Altersvorsorge statt Porsche

Sorgenfreie Pension und Steuerspareffekte: Wer freie Mittel zur Verfügung hat, sollte in die Pensionskasse einzahlen.

Schnittiges Auto oder 3. Säule? Schenkungen sollte man langfristig investieren. Foto: Keystone

Ich habe von meinen Eltern 100’000 Franken als Schenkung erhalten. Was raten Sie mir, mit dem Geld zu machen? Am liebsten würde ich es anlegen, habe aber Angst vor einem weiteren Crash. Natürlich kann ich mir auch einen schnittigen Sportwagen kaufen, aber da reut mich das Geld. Ich bin 48, verheiratet, habe zwei Kinder und bin Angestellter. M.L.

Das Geld für den Konsum verwenden, würde ich auch nicht. Wahrscheinlich war das auch nicht die Absicht der Schenker. Damit eine Anlage zu tätigen, würde indes schon Sinn machen, denn dann haben Sie die Chance, dass der Wert des Geldes über die Jahre hinweg noch zunimmt.

Die Problematik ist derzeit in der Tat, dass Sie bei Aktien, die für ein solches Investment passend wären, jederzeit mit einem neuen Rückschlag rechnen müssen. Viele Titel haben sich vom Corona-Crash im März deutlich erholt. Dennoch kann es immer wieder Einbrüche geben, zumal die wirtschaftlichen Perspektiven wegen der globalen Rezession negativ sind.

Immerhin sind Sie noch recht jung und könnten das Geld mit einem Anlagehorizont von beispielsweise zwanzig Jahren investieren. Dann relativieren sich das Crash-Risiko und die starken Kursschwankungen, die zwangsläufig mit Aktienanlagen verbunden sind.

Dennoch würde ich nicht gleich die ganzen 100’000 Franken in Aktien investieren, weil es Sie dann doch ärgern würde, wenn Sie auf Buchverlusten sitzen. Ohnehin wäre es auch wichtig, dass Sie, anstatt alles auf Aktien zu setzen, eine breite Diversifikation anstreben sowie gestaffelt investieren.

Die Hypothek könnten Sie später vor der Pensionierung immer noch mit der 3. Säule amortisieren.

In Ihrem konkreten Fall würde ich mir aber prioritär noch etwas anderes überlegen: Da Sie bald 50 werden, würde ich an Ihrer Stelle die eigene Altersvorsorge überprüfen. Falls Sie noch keine steuerbegünstigte Säule 3a haben, würde ich mit einem Teil des Geldes eine solche aufbauen und wenigstens mal den Maximalbetrag von 6826 Franken pro Jahr in die 3. Säule einzahlen und in Vorsorgefonds investieren.

Und dann würde ich auch eine freiwillige Einzahlung in die 2. Säule prüfen. Die meisten Leute haben in der 2. Säule Lücken. Wenn Sie einen Teil des geschenkten Geldes in Ihre Pensionskasse einzahlen, können Sie den Betrag dann im Folgejahr von den Steuern abziehen. Sie könnten auch einen Teil in diesem Jahr und eine zweite Tranche anfangs des nächsten Jahres einzahlen, falls Sie Lücken haben. Dann würden Sie gleich doppelt Steuern sparen. Ihre Schenkung wäre dann bereits nur schon durch den Steuerspareffekt mehr wert.

Empfehlenswert sind solche freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse allerdings nur, wenn Ihre Kasse finanziell nicht in Schräglage ist. Auf jeden Fall würde ich Ihre diesbezüglichen Möglichkeiten mit Ihrer Kasse anschauen und auch noch gleich abklären, ob solche Zahlungen in den obligatorischen oder in den schlechter verzinsten überobligatorischen Teil fliessen und wie sie sich auf Ihre Versicherungsdeckung auswirken.

Mit einer Einzahlung in die 2. Säule und dem zusätzlichen Aufbau einer 3. Säule stärken Sie mit dem Geldgeschenk Ihre Altersvorsorge, was wohl auch Ihren Eltern als Schenkende Freude bereiten würde.

Wie ich Ihren Zeilen entnehme, haben Sie noch eine Hypothek. Im Prinzip könnten Sie auch die Hypothek amortisieren und sich so die Zinsen an die Bank sparen. Allerdings schreiben Sie mir, dass die Hypothek nicht mehr hoch ist. Daher würde ich die Variante mit der Stärkung Ihrer Altersvorsorge vorziehen. Die Hypothek könnten Sie später vor der Pensionierung immer noch mit der 3. Säule amortisieren.

