Schwergewichte wie Novartis, Roche oder Nestlé. Auch dieser Fonds ist mit einer TER von 0,45 Prozent günstig. Beide Instrumente stufe ich als gut ein. Allerdings müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie damit deutlich höhere Risiken eingehen. Zwar haben die Aktienmärkte in diesem Jahr bereits deutlich korrigiert. Vielleicht können Sie deshalb zu einem attraktiven Zeitpunkt einsteigen. Doch garantiert ist dies nicht. Möglicherweise geben die Aktienbörsen im Jahresverlauf noch weit stärker nach.

Wenn Sie in diese Aktienfonds diversifizieren, müssen Sie bereit sein, deutlich mehr Kursschwankungen in Kauf zu nehmen und einen langfristigen Anlagehorizont haben. Indem Sie höhere Risiken eingehen, haben Sie dafür attraktivere Renditechancen. Ich empfehle Ihnen, mit Ihrer Bankberaterin Ihr Risikoprofil genau zu prüfen und sich zu überlegen, ob Sie tatsächlich mehr Risiken tragen können und wollen.

 

Wenn Private Kreditgeber werden

Was halten Sie von www.creditgate24.com? Ist dies ein seriöses Unternehmen und als Anlage-Beimischung zu empfehlen? U. B.

Creditgate 24 ist ein seit rund einem Jahr tätiges Schweizer Start-up-Unternehmen, das als Online-Marktplatz für Kredite agiert. Die Firma fokussiert sich auf die weitgehend automatisierte Kreditvergabe und nutzt dabei auch Daten aus dem Internet zur Verifikation von Angaben von Kreditnehmern und Anlegern. Mit seiner Dienstleistung macht Creditgate 24 direkt jenen Banken Konkurrenz, welche Kleinkredite zu zum Teil extrem hohen Zinsen an Private vergeben. Doch ist die Firma selbst keine Bank und leiht auch nicht selbst Geld. Vielmehr ist sie eine internetbasierte Schnittstelle: Während Kreditnehmer Geld suchen, können Anleger Kapital anbieten und erhalten dafür einen attraktiven Zins.

Während in den USA und Asien die private Vermittlung von Krediten längst ein Milliardengeschäft ist, fristet sie bei uns noch ein Schattendasein. Aktiv sind hierzulande auch andere Anbieter wie Cashare oder die Plattform www.miteinander-erfolgreich.ch der Basellandschaftlichen Kantonalbank. Ich gehe davon aus, dass Lending-Plattformen künftig Marktanteile gewinnen. Das Hauptgeschäft dürfte aber noch einige Zeit in den Händen der Banken bleiben.

Wenn Sie sich als Anleger überlegen, Geld über Creditgate 24 zu investieren, müssen Sie sich in erster Linie fragen, wie sicher die Kredite sind, welche gesprochen werden. Laut Firmenangaben wird jeder Kreditantrag streng geprüft, wobei das interne Rating- und Kreditprüfungssystem traditionelle Bonitätsprüfungen mit Big-Data-Analysen kombiniert. Je nach Resultat dieser Abklärung werden die Kreditbegehren verschiedenen Ratingstufen zugeordnet. In den Ratingstufen AA, C, D, E verfügen die Kredite über eine obligatorische Restlaufzeitversicherung für den Fall von Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder Tod. Zusätzlich verspricht die Plattform, dass, wenn ein Kredit ausfällt, das Risiko in der jeweiligen Ratingkategorie durch die Solidaritätsvereinbarung aufgefangen werde. Für seine Dienstleistung bringt Creditgate eine Servicegebühr von 0,8 bis 3 Prozent beim Kreditnehmer in Abzug.

Positiv ist, dass Kredite nicht von einer einzigen Person finanziert werden. Diese Diversifikation federt das Ausfallrisiko ab. Dennoch bleibt ein Ausfallrisiko für Kreditgeber bestehen. Dazu kommt, dass Kreditplattformen wie Creditgate anders als Banken nicht der Einlagensicherung unterstehen. Zusätzlich zum eigentlichen Kreditrisiko müssten Sie im Detail klären, was bei einem Zusammenbruch der Onlineplattform mit ihrem Geld genau passiert. Über Erfolg oder Misserfolg im Kreditgeschäft entscheidet die Bonitätsprüfung. Wie gut diese im Falle der Creditgate und anderer vergleichbarer Plattformen in der Praxis wirklich ist, kann ich von aussen nicht beurteilen. Damit bleibt auch offen, wie gross letztlich das Risiko ist.

Deshalb rate ich Privatanlegern bei solchen Kreditinvestments zur Vorsicht. Auf keinen Fall würde ich grosse Summen über einen solchen Kanal investieren, obschon ich im Crowdlending durchaus Zukunftspotenzial sehe. Wenn Sie von Crowdlending-Plattformen überzeugt sind, könnten Sie übrigens alternativ auch in weit grössere Firmen wie Lending Club oder die chinesische Yirendai investieren, welche beide an der US-Börse kotiert sind. Allerdings haben beide Aktien seit ihrem Börsengang zum Teil massiv an Wert verloren.