Dr Summer isch verbii

Die Tiefst- und Höchsttemperaturen im Sommer 2017.

Die letzten Tomaten habens nicht mehr geschafft. Halb verfault hängen sie an den dürren Stauden. Die Feuchtigkeit und die Kälte hat ihnen arg zugesetzt. Dafür hats zuvor gut geklappt. Und dies, obwohl ich den Tomaten kein Häuschen gebaut hatte. Der Tenor bei vielen Leserinnen und Lesern: Das kann glücken – wenn die Temperaturen hoch und die Regentage rar sind.

Doch war das Wetter wirklich besonders gut? Nein, dieser Sommer war warm, aber nicht aussergewöhnlich heiss. Das zeigt meine Analyse der Meteodaten von Darksky.net für die Stadt Bern – wohl nicht der besten, aber der am einfachsten zugänglichen Datenquelle.

Während des astronomischen Sommers, also zwischen dem 21. Juni (der Sommersonnwende) und dem 22. September (der Tag-und-Nachtgleiche), lag die durchschnittliche Höchsttemperatur bei 22.6 und die Tiefsttemperatur bei 13 Grad. Zum Vergleich: In den letzten 20 Jahren lag die durchschnittliche Höchsttemperatur in der selben Zeitspanne 0.7 und die durchschnittliche Tiefsttemperatur 0.8 Grad tiefer. Im Jahrhundertsommer 2003 hingegen kletterte die Temperatur durchschnittlich um stattliche 1.4 Grad höher als im aktuellen Jahr.

In dieser Saison gab es 6 Hitzetage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad – immerhin 2 mehr als im langjährigen Schnitt. Am wärmsten war es am 3. August mit 32 Grad. Das ist schweisstreibend, reicht aber bei weitem nicht an den Spitzenwert vom 7. Juli 2015 heran: 35.5 Grad. Der Tiefstwert wurde dieses Jahr am 14. September mit 2.9 Grad verzeichnet. Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt, gab es in Bern auch dieses Jahr keine; einzig im Hitzesommer 2015 ist eine verzeichnet.

Die Höchstttemperaturen der Jahre 2003, 2015 und 2017 im Direktvergleich.

An 35 Tagen hats in dieser Saison irgendwann ein bisschen geregnet.

Kurz und gut: Dass die Tomaten ins Kraut schossen, ist nicht nur dem Wetter-, sondern auch anderem Glück zuzuschreiben.

2 Kommentare zu «Dr Summer isch verbii»

  • Geert sagt:

    Meine Tomaten produzieren immer noch fleissig und lassen nichts von einem Ende erahnen. Aber sie stehen ja auch in einem „hässlichen Plastikhäuschen“ ;-).
    Was Sie als „halb verfault“ bezeichen hat vermutlich nichts mit Kälte zu tun, die wir ja noch gar nicht haben, sondern ist typisch für die Braunfäule und damit genau der Grund für das Häuschen.

    • Mathias Born sagt:

      Vermutlich ists beides: Die Temperaturen sind zu tief, als dass die Tomaten ohne Schutz ausreifen könnten. Und die Regentage anfangs September haben dazu geführt, dass meine Tomaten der Braunfäule nicht mehr trotzen konnten.

Kommentar

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