Bargeld unerwünscht

Cash-Limiten und Gebühren verdeutlichen, dass Bargeld zusehends verschwinden soll. Gemäss unserem Geldberater hat das nicht nur Vorteile.

Kontaktlos, transparent und sicher: Immer mehr Kunden setzen auf elektronische Zahlungsmittel. Foto: iStock

Neulich wollte ich eine Einzahlung via Einzahlungsschein bei der Post erledigen. Der Betrag war grösser 15’000 Franken. Die Dame am Schalter eröffnete mir, dass die Post keine Einzahlung grösser als 15’000 Franken mehr abwickeln darf. Den Betrag habe ich von der Bank abgehoben. Das Konto ist steuerlich korrekt erfasst. Handelt die Post korrekt? T.D.

Bargeld wird generell immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Nicht nur wegen der Corona-Krise, seit der es viele Läden und Konsumenten vorziehen, dass man bargeldlos zahlt, weil viele fürchten, sich am Bargeld anzustecken.

Auch Regierungen und Aufsichtsstellen versuchen den Bargeldverkehr mit dem Verweis auf das Geldwäschereirisiko zu verringern. In einigen Ländern erfolgt das allerdings auch aus steuerlichen und damit aus politischen Gründen. Schweden etwa möchte das Bargeld möglichst abschaffen und ist auf diesem Weg schon weit fortgeschritten.

Das hat keineswegs nur Vorteile: Wenn der gesamte Zahlungsverkehr nur noch elektronisch erfolgt, ist jede Transaktion nachverfolgbar und damit auch überwachbar. Der gläserne Bürger ist dann Realität.

In der Schweiz wird das Bargeld kaum so schnell verschwinden. Die Regulierung senkt die Grenzen für Bargeldtransaktionen mit Finanzinstituten aber immer mehr. Deshalb ist es richtig, was Ihnen die Mitarbeiterin der Post am Schalter gesagt hat. Sie darf tatsächlich keine Bareinzahlungen über 15’000 Franken via Einzahlungsschein für eine andere Partei entgegennehmen.

Der Grund: Seit Jahresbeginn ist die überarbeitete Vereinbarung über die Standesregeln zur Sorgfaltspflicht der Banken (VSB20) in Kraft. Darin wird die Limite zur Einhaltung der Sorgfaltspflichten für Schweizer Finanzintermediäre, zu denen auch die Postfinance zählt, bei Kassageschäften generell auf 15’000 Franken gesenkt.

Johannes Möri, Mediensprecher der Postfinance, präzisiert auf Anfrage hin die Strategie des gelben Riesen. «Die Post und die Postfinance beschränken sich im Barzahlungsangebot auf den Grundversorgungsauftrag und haben daher per 1. Januar 2020 die Limiten für Kassageschäfte von 25’000 auf 15’000 Franken gesenkt. Diese Anpassung betrifft den Währungswechsel oder -umtausch sowie die Bareinzahlungen in den Bankenkanal.»

Bargeld hat eine wichtige Rolle und sollte als Zahlungsmittel nicht benachteiligt werden.

Interessant zu wissen ist in diesem Kontext, dass Bargeldgeschäfte am Schalter seit dem 1. Januar 2020 neu ab folgenden Limiten abgelehnt werden: Bareinzahlungen ins Ausland ab 5000 Franken, wobei solche bei Geschäftskunden ganz zurückgewiesen werden; Bareinzahlungen auf Postkonten von Banken und auf Kundenkonten von Drittbanken ab 15’000 Franken und Währungs- und Geldwechselgeschäfte ab 15’000 Franken.

Anders wäre es gewesen, wenn Sie den hohen Barbetrag nicht auf ein Drittkonto hätten einzahlen wollen, sondern auf Ihr eigenes Postkonto. Denn Bareinzahlungen auf ein Postkonto sind weiterhin bis 100’000 Franken möglich. Erlaubt sind von diesem auch Barauszahlungen bis 100’000 Franken. Für Beträge darüber müssen Kunden ihr Vorhaben vorgängig bei der Postfinance anmelden, weil in diesem Fall eine Compliance-Abklärung durchgeführt wird. Sofern diese positiv ist, wird mit dem Kunden vereinbart, wann und auf welcher Filiale er das Geld beziehen kann.

Postfinance-Sprecher Möri verweist auf Alternativen zu Bartransaktionen wie Überweisung mittels Onlinebanking oder Bareinzahlung direkt am Bankschalter und betont: «Auch nach der Senkung der Limiten für Kassageschäfte erfüllen die Post und die Postfinance die Anforderungen aus dem Grundversorgungsauftrag vollumfänglich.»

Dass Bargeldeinzahlungen weniger beliebt gemacht werden sollen, zeigt auch die Preispolitik der Postfinance. Diese erhöht nämlich per 1. Juli die Preise für Einzahlungen am Postschalter und an weiteren physischen Zugangspunkten der Post, weil der Schalterzahlungsverkehr stark defizitär sei. Werden Rechnungen an den physischen Zugangspunkten der Post wie Filialen bezahlt, fällt für den Empfänger der Einzahlung eine Schalterzahlungstaxe an. Diese beträgt bis 50 Franken neu 2 Franken, bis 1000 Franken 3.10 Franken, bis 10’000 Franken 4.75 Franken.

Wenn Sie Bargeld am Schalter einzahlen, sind Sie somit nicht nur mit Limiten, sondern auch mit steigenden Gebühren konfrontiert. Trotzdem hat Bargeld aus meiner Sicht für unsere Gesellschaft weiterhin eine wichtige Rolle und sollte als Zahlungsmittel, das anders als elektronische Zahlungsmittel die Privatsphäre schützt, nicht benachteiligt werden.