Von der Steuerersparnis aufgrund der Einzahlung in die Pensionskasse profitieren Sie bereits im Erwerbsleben, vor allem aber verbessern Sie damit Ihre Situation im Alter, was aus meiner Sicht ein nachhaltiges Investment ist.

15 Kommentare zu «Altersvorsorge statt Porsche»

  • Anh Toàn sagt:

    Nee also, Geld in den Konsum stecken, einen Porsche kaufen, kann man doch nicht, da wird Vermögen vernichtet, das ist Gotteslästerung. Man muss sparen, Geiz ist geil, man gönnt sich (und anderen erst recht) nichts, vermehrt das Vermögen, dient ihm, so wie Liyod Blankfein, tut man Gottes Werk (oder des Teufels Betrag).

    Wer mit 50 noch immer nicht geniessen kann, wird es nie mehr lernen, er wird nur noch geiziger, ängstlicher, gieriger werden: Wie viel er auch spart, wie gut er es anlegt, erb wird nie etwas davon haben ausser Sorgen, wie es anlegen, und er wird diese Sorgen seine Erben aufhalsen, denen hat er gesagt, das müsse so sein, die können auch nicht anders: De Armseligkeit der reichen Protestanten: Keine Freude, kein Spass, Konsum ist Verschwendung!

    • Anh Toàn sagt:

      Der Fragesteller hat ein Eigenheim mit wenig Hypo, AHV und PK Ansprüche, hat die Hälfte seines Lebens hinter sich und er bekommt zu hören: Gönne Dir nichts, sorge Dich, es könnte später nicht reichen, um dir etwas zu gönnen, und du kannst erst noch Steuern sparen, also noch mer sparen: Später hat man etwas davon, auf lange Frist, aber später ist nie, oder da ist man tot, oder kann zumindest nicht mehr 911 fahren: Man kommt nicht mehr aus den tiefen Sitzen raus.

      Armselig ist sowas!

      • Anh Toàn sagt:

        Sie können die nächsten 20 Jarhe diese 100’000 vervierfachen, da haben Sie 400’000, die können Sie dann nochmal zwanzig Jahre vervierfachen, dann haben Sie 1.6 Mio wenn Sie so lange leben, nur hatten Sie nie etwas davon ausser Sorgen: Die hat man sich verdient das ist Gottes Strafe für die Todsünde Geiz!

      • Sonusfaber sagt:

        @ Anh Toàn – Sie haben vollkommen Recht!

      • Dietmar B. sagt:

        Geiz ist geil!!

    • Kurt Seiler sagt:

      Ja tatsächlich übel.
      Ist mal Kohle da für den Genuss, fliesst das Geld in eine weitere überflüssige Versicherung.
      Aber das ist die Schweiz…

    • Hermann sagt:

      Herr Anh Toan, sind (oder waren) Sie Porsche Aussendienst Angestellter?
      Ihre Ansicht hat durchaus was Wahres, gerade in der jetzigen Zeit. Gibt niemand mehr Geld aus, implodiert die gesamte Wirtschaft wie Dominos. Aber fairerweise müssten Sie auch die Kehrseite erwähnen: die Gesellschaft und vorher Verwandte halten nicht viel von Leuten, welche nach dem Motto agieren: lebe heute, bezahle morgen oder auch gar nie… Ich finde es gut, dass die meisten Menschen weder geizig noch als Influencer leben, sondern pragmatisch vernünftig.

      • Anh Toàn sagt:

        Ach Hermann, ich würd‘ mir den Luxus leisten, den Rest der Hypo auf dem Eigenheim ab zu zahlen: Vielleicht ist das nicht steueroptimiert angelegt, aber es fühlt sich gut an, ein Eigenheim zu haben, dass man echt so nennen kann. Besser als 911 fahren, geblendet im Rückspiegel vom Sandero, weil vorne dran ist auch alles voll.

  • Tim sagt:

    Ich werde später einmal gut von der PK und der AHV leben können. Ich bin heute in der Lage mir monatlich 2000.- auf das Sparkonto zu legen. Ich gebe jedoch regelmässig auch Geld aus. Ich lebe hier und heute. Wenn ich überhaupt 65 werde bleibt mir dann vielleicht noch 1 Jahr oder 20 Jahre. Nur will ich mit 70 weder nach Schottland reisen noch Motorradfahren. Ich erfülle mir die Wünsche lieber heute. Später reicht dann ein Spaziergang mit Kaffe, eine Reise durch die Schweiz. Kurz und gut, ich habe mir lieber den Sportwagen und das Motorrad gekauft.

