Mundraub: Essbares von öffentlichem Grund

In unserem Garten geschieht im Moment kaum etwas. Das Kürbisbeet ist aufgeräumt, die Tomaten ein letztes Mal geschnitten und bis zum winterfest machen der Pflanzen ist es noch eine Weile hin. Nur die Chilis sind fleissig am Reifen. Zu berichten gibt es also aktuell gerade nichts aus der Badgasse.

Kollegin Bolzli hat mich jedoch darauf aufmerksam gemacht, wo ausserhalb der Gärten vielleicht noch etwas wächst, das man ernten kann. Und zwar dort, wo Pflanzen und Bäume auf öffentlichem Grund stehen.

Diese sollen davor bewahrt werden, dass ihr Obst und ihre Früchte auf den Boden fallen und ungenutzt liegen bleiben. Die deutsche Organisation mundraub.org bezeichnet sich selber als die grösste Online-Plattform für die Entdeckung und Nutzung essbarer Landschaften weltweit. Über die Seite sollen Menschen mit Obstbäume und durch Obstbäume verbunden werden. So werden auf einer Karte Fundorte geteilt und mit dem jeweiligen Icon versehen: Neben Obstbäumen sind Obststräuchern, Kräuter und Nüsse eingetragen. Zudem Gruppierungen, Aktionen, Mostereien und Geburtsbäume.

Leider gibt es in der Schweiz noch nicht allzu viele Einträge. In der Stadt Bern sind es gerade mal sechs und alles (bloss) Fundorte von Bärlauch. Da derzeit nicht Bärlauch-Saison ist, ist die Karte auf berntauglichkeit im Moment schwierig zu testen.

Aber die Idee an und für sich finde ich sehr toll. Das Einzige, was an der ganzen Sache unklar ist, ist die Rechstlage zum öffentlichen Grund, ob die Früchte auch wirklich der Öffentlichkeit zustehen. Aber bis die Anfragen zu jedem Baum oder jeder Pflanze durch den bürokratischen Fleischwolf der jeweiligen Gemeinde gegangen wäre, wären schon Kiloweise Früchte auf dem Boden verfault. Und darum wärs doch sehr schade.

Auch wenn die Karte vermuten lässt, dass das Thema Mundraub in der Schweiz noch nicht so aktuell ist, hat mir Kollegin Bolzli versichert, dass es diese Gruppierungen auch in der Schweiz gibt. Nur ist es bei ihr sehr lange her, dass sie noch in der Stadt wohnte und noch keinen eigenen Garten hatte.

Wissen vielleicht Sie, wo und wie aktuell Mundräuber in der Region Bern in Kontakt treten?

Sind Sie Mundräuber? Wo bedienen Sie sich? Und darf man das?

 

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