Zibelemeitschi

Bild: Claudia Salzmann

Ich war lange keine grosse Zibelemäritgängerin. Der Anlass begann mir stets zu früh, die Gassen waren mir zu voll und vor allem fehlte mir der Bezug zur Tradition, da ich auf dem Land und nicht in der Stadt aufgewachsen bin. Seit letztem Jahr jedoch hat der Zibelemärit eine ganz neue Bedeutung für mich. Als meine bessere Hälfte und ich am Abend vom Zibelemärit nach Hause kamen, konnten wir uns noch genau eine Stunde aufs Sofa legen und dann gings auch schon mit dem Taxi Richtung Inselspital, weil sich unser Töchterli auf den Weg machte.

So fühle ich mich fast verpflichtet, am nächsten Montag mit unserem Zibelemeitschi auf den Zibelemärit zu gehen und sie als waschechtes Bärner Meitschi in die Tradition ihrer Geburtsstadt einzuführen. Und für mich ist es die perfekte Chance, den Anlass nochmals mit neuen Augen zu sehen. Und was gibt es besseres als staunende Kinderaugen.

Moment mal, was ist eigentlich der Ursprung dieser Tradition? Um gewappnet zu sein, wenn das Kind dereinst nach der Entstehungsgeschichte des Marktes fragt, bereite ich mich schon jetzt vor.

Um die Anfänge des Zibelemärits ranken sich offenbar viele Legenden. So gibt es etwa die Geschichte vom Stadtbrand am 14. Mai 1405, wo die Freiburger den Bernern zu Hilfe eilten und diese die hilfsbereiten Nachbarn zum Dank ihre Produkte in der Stadt verkaufen liessen. So soll 1406 der erste Zibelemärit stattgefunden haben.

Laut dem Berner Volkskundlers Rudolf J. Ramseyer ist einzig Fakt, dass der Zibelemärit im Zusammenhang mit der vierzehntägigen Martinimesse, die es seit dem 15. Jahrhundert gab, entstand. Dort bot die Landbevölkerung zum letzten Mal ihre Sommerprodukte an und die Städter konnten sich für die Wintermonate eindecken. Zum ersten Mal erwähnt wurde der Zibelemärit jedoch erst Mitte des 19. Jahrhunderts in den damaligen Zeitungen. Und zwar als Markt am Tag vor der Martinimesse. Das Martinifest zum Auftakt soll lange Zeit (wohl) stets am 11. November, dem Martinstag (daher der Name Martinimesse) stattgefunden haben. Ab dem Jahr 1700 begann die Messe jeweils am Dienstag vor dem 30. November. Und ab 1850 reisten die Bäuerinnen vom Mont Vully beim Murtensee bereits am Vortag nach Bern, um unter anderen ihre Zwiebeln zu verkaufen. So soll laut Ramseyer der heutige Zibelemärit entstanden sein.

Auch wenn wir uns heutzutage nicht mehr am letzten Markt vor dem Winter mit Vorräten eindecken müssen, kaufe ich liebend gerne am Zibelemärit Zwiebeln auf Vorrat. Zu schön sieht der Zibelezopf in der Küche neben dem Chilibund aus. Aber bis auf die Chilis sind auch bei uns zu Hause mittlerweile alle Sommerprodukte aus dem Garten aufgebraucht. Und so verabschieden wir uns vom Gartenblog hiermit definitiv in die Winterpausen und freuen uns bereits wieder auf das Gartenerwachen im Frühling.

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