Die Krise führte zum Gemüse

Kürbisse reifen vor der Skyline von Detroit.

 

Tausende waren arbeitslos nach dem Niedergang der Autoindustrie in „Motor-City“ Detroit/USA. 2013 meldete die Stadt den Konkurs an. 2017 gibt es immer noch zahlreiche Industriebrachen, eine davon liegt an der Ecke Plum Street mit Third Avenue, etwas ausserhalb des Stadtzentrums, ein Grundstück der Spielcasinofirma Firma, die es der Gruppe „Keep Growing Detroit“ auf Zusehen hin überlässt. Detroit ist eine grüne Stadt. Aber dieser „Market Garden“ ist nicht nur grün und bunt, er gibt auch so viel her, dass sich nicht nur die Mitglieder bedienen können, sondern dass ein Teil auch noch auf dem Markt verkauft werden kann. Die Marktfrau Imani (Bild) ist jede Woche zwei Mal am Marktstand auf dem Eastern Market. Sie und ihre Kollegin Sonali sind die einzigen Festangestellten. Alle anderen arbeiten auf freiwilliger Basis. Auch die Schreibende wurde sofort zum Tomatenpflücken eingespannt.

Imani war von Anfang dabei und ist zuständig für den Stand am East Market in Detroit.

Die Journalistin wurde gleich zum Tomaten pflücken abdelegiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Keep Growing“ begann als Selbsthilfeprojekt, damals, als die Not plötzlich gross war. Obschon nun ein bisschen Licht am Horizont erscheint – GM hat die Produktion wieder aufgenommen, wenn auch nicht annähernd in dem Ausmass wie früher – ist das Gartenprojekt lebendiger denn je. Die Initianten belassen es nicht beim Kultivieren von Bohnen, Tomaten, Kohl, Auberginen, Okra, Zwiebeln, Knoblauch, Kürbis und Kartoffeln. Sie organisieren auch Führungen und Kochkurse für Schulen und für alle Interessierten, informieren über die verschiedensten Themen, unter anderem „wie kultiviere ich Heidelbeeren“, „wie baue ich ein Hügelbeet“, „wie überwintere ich Pflanzen“ und „mit einem Treibhaus die Gartensaison verlängern“.

Urban gardening funktioniert. Aus der Not ist ein lebendiges Prtojekt entstanden.

Im Garten an der Plum Street läuft derzeit die Ernte auf Hochtouren. Im Treibhaus werden Setzlinge gezogen, diese werden verkauft oder mit anderen getauscht. Wer von den 1500 Mitgliedern Zeit hat, kommt immer wieder auf ein Stündchen vorbei und packt an, wobei mich als Schweizerin dünkt, dass das Jäten etwas intensiver gepflegt werden könnte. Aber wie wir wissen, gehört dies zu den ungeliebtesten Gartenarbeiten.

In Detroit war ich stundenlang mit dem Fahrrad unterwegs. Die Stadt, die mehrheitlich von schwarzen Menschen bewohnt wird, ist faszinierend in ihrer Heruntergekommenheit (ich kann ja wieder in die sichere, reiche Schweiz zurück…). Hier und da wird ein bisschen gebaut oder renoviert, vorherrschend in den Aussenquartieren sind aber zahlreiche kaputte, leerstehende Häuser, schlecht beleuchtete Quartiere, Prostituierte, Betrunkene, Drogensüchtige auf den Strassen. Da sind aber auch mühsam instand gehaltene Wohnquartiere mit liebevoll gepflegten Gärten, manche mit Tomaten und Kürbissen, andere mit viel Unkraut. Wer hier bleibt, liebt diese Stadt oder sieht anderswo keinen Ausweg. Die Menschen von „Keep Growing Detroit“ haben einen Ausweg gefunden. Reich werden sie nicht dabei, aber die üppige Pflanzenwelt zwischen Highway und Downtown sorgt für gesündere Mahlzeiten und immer wieder für Freude.

 

Das afrikanische Gemüse Okra gedeiht in den heissen Detroiter-Sommern hervorragend.

Rosenkohl verkauft sich gut auf dem Markt – er wird meist roh gegessen.

Weisskabis, Kohlrabi und Grünkohl: Die Mitglieder der Vereinigung tauschen untereinander Setzlinge aus.

 

 

 

 

 

Im riesigen Treibhaus werden die Setzlinge herangezogen.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.