  • M. Vetterli sagt:

    Ev. werden, via Erbschaft noch mehr Gelder zu Ihnen fliessen. Diese Gelder können Sie für Ihre Altersvorsorge einplanen. So wie sie beschenkt wurden könnten Sie aber auch ihre 2 Kinder künftig beschenken. Generationengerechtigkeit im Kleinen.
    Bzgl. Altersvorsorge immer erst die Säule 3a ausschöpfen. Einkäufe in die 2.Säule sind bei Alter 48 riskant. Die Zukunft der PK des heutigen AG weiss niemand. Der Gesundheitszustand und die Entwicklung der PK der künftigen AG wissen Sie noch viel weniger. Die regl. Einkaufssumme der heutigen PK sollte in einen neuen Topf der 2.Säule (nennen wir ihn Säule 2a) einbezahlt werden können. Dieses neue Gefäss wäre losgelöst von der gegenw. PK und könnte vom AN zur Dep. von Eink. frei gewählt werden.
    Ein erster Schritt zur längst fälligen freien PK-Wahl.

  • Philippe sagt:

    Also wenn man den richtigen Porsche kauft kann sich das unter Umständen 10 mal mehr Lohnen als irgendwelche komischen Fonds bei denen man typischerweise sowieso nur abgezockt wird. Und „breit diversifizieren“ in der aktuellen Lage finde ich eine absolute Schnappsidee. Aktuell droht ein ziemliches Gemetzel an der Börse. Breit abgestürzt ist trotzdem abgestürzt. In die Pensionskasse würde ich schon gar nicht einzahlen – jedes Jahr sinken die Umwandlungssätze. Am Ende ist der Porsche noch die sicherste Anlage. Oder ein Rustico im Tessin. Und wenn dann würde ich etwas riskieren und versuchen den Betrag zu verzehnfachen. Dazu würde ich aber den nächsten Absturz aber noch in Ruhe abwarten und dann voll auf 2-3 Titel setzen.

  • rené sagt:

    Kaufen Sie ein Porsche 911 Sondermodell oder einen alten Porsche 911. Der macht Ihnen noch 30 Jahre Freude und wird die PK-Rendite bei weitem übertreffen.

  • M.I. sagt:

    Mir gefällt der Ansatz des Autors sehr gut, eine Verteilung des Geldes über mehrere Gefässe ist sinnvoll. Ein freiwilliger Einkauf in die PK fliesst in den meisten Fällen ins überobligatorische Guthaben(oft sehr tiefe Verzinsung). Neben der Gesundheit der PK, muss unbedingt das Reglement auf die Leistungen im Todesfall geprüft werden, die meisten PKs verwenden den Einkauf für die Finanzierung allfälliger Witwen- und Waisenrenten. Das Geld sollte hingegen zur Familie zurück! Ein professionell verwaltetes Anlagemandat (teils mit ETF und teils aktive Fonds)das über 8-12 Monate aufgebaut werden sollte, um die erwähnten Schwankungen zu nutzen, ist als Alternative zu prüfen. Die Renditechancen sind besser als bei der PK, zumal die PKs sehr stark eingeschränkt sind bei den Anlagen.

    • Anh Toàn sagt:

      Auch kauft er in der PK Immobilien (hat er schon selber zu einem wesentlichen Teil seines Vermögens) und Oblis: An den Oblis kann er nie mehr verdienen, als er für seine Hypo Zinsen zahlt.

      Wer Hypo hat, kann in den Aktiven allenfalls Junk Bonds (betreffend Währung oder Schuldner) haben, damit er mehr verdient, als er zahlt. Einfach gesagt gehen Aktien und Immobilien mit Krediten, Kredite vergeben und selber für Kredite Zinsen zahlen, sollte man Banken überlassen: Aktien und Immobilien rentieren auf lange Frist besser, als die Zinsen kosten, oft sind die Renditen steuerlich privilegiert, die Zinsen mindestens im Umfang der steuerbaren Vermögenserträge absetzbar. Ein Restrisiko bleibt, er kann die 100’000 auch verlieren, also soll er, wenn schon mehr Risiken eingehen, als eine PK darf.

  • Blackstone sagt:

    Nur eine Antwort Sp500 oder Gold !!!

Kommentar

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