Ein hartnäckiges Kraut

«Weisst Du, was Katzenstiele sind?», fragte mich kürzlich die Arbeitskollegin. Ja, weiss ich. Wenigstens ungefähr. Ich erinnere mich an einen Flecken mit grünen Pflanzen, der an einer ganz bestimmten Stelle im Unterbergental zwischen Krauchthal und Oberburg lag. Viele Jahre war «das Tal» bevorzugtes Sonntags-Spaziergebiet meiner Familie und ich wusste, wenn wir bei den Katzenstielen sind, ist das Ende des Weges nicht mehr fern. Aber sonst? Nicht wirklich. Bis mich meine Kollegin anrief, wusste ich nicht mal, dass Katzenstiele eigentlich Ackerschachtelhalme heissen.

 

Grün, garstig, Ackerschachtelhalm: Wer ihn hat, wird ihn fast nicht mehr los.

 

Kennen Sie den Ackerschachtelhalm? Nicht? Seien Sie froh. Denn wer die Pflanze in seinem Garten antrifft, hat meist wenig zu lachen. Es sei denn, man möchte ihre heilenden Kräfte gewerbsmässig nutzen. Aber das wollen ja die wenigsten. Für die meisten ist der Ackerschachtelhalm darum, was man ein Unkraut nennt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn er lässt sich nur sehr schwer dezimieren oder gar vertreiben. Seine metertief in den Boden reichende Wurzel bringt immer und immer wieder neue Triebe hervor. Mit etwas Erdreich aufhacken ist der Pflanze nicht beizukommen. Das würde ihr höchstens ein müdes Lächeln entlocken, so sie denn lächeln könnte. Nein, wer den Ackerschachtelhalm loswerden will, muss gröberes Geschütz auffahren: Mit Traktor und Pflug wäre ihm allenfalls beizukommen, lernen wir im Internet. Dieses Vorgehen wird aber vor allem für Neubaugebiete und – eben – landwirtschaftlich genutzte Flächen vorgeschlagen. Es eignet sich aus naheliegenden Gründen eher weniger für den heimischen Garten.

 

Den Ackerschachtelhalm soll man ausreissen, sobald er sich zeigt, rät die Gärtnerin.

 

Die Arbeitskollegin hat Vieles versucht, unter anderem – in letzter Verzweiflung – auch den Einsatz von Gift. Fehlanzeige. Der Ackerschachtelhalm ist hartnäckig. Hartnäckiger jedenfalls als Unkrautvertilger. Wenn die Pflanze wenigstens hübsch wäre. Aber nein: Sie ist ein grünes Kraut ohne richtige Blätter. Statt schöner Blüten trägt sie Sporenähren. Denn Ackerschachtelhalme vermehren sich nicht über Samen, sondern über Sporen. Nun sind Ähren zuweilen sehr filigrane, schöne Erscheinungen. Man denke nur an Gerste, Weizen oder Hafer. Die Sporenähren des Ackerschachtelhalmes aber sehen eher aus wie längliche, braunbeige Pilze. Natürlich, Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand das Kraut als «hübsch» oder gar als «Zierde seines Gartens» bezeichnen würde.

Zurück zur Kollegin: Eine Möglichkeit habe sie, hat ihr eine Gärtnerin verraten: Immer wieder jäten. Schon die kleinen Pflänzchen gnadenlos ausreissen, jedes einzelne. Irgendwann, so die Fachfrau, werde das Unkraut müde und gebe schliesslich den Geist auf. Bleibt zu hoffen, dass die menschliche Ausdauer grösser ist als jene des Unkrauts. Denn eines soll hier auch noch erwähnt sein: Der Ackerschachtelhalm gehört zu den ältesten bekannten Pflanzen der Welt; er wuchs schon vor 350 Millionen Jahren.

1 Kommentar zu «Ein hartnäckiges Kraut»

  • Laura Fehlmann sagt:

    Ich hoffte, einen todsicheren Tipp zu kriegen, wie man gegen den Katzenschwanz erfolgreich vorgeht. Da Gift nichts bewirkte, steche ich jeden Katzenschwanz mit einem langen Messer aus. Aus jedem Wurzelrest spriessen dann mehrere… aber ich gebe nicht auf. Immerhin hindere ich sie mit meiner Methode an der Vermehrung. Das Ausstechen wende ich auch bei Baumtropfen und Winden an.

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