Anlegen ohne Risiko? Geht nicht!

Selbst konservative Fonds schützen nicht vor Buchverlusten – und die Turbulenzen an den Finanzmärkten gehen weiter.

Optimale Risikobalance: Investieren Sie nur, wenn Sie trotz möglicher Verluste noch gut schlafen können. Foto: Getty Images

Ich bin 68 Jahre alt und pensioniert. Ich habe einen grossen Teil des Ersparten bei der CS in bar auf den Konten. Daneben habe ich einzig noch schlechte CS-Aktien, die gratis im Depot liegen und die ich einst mit einer Barriere-Anlage zu einem maximalen Preis einfing. Da ich konservativ bin und relativ sicher anlegen möchte, empfiehlt mir die Bank anzulegen wie Pensionskassen und schlägt den Subfond des CS Fund 1 CS Privilege 35 CHF oder 45 CHF vor. Besser sei es anzulegen, als weiterhin nichts zu machen. Was denken Sie? S.S.

Die Ihnen von Ihrer Bank vorgeschlagenen Fonds CS Privilege 35 CHF oder 45 CHF sind Strategiefonds, die breit diversifiziert international in verschiedene Anlageklassen wie Obligationen, Aktien, Alternative Anlagen und liquide Mittel investieren. Beim ersten Vehikel ist der Aktienanteil auf 35 Prozent und beim zweiten auf 45 Prozent beschränkt. Damit sollen die Kursschwankungen begrenzt werden.

Strategisch ist der Fonds auf die Bestimmungen gemäss Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterbliebenen- und Invalidenvorsorge und dessen Verordnungen BVV2 ausgerichtet. Das Geld wird gemäss den Vorsorgebestimmungen eher konservativ investiert. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Sie mit diesen Fonds keine Buchverluste einfahren können. Auch im Corona-Crash waren die Kurse dieser beiden Vehikel deutlich unter Druck geraten. Wenn die Kurse von Wertschriften wie in diesem Jahr im Zuge einer weltweiten Krise auf breiter Front einbrechen, bietet auch eine eher konservativere Strategie keinen vollen Schutz gegen Rückschläge.

Eine Anlage in diese Fonds ist punkto Risiko nicht mit dem Sparkonto vergleichbar. Sobald Sie Ihr Geld investieren, tragen Sie ein mehr oder weniger grosses Anlagerisiko. Das ist der Preis der höheren Renditechancen gegenüber dem Konto. Gratis gibt es eine Rendite nie. Den Preis bezahlen Sie in Form von mehr Risiko und zusätzlichen Gebühren.

Sie haben keine Garantie, dass die Börsen-Kurse künftig nicht nochmals und allenfalls noch tiefer sinken.

Die Ihnen von Ihrer Hausbank empfohlenen Fonds sind professionell geführt, aber mit einer Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio TER von 1,13 Prozent und 1,14 Prozent in der Tat nicht ganz billig. Dazu kommen Depotgebühren und Gebühren für den Kauf und den Verkauf des Fonds. Erst wenn diese Gebühren überschritten sind, machen Sie eine Rendite.

Falls Sie in diese Fonds investieren, müssen Sie bereit sein, die damit verbundenen Risiken zu tragen und auch Buchverluste in Kauf zu nehmen. Diese kann es immer geben. Beim Geld auf dem Konto ist der Betrag zwar immer praktisch gleich, abgesehen von den abgezogenen Kontoführungsgebühren, doch frisst die Teuerung stetig am Wert des Geldes. Wenn Sie gar keine Rendite erwirtschaften, verlieren Sie faktisch stetig ein wenig Geld.

Trotz der Teilerholung seit dem Crash im März haben Sie keine Garantie, dass die Börsen-Kurse künftig nicht nochmals und allenfalls noch tiefer sinken. Wegen der Coronakrise bestehen bezüglich der Wirtschaftsperspektiven grosse Unsicherheiten. Weltweit wird das Wirtschaftswachstum leiden und die Unternehmensergebnisse gehen mehrheitlich zurück. Falls die Krise länger anhält und noch lange kein Gegenmittel gefunden wird, könnten die Kurse erneut unter Druck kommen.

Trotz der konservativen Ausrichtung der beiden Fonds sind somit auch da Rückschläge nie ausgeschlossen. Daher würde ich sicher nicht alles Geld auf solche Vehikel setzen, zumal die Turbulenzen an den Finanzmärkten wohl noch länger anhalten dürften. Lassen Sie sich zu nichts überreden. Investieren Sie nur, wenn Sie auch beim Gedanken, dass Sie auf Buchverlusten sitzen, noch gut schlafen können.