11 Kommentare zu «Bargeld unerwünscht»

  • Panja Flöte sagt:

    Danke! Spannender Artikel.

  • Urs brand sagt:

    Wie kann man Geld für Zahlungen bei der Bank abheben und es am PostSchalter wieder einzahlen?
    Das macht keinen Sinn und birgt noch das Risiko ausgeraubt zt werden.
    Unvernünftiger kann man Zahlungen nicht machen.

    • Anh Toàn sagt:

      Es ist eben dann, und nur dann vernünftig, wenn man die Zahlung verschleiern will, zwingend muss dies nicht der Fiskus sein, es kann auch der Ehepartner oder Geschäftspartner sein, Gläubiger usw usw: Es geht (fast) immer darum, jemanden zu schädigen, wenn grosse Summen bar bezahlt werden, ausnahmsweise ist es Gewohnheit und die fehlende Erkenntnis über die Risiken von Barzahlungen.

      • Anh Toàn sagt:

        Alle anderen Zahlungen, also die gesetzlichen legalen Verbindlichkeiten, muss man allenfalls beweisen erfüllt zu haben, sonst verlangt der Gläubiger nochmal Zahlungen, und darum sind Zahlungsformen, bei welchen der Zahler verschleiert wird, zusätzlich riskant.

      • Anh Toàn sagt:

        So typisch: “ Trotzdem hat Bargeld aus meiner Sicht für unsere Gesellschaft weiterhin eine wichtige Rolle „, Ach ja, sehr geehrter Herr Spieler, warum haben Sie diese wichtige Rolle von Bargeld denn nicht einfach genannt im Text?

        Wofür ist denn Bargeld wichtig in der Gesellschaft? Für Drogen, prostitution, Bestechung und Steuerhinterziehung das Sparschweinchen von Kleinkindern und sonst gar nichts.

  • Gregorio Vlugop sagt:

    Resultat der Gebühren der Post, die Würgegriff-Ähnliche Gebührenkonstrukte der Banken: Umgehe das System komplett, zahle nur noch in Bar, und zwar direkt, ohne Finanzmafia oder Staatsmonopol. Ich habe es Umgedreht, Verlange Ausschließlich Bargeld, Überweisungen etc Belaste ich mit einem solch exorbitante Gebühr, dass jeden gerne in Bar zahlt…eben gelernt von die „Beste“ der Finanzmafia. Im Übrigen: wenn Kreditoren und oder andere Rechnungssteller nun Anfangen werden die Post-Schalter-Gebühren ihren Kunde/Clienten weiter-zu-verrechnen: Teile dieser mit das sie nach dem Verursacher-Prinzip vorgehen müssen, sprich das Gebührendebakel mit die Post „Verhandeln“ müssen, die Weitergabe, oder das Abwälzen Gebühren ist nun mal Rechtswidrig..

  • Peter Pfister sagt:

    Die Rechtslage ist eigentlich klar und hier sehr gut beschrieben. Was ich nicht nachvollziehen kann ist die Tatsache, dass jemand auf die Idee kommt, einen so hohen Betrag in Bar zu beziehen um mit diesem nachher am Postschalter eine Rechnung zu begleichen. Ein Zahlungsauftrag direkt von der Bank mit dem entsprechenden Formular wäre bestimmt einfacher, sicherer und weniger zeitaufwendig gewesen.
    Natürlich bietet sich auch das Onlinebanking an, doch wie bei den Impfverweigerern gibt es auch viele Online-Banking-Verweigerer (auch in meinem Familien- und Bekanntenkreis).

  • Kurt Burger sagt:

    Der Zahlungsempfänger wird sich toll freuen, wenn er für den Eingang von Fr. 15’000 von der Post mit den Bareinzahlungsspesen belastet wird.
    Wäre es der Post mit der Vermeidung von Bareinzahlungen wirklich ernst, würde sie die Gebühren vom Einzahler verlangen und nicht vom Zahlungsempfänger.
    Das wäre in etwa so, wie wenn beim Telefon der Angerufene für die Kosten aufkommen müsste.
    Diese Gebühr ist einfach widersinnig – üblicherweise wird der Aufwand auslösende mit Gebühren belastet.

  • Gertrud Frei sagt:

    Wer hat denn eigentlich Zugriff auf die Transaktionen meines Kontos? Und bei welchen legalen und ethisch akzeptablen Transaktionen muss ich meine ‚Privatsphäre’ schützen?

  • Richard Wetter sagt:

    Das wird dann so richtig toll, wenn mal die ganze Elektronik aussteigt und kein Bargeld mehr vorhanden ist. Das braucht dann sicher mindestens eine Untersuchungskommission um festzustellen wie es so weit kommen konnte.

  • H. Müller sagt:

    Zum Glück gibt es seit über 10 Jahren Bitcoin. Damit kann man ohne Zensur und ohne Limite jedem Mesnchen auf diesem Planeten Geld schicken. Die Kapitalkontrollen werden immer weiter ausgebaut, bis der gläserne Mensch Realität ist. Wir alle wissen, dass der Zug unaufhaltsam diesem Ziel entgegenfährt. Wer aus diesem Überwachungszirkus ausbrechen will, wieder die Kontrolle über sein eigenes Geld erlangen will, der verwendet ganz einfach Bitcoin. Bitcoin ist das härteste Geld der Welt. Wer nicht versteht, was dies bedeutet, sollte sich darüber informieren.

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