Tomatenhaus – oder Tomaten raus?

Die ersten sind reif: Die Freilandtomaten vor der Ernte.

Am Wochenende erntete ich meine ersten Tomaten. Wunderschön sind sie. Und sie schmecken vorzüglich. Kein Vergleich zu den Verzüchtungen aus den Grossverteilern! Ich bin fast etwas stolz auf den Beginn der Ernte. Und ich verspüre leichte Genugtuung.

Weshalb? Weil die Tomaten tipptopp gewachsen sind – obwohl ich ziemlich dilettantisch vorgegangen bin: Ich liess die Pflanzen wirr durcheinander stehen. Statt sie sauber in die Höhe zu ziehen, habe ich sie bloss behelfsmässig an einigen Holzstecken und zwei Armierungsgittern hochgebunden. Vor allem aber: Ich habe den Tomaten kein Häuschen gezimmert. Anders einige Nachbarn im Familiengarten: Ihre – zugegebenermassen wunderschönen – Tomaten sind in teils ziemlich wüsten Plastikverschlägen gross geworden.

Tomatenhaus – oder Tomaten raus? Für viele Gärtnerinnen und Gärtner stellt sich diese Frage gar nicht. Jahr für Jahr montieren sie ihre Verschläge. Irgendwann machen sie dann – müde geworden – aus den Provisorien Providurien, bauen also halbe Gewächshäuser, die sie auch in der Wintersaison stehen lassen. Sie sind sich sicher: Ohne Haus kein Tomatenschmaus.

Die Theorie: Tomaten wachsen zwar meist problemlos. Sie sind aber ziemliche Mimosen. Zuviel Wasser auf den Blättern setzt vielen Sorten zu. Weht dann noch der Wind Sporen herbei, erkranken die Blätter rasch an der Kraut- oder Braunfäule. Dann werden sie oben gräulich und kriegen unten einen weisslichen Belag. Die Fäule befällt nach und nach die ganze Pflanze – inklusive der Tomaten.

Mit einem Tomatenhäuschen soll das verhindert werden. Das Dach sorgt dafür, dass die Blätter trocken und damit widerstandsfähig bleiben. Die Seitenwände schützen vor dem Wind und damit vor allzu viel Pilzsporen. Im Häuschen ist es zudem wärmer als draussen; Tomaten haben es gerne warm. Die meisten Tomatenhäuser sind auf einer Seite offen. Damit wird verhindert, dass die Luftfeuchtigkeit zu gross wird und die Pflanze zu faulen beginnt. Zudem finden bei einer halboffenen Bauweise genügend Insekten zur Bestäubung auf die Blüten.

Es gibt viele Argumente für das Tomatenhäuschen. Aber es gibt auch einige dagegen. Das wichtigste: Solche Bauten sind in der Regel potthässlich. Wer das nicht einsehen will, hat Tomaten auf den Augen. Alle, die naturnah gärtnern und mit weniger als dem maximalen Ertrag überleben, können es problemlos auch ohne Verschlag versuchen. Es funktioniert. Zumindest bei einigen Sorten. Und wenigstens in jenen Jahren, in denen das Wetter mitspielt. Ja, Tomaten hat es schon gegeben, bevor die Plastikplane erfunden worden ist.

Das aktuelle Bild in unserem Garten spricht sogar fürs „Oben ohne“: Die überdachten Tomaten unserer Mitgärtner warfen zwar in den letzten Wochen einigen Ertrag ab, stehen nun aber bereits erbärmlich krank und dürr unter ihrer Haube. Meine Freilandtomaten hingegen trotzen Wind und Wetter – und schiessen dennoch kräftig ins Kraut.

Bereits am Ende: Die grosse Zeit Tomaten der Mitgärtner ist vorbei.

7 Kommentare zu «Tomatenhaus – oder Tomaten raus?»

  • Marina Bolzli sagt:

    Ich finde Freilandtomaten super. Aber es funktioniert meiner Erfahrung nach wirklich nur in eher trockenen Jahren wie heuer. Ansonsten kriegen sie Krautfäule, schon bevor die ersten Früchte reifen – und das ist dann frustrierend für den Gärtner.

  • Dominique Romberg sagt:

    Mein Mann hat mir ein wunderschönes Tomatenhaus aus alten Fenstern gezimmert, und die Tomaten gedeihen darin wunderbar. Und, es sieht wunderschön aus, finde ich. Mit etwas Fantasie und Freude am Selbermachen gelingt so manches Schönes, man muss nicht immer das Plastikzeugs aus dem Supermarkt kaufen.

  • Mirjam sagt:

    Und welche Sorten sind geeignet für das Freiland?

    • Mathias Born sagt:

      Wie gesagt: Ich ging ziemlich dilettantisch vor. Ich habe mir im Vorfeld keine Gedanken zu den Sorten gemacht. Vermutlich hatte ich einfach Glück, dass das Wetter in diesem Jahr mitspielte. Das Gartenjournal empfiehlt für den Anbau ohne Regendach veredelte Sorten – und zeigt auch gleich, wie es geht. Vielleicht probiere ich das im nächsten Jahr. Oder ich spiele weiterhin Lotterie.

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Suchen Sie im Internet und auf ebay nach „Pechnelkenextrakt“. Der Extrakt stärkt die Widerstandskraft der Pflanzen, sodass sie der Krautfäule besser widerstehen. Ich habe den Extrakt dieses Jahr ausprobiert, habe ihn aber im Gegensatz zu den meisten Anweisungen im Internet ins Giesswasser getan und nicht auf die Blätter gesprüht. Der Hagel hat zwar meine Tomaten gnadenlos zerhäkselt, Krautfäule haben sie aber bis jetzt nicht gekriegt, obwohl mehr als genug Eintrittspforten für die Pilzsporen vorhanden waren. Im allgemeinen brauchen dunkle Tomaten weniger Wärme, sind also für Freilandanbau gut geeignet und schmecken sehr gut. Black Krim, Carbon, Paul Robson, Negro Azteca sind z.B. solche dunkle Sorten.

  • Geert sagt:

    Tomaten hat es tatsächlich schon gegeben, bevor die Plastikplane erfunden worden ist. Nämlich in Südeuropa, wo es normalerweise den ganzen Sommer lang nicht regnet. Zum Glück begutachten meine Nachbarn mein Gemüse und nicht meine Plastikplane.

  • Martin sagt:

    Ich möchte dieses Jahr auch Tomaten anpflanzen. Allerdings stehe ich vor der Frage: Tomatenhaus kaufen oder doch Freiland? Was meint ihr?
    Wenn ein Tomatenhaus empfohlen würde, könnte man das doch selber bauen, oder nicht? Anleitungen findet man ja im Internet, z.b. hier: https://www.gartenbista.de/garten-geraete/tomatenhaus-selbst-bauen-so-gehts-4175
    oder da: https://www.sat1.de/ratgeber/wohnen-garten/do-it-yourself/tomatenhaus-selber-bauen-anleitung-fuer-gemueseliebhaber
    Selbst für nicht so geübte Handwerker wie mich sollte das doch machbar sein, oder?

Kommentar

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