Giessen, giessen, giessen

Mit der Kanne statt dem Schlauch: Giessen im Familiengarten.

Wir giessen mit der Kanne. Nein, ich zumindest tue das nicht primär den Pflanzen zuliebe – einige Wasserspritzer auf ihre Blätter werden diese wohl vertragen. Und ich mache mir auch keine grossen Sorgen, dass das leicht kältere, fliessende Wasser die zarten Gewächse allzu fest „erschrecken“ könnte.

Der Grund, dass ich auf unserer Parzelle keinen Sprinkler platziere oder keinen Tropfschlauch ausrolle, ist vielmehr: Ich darf das nicht. Denn in der Familiengarten- und Bauordnung steht klipp und klar: „Jeder unnötige Wasserverbrauch ist zu vermeiden. Das Erstellen und Benützen von Bewässerungsanlagen sowie das Berieseln der Gärten ist untersagt.“

Und so fahre ich in Trockenperioden ab und zu abends nach der Arbeit – und vor der Hausarbeit – in den Garten, um dort gut 20 Minuten lang eine Giesskanne herumzuschleppen. Dabei male ich mir jeweils aus, wie praktisch eine dieser modernen Bewässerungsanlagen sein könnte. Mittlerweile soll es sogar solche geben, die sich fernsteuern lassen. Doch dann schicke ich mich drein. Ich versuche die archaische Handarbeit zu geniessen. Und ich rede mir ein: Dank der Bewässerungsregeln tue ich wenigstens etwas für meine körperliche Fitness.

Das Schlauchverbot besteht schon lange – weitaus länger, als wir unsere Parzelle bewirtschaften. Die Protokolle der Hauptversammlungen des Familiengarten-Vereins Brückfeld-Enge zeigen, dass die Bewässerungsfrage ein wahrer Dauerbrenner ist. Im Winter 2010 etwa scheinen die Arealvertreter an der Versammlung Dampf abgelassen zu haben: „Obschon das Schlauchverbot nach wie vor besteht, muss der Vorstand feststellen, dass viele Pächterinnen und Pächter das Schlauchverbot missachten“, steht im ersten vorliegenden Protokoll. Und weiter: „Die Arealvertreter sind keine Polizisten, um jeden Abend Kontrollen durchzuführen. Der Vorstand denkt, jedes Mitglied ist alt genug, um zu wissen, dass auch ihm durch einen sinnlosen Wasserverbrauch Mehrkosten entstehen.“

Ein Jahr später weist die Vorsitzende des Vereins nochmals darauf hin, dass „das Wässern des Gartens mit dem Schlauch weiterhin verboten ist“. Die Pächter könnten aber in speziellem Fällen Bewilligungen bei den Parzellenverwaltern einholen. Doch ihr Mahnen bringt nichts: Der Wasserbrauch ist auch im Jahr 2012 auf einigen Arealen sehr hoch. Das gibt auch dem Verantwortlichen bei der Stadt-Verwaltung zu denken. Er bezeichnet den Wasserverbrauch in den letzten Jahren als „problematisch“. Nun aber muss gehandelt werden, denn die Wasserzinseinnahmen decken die Ausgaben nicht mehr. Die Versammlungsteilnehmer beschliessen, dass die Wasserzinse fortan verbrauchsabhängig festgelegt werden. Seither existieren in den Protokollen vergleichbare Zahlen zum Wasserverbrauch.

 

Ein Jahr später wird diskutiert, ob der Grund für den hohen Wasserverbrauch der schlechte Zustand der Leitungen sein könnte. Erörtert wird zudem, weshalb der Verbrauch auf den einzelnen Arealen so unterschiedlich hoch ist. Laut der Präsidentin verbrauchen Areale mit Häuschen erfahrungsgemäss mehr Wasser als Areale ohne Bauten.

In den letzten Jahren ist das Thema nicht nicht mehr so präsent wie früher. Dafür ist ein neuer Dauerbrenner aufgetaucht: Was passiert mit den Familiengärten, falls die Stadt auf dem Mittel- und Viererfeld baut? Die meisten Gärtner hoffen: Bis die Baumaschinen auffahren, fliesst noch viel Wasser durch die alten Brunnenrohre.

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