Nie mehr Sommerferien

„Im übrigen bin ich nicht ungern der Sklave meines Gartens, wo ich fast jede Minute arbeite. Es macht mich sehr müde und ist etwas zuviel, aber  mitten in alledem, was die Menschen heute tun, fühlen, denken und schwatzen ist es das Klügste und Wohltuendste was man tun kann.“ Hermann Hesse.

Wie recht Herr Hesse hat! Fünf Wochen war ich in den Sommerferien und vermisste meinen Garten vom ersten bis zum letzten Tag. Zwar bin ich mit dem Gefühl verreist, dass meine Gartensitterin alles gut machen wird. Aber mir tat einfach das Herz weh, in anderen Gärten Blumen und Gemüse spriessen zu sehen. Kritiker mögen sich fragen, weshalb ich nicht zu Hause geblieben bin. Das frage ich mich auch.  Aber diese Gartensehnsucht ist etwas völlig Neues. Ich werde alt.

Bei meiner Rückkehr erfreuten sich alle Pflanzen bester Gesundheit und was ich vor meiner Abreise gesät und gesetzt hatte, war bereit zum Ernten: Mais, Buschbohnen, Salat, Gurken. Meine liebe Gartensitterin hatte nicht nur gegossen, sondern auch gejätet, die Kartoffeln ausgegraben und sogar Kornblumen gesät. Auf den ersten Blick sah alles erfreulich gut aus.

 

Trotzdem verbrachte ich nach den Ferien zwei Samstage von morgens bis abends im Garten, jätete, hackte, schnitt Kanten, Verblühtes und Vertrocknetes. Es gäbe immer noch zu tun, aber was bleibt, ist das Gefühl, nicht wirklich etwas hingekriegt zu haben. Im Staudenbeet sind Lücken, weil grosse Pflanzen zu dominant waren und sich kleine schlecht entwickeln konnten.

Zu lange hatte niemand eingegriffen. Versuche, die Lücken mit Jungpflanzen zu füllen, gelangen nur mangelhaft. Das liegt möglicherweise auch an den kühlen Nächten. Vielleicht ist es auch die Rache eines Gartens, der sich vernachlässigt fühlt.

Fazit: Ich werde nie mehr längere Zeit in die Sommerferien fahren. Meine Pflanzen brauchen mich und ich brauche sie. Zudem ist es in der Schweiz nie so schön wie im Sommer.

Wie machen es eigentlich andere Gartenbesitzer?

Was ist für Sie die beste Zeit, wegzufahren?

2 Kommentare zu «Nie mehr Sommerferien»

  • Peter sagt:

    Wann ist die beste Zeit, wegzufahren: Immer.
    Sollen doch die Pflanzen selber schauen, wie sie zurechtkommen. Survival of the fittest.
    Also ich bin ja eigentlich nicht so ein richtiger Gartenbesitzer. Aber rund um meinen Gartensitzplatz, Parterre, grünts halt doch so vor sich hin.
    Nun, wenn ich aus den Ferien zurückkehre, geniesse ich es, diese blöden Triebe abzuschneiden. Achtung outing: Der Pflanze zu zeigen, wer hier der Chef ist. Die Hausrebe zu kappen, den Lavendel zu stutzen, dem Kiwi den Meister zu zeigen. Hat eigentlich die Sexualforschung schon die Gartenarbeit entdeckt?

    • Laura Fehlmann sagt:

      Stutzen, schneiden, kappen – wenn Sie das mit Ihrem Sexualtrieb tun, ist das bedenklich. Wachsen lassen heisst Lebendigkeit.

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