Die Peperoni-Offensive

Kosovarische Peperoni: Die „Babura Somborcka“, die sich von gelb über orange zu rot verfärbt.

Es gibt Gemüse, mit denen hat es bisher nie geklappt. Ich pflegte sie falsch, oder es gefiel ihnen nicht bei uns – oder beides. Peperoni zum Beispiel. Jedes Jahr hatte ich von neuem zwei, drei Pflanzen in der Gärtnerei gekauft, hatte die Pflanzen in einen Topf mit guter Erde gebettet. Hatte sie regelmässig gegossen, die erste Blüte ausgebrochen, damit sich keine Königsblüte bildet, ihnen gut zugeredet und gewartet. Und dann? Nichts. Im besten Fall erntete ich im Oktober, wenn ich den Gärten aufräumte, eine Handvoll halb reifer Früchte.

Doch dieses Jahr haben wir eine Offensive gestartet. Und zwar gleich an mehreren Fronten. Mein Mann  – der Tüftler – hat ein eigenes Haus für die Peperoni gebaut. Es ist flacher als das Tomatenhaus, steht auf einer neu umgegrabenen Fläche am Rand des Gartens und ist modular: Pflöcke, Dach und Rückwand können im Spätherbst abgebaut und ins Trockene gebracht werden – bevor sie im Frühling darauf wieder aufgebaut werden. Für die Planung dieses Hauses sass mein Mann abendelang vor dem Computer und schaute sich Youtube-Instruktionen an. Wenn schon, dann richtig! Das Haus bietet Platz für zwölf Peperonistauden und drei Auberginen (gekauft), sowie eine „Süsse von Ungarn“ – diese Tomatensorte thront in der Mitte des Hauses, sie ist sehr kleinwüchsig und trotzdem ergiebig.

„Babura Somborcka“, im Hintergrund „Süsse von Ungarn“.

Die Peperonisetzlinge haben wir selbst gezogen. Schliesslich kostet ein einziger Setzling in der Gärtnerei mindestens drei Franken. Anfang Jahr ging es um die Auswahl, es gibt unzählige Arten, Farben, Formen und vor allem Schärfen. Wir entschieden uns für „Langer Süsser“ und „Babura Somborcka“. Die zweite Sorte ist eine traditionell etwas scharfe Peperoni aus Kosovo. Und die Bauern aus Kosovo sind auch unser Vorbild: Schlendert man hierzulande durch Schrebergärten, sind sie immer da zu finden, wo auf grossen Beeten eine Peperonistaude an der nächsten steht. Die Setzlinge, erzählte uns ein Kosovare, bringen diese Gärtner aus der alten Heimat mit – oder ziehen sie eben selber.

So lernten wir, dass es bei den Peperoni um die Menge geht – und dass die Stauden nicht den besten Ertrag liefern, wenn sie im Topf gehalten werden.

Auch die „Langen Süssen“ reifen langsam.

Das Resultat: Die Offensive war fruchtbar. Die Stauden biegen sich unter Peperoni. Doch jetzt haben wir ein neues Problem: Die Kinder mögen keine Peperoni (keine Sorge, sie essen sonst wirklich alle Gemüse). Die Früchte sind ihnen zu scharf und zu bitter. Doch was tun mit dieser Flut?

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