Kletterkürbis

Unser Kürbisse schiessen ins Kraut. Bereits haben sie das ganze, grosse Beet überwuchert. Nun ranken sie sich weiter das kleine Sitzplätzchen entlang. Zwischen den grossen Blättern hindurch leuchten gelb und orange gut eine Hand voll Kürbisse. Die Aussicht auf die Ernte der drei verschiedenen Sorten versöhnt uns damit, dass die Tage bereits merkbar kürzer werden.

Wir könnten mehr als zufrieden sein. Wären da nicht die Kürbisse unseres Nachbarn.

Als wir seine Kürbisse zum ersten Mal sahen, trauten wir unseren Augen kaum. Seine Pflanzen überwuchern die halbe Parzelle. Doch die reicht ihnen nicht. Damit sie nicht den Hauptweg des Schrebergartens belagern und die Parzelle der Nachbarin einnehmen, hat der Nachbar massive Armierungsgitter aufgestellt. Ob diese reichen, ist noch unklar. Denn mittlerweile klettern die Pflanzen daran empor. Und nicht nur dort: An einigen Schnüren hangeln sie sich auf einen Baum und winden sich die Zweige entlang. Einige ihrer Kürbisse haben bereits eine stattliche Grösse.

Was ist dein Geheimrezept? Das fragen wir unsern Parzellen-Nachbarn, als wir ihn im Garten antreffen. Das verrate er natürlich nicht, sagt er und lacht. Es sei halt ein gutes Kürbisjahr, fügt er dann an. Doch er gibt sich bescheiden: Besonders gross seien diese Kürbisse nicht – kein Vergleich zu den Rekordkürbissen, von denen man Jahr für Jahr liest. Einige Tipps hat er aber doch auf Lager. Er habe die Pflanzen direkt auf den grossen Komposthaufen gesät, den er zuvor mit Kuhmist angereichert hatte. Starkzehrer wie der Kürbis könnten fast nicht genug Nährstoffe kriegen. Das Wichtigste sei aber, den Pflanzen genügend Platz zu lassen, sagt er. Der Standort ist zudem ideal: Die Bäume, der Wald und die Hecke schützen die Pflanzen vor zu viel Wind und Sonne.

Wir bedanken uns für die Tipps. Eine ganze Weile schauen wir den Kürbispflanzen beim Klettern zu. Dann gehen wir zurück auf unsere Parzelle. Damit uns nicht plötzlich eine Frucht des Kletterkürbisses auf den Kürbis fällt.

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