Auf dem Trockenen

Giessen oder nicht? Eine simple Frage, werden Sie denken. Doch die Antwort hat Konsequenzen. Oder besser: Sie fordert Konsequenz. Denn entweder giesst man den ganzen Sommer lang – oder man lässt es ganz sein. Aber der Reihe nach.

Wir haben einen Brunnen. Den endlosen Wasserstrom nutzen wir zum Giessen der Töpfe und Kübel.

Der Spitzkabis in der Badewanne braucht Wasser, weil er es sich nicht selbst im Boden holen kann. Im Hintergrund Brunnen und Wasserbecken.

Auch der alte Nachbar bedient sich am Brunnen. Nicht nur jetzt, da wieder diese Hitzetage anstehen, die Sonne vom Himmel brennt und kein Niederschlag in Sicht ist. Sondern täglich. Schubkarre um Schubkarre schiebt er Wasser zu seinem Garten. Giesst Lauch, Sellerie, Tomaten, Rüebli. Nicht selten sogar mehrmals am Tag. Zeit dafür hat er genug. Er ist Rentner und verbringt seine Tage am liebsten im Garten. Dementsprechend üppig wächst sein Gemüse: dicke Lauchstangen, grosse Rüebli, starke Tomatenpflanzen.

Damit können wir nicht mithalten. Weder mit dem Wachstum noch mit dem Giessrhythmus. Vor zwei Jahren versuchten wir es noch. Gossen den Lauch, die Rüebli, natürlich