Für die Wespe

Nachdem Blogkollege Mathias Born kürzlich nur ganz knapp darauf verzichtet hat, ein Wespennest zu grillieren, ist es wieder mal an der Zeit, für eine Unbeliebte einzustehen: Wespen sind nützlich. Das wollen sich bitte alle merken, die immer noch der Ansicht sind, die Gelbschwarzen seien zu gar nichts gut und gehörten aus der Natur entfernt.

Oh ja, diese Menschen gibt es, glauben Sie mir. Ich kenne mehr als einen, und sie sind – Zufall oder nicht? – alle männlichen Geschlechts. Kollege Born sei hier explizit ausgenommen, er hat schliesslich ja doch noch erkannt, dass Wespen auch hilfreich sein können.

Es gibt verschiedene Arten von Wespen auf dieser Welt, zwei davon sind tatsächlich aggressiver als die anderen und stechen schon mal zu. Die anderen lassen ihren Stachel allermeistens aus dem Spiel; das sind aber auch die, die sich nicht wirklich für das interessieren, was auf unseren Tellern liegt. Und schwirren vier, fünf Insekten um einen Tisch herum, an dem ein Kind sitzt, wird es ungemütlich, das gebe ich gerne zu. Allzu schnell ist eine Wespe im Glas oder an der Gabel übersehen, und dann passiert das Malheur: Sie sticht. Im besten Fall gibt es nur Tränen, im schlimmeren steht ein Besuch beim Arzt an. Das wünscht sich natürlich niemand.

Wespen lieben süsse Speisen und Getränke sowie Fleisch- und Wurstwaren. Darum sind sie auch immer wieder ebenso ungebetene wie hartnäckige Gäste an unseren Tischen. Wer dann beginnt, wie wild mit den Händen zu fuchteln, macht aus den eigentlich friedlichen Nahrungssuchern aggressive Angreifer. Wenn Wespen etwas nicht mögen, sind es ruckartige Bewegungen. Und auch wegpusten sollte man sie nicht, denn das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Nest als Alarmsignal, wie man auf der Homepage des deutschen Naturschutzbundes lernt.

Also heisst es erst mal Ruhe bewahren. Wenn Sie das geschafft haben, nehmen Sie sich einen Moment Zeit und geben Sie der Wespe die Möglichkeit, sich zu bedienen. Mit ihren Mundwerkzeugen wird sie einen klitzekleinen Teil Ihres Kuchens oder Ihres Steaks abschneiden und mitnehmen. Sie begnügt sich durchaus auch mit ganz normalem Kochschinken, wie auf den Bildern zu sehen ist. Die fotografierte Wespe hat mein Mahl keine fünf Minuten unterbrochen, mir dafür aber ein paar interessante und spannende Einblicke in ihr Arbeitsleben gewährt. Fast hätte sie dabei ihre Beute verloren, denn eine Artgenossin flog hinzu, und es entbrannte ein kurzer, heftiger Kampf um das bisschen Fleisch – der damit endete, dass das Schinkenstück entzweibrach und beide etwas davon hatten.

So sollte es gehen: Gleich hebt die Wespe ab und entschwindet mit dem hart erkämpften kleinen Stück Schinken.

Mal abgesehen von interessanten Eindrücken und zwei, drei Fotos: Wespen sind nützlich, wie gesagt. Erstens vertilgen sie Fliegen, Raupen und Blattläuse. Mit diesem tierischen Eiweiss füttern sie ihren Nachwuchs. Was sie von unseren Tellern stibitzen dürfen, reicht dafür nämlich längst nicht aus. Und zweitens sind sie selber auch Futter: Nicht wenige Vögel mögen die ausgewachsenen Insekten, Säugetiere wie Igel, Dachs und Maus fressen die Brut.

Soll noch einer sagen, Wespen seien zu nichts zu gebrauchen.

1 Kommentar zu «Für die Wespe»

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Ich glaube definitiv nicht, dass Wespen uns Rechenschaft darüber schuldig sind, dass sie zu etwas zu gebrauchen sind. Ihr Lebensrecht entsteht spätestens mit ihrer Geburt – wie übrigens auch dasjenige der Kochschinken-Tiere auf Ihrem Teller, Frau Leuenberger. Das hysterische Gefuchtel entsteht immer bei Menschen, die an fortgeschrittener Entfremdung von der Natur erkrankt sind, was im Handyglotz-Zeitalter eine grassierende Epidemie geworden ist.

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