Tomatenzähler

Es ist ein Spleen. Und der birgt ein gewisses Suchtpotenzial. Seit die Tomatensaison Ende Juli bei uns im Garten losging, wägt mein Mann jede rote Tomate feinsäuberlich. Ich konnte gerade noch verhindern, dass er den Kindern das direkt vom Strauch geerntete Cherrytomätli wieder aus der Hand riss. Seither gibt es klare Regeln: Cherrytomaten sind vom Gewichts-Challenge ausgenommen, alle anderen Tomaten müssen auf die Waage.

Am Anfang dieses Spleens stand folgender Gedanke: Wir bauen seit Jahren Tomaten an – aber lohnt sich die Hege und Pflege des mitunter launischen Nachtschattengewächses auch? Als Vergleichswert nahmen wir den Kilopreis im Bioladen, also 8 Franken bei Spezialsorten (zum Beispiel im Haller-Laden in Bern).

Teuer sind vor allem Tomatensetzlinge, die pro Stück etwa 3 Franken kosten. Dieser Betrag entfiel bei uns. Wir haben die Tomaten selbst gesät und dafür drei Sorten gewählt: Berner Rosen, San Marzano und Black Cherry. Das Samensäckchen reicht für drei Jahre. Die Investition pro Jahr beläuft sich also auf 4 Franken. Zudem kauften wir eine Süsse von Ungarn in der Gärtnerei, womit wir bei Investitionskosten von 7 Franken wären.

Im Tomatenhaus stehen 10 Pflanzen, 5 Berner Rosen, 5 San Marzano. Dazu kommt die Süsse von Ungarn, die im Peperonihaus steht. Im Juli haben wir 4,2 Kilo Tomaten geerntet. Im August 24,1 und im September bisher 12,6. Das macht insgesamt 40,9 Kilo. Mindestens 10 Kilogramm hängen noch an den Stauden, halbreif oder noch grün. Einige werden noch rot werden, andere werden wir Anfang Oktober grün ernten und gemeinsam mit ein paar reifen Äpfeln an einen warmen Ort legen. Sie werden so zwar noch rot, entwickeln jedoch nicht mehr das feine Aroma der sonnengereiften Tomaten.

50 Kilogramm ist auch die erklärte Zielgrösse meines Mannes. Mit 50 Kilogramm bei einem Ladenpreis von 8 Franken hätten wir Tomaten im Wert von 400 Franken geerntet. Das wägt den Aufwand des Wägens auf. Die reiche Ernte bescherte uns Tomaten in Hülle und Fülle für drei Monate. Und für den Winter ist vorgesorgt: 27 Gläser Tomatensugo und 4 Gläser Ratatouille warten im Vorratsschrank.

Tomatenanbau lohnt sich also auch finanziell.

Und der tägliche Körpereinsatz, den es dafür braucht, spart sogar das Fitnessstudio.

3 Kommentare zu «Tomatenzähler»

  • Laura Fehlmann sagt:

    Unglaublich diese Menge! Bin neidisch! Aber das mit dem Fitnessstudio? Stemmt ihr die Schüssel mit den geernteten Tomaten täglich 20 Mal mit drei Wiederholungen?

  • Hermann Klöti sagt:

    Dass Gewicht des geernteten Gemüses kann man auch durch Wiegen ermitteln. Giesskannen schleppen (jeweils 10 Liter) wird anderseits wird schon bei viel geringeren Erntemengen zum hitzetäglichen Muss.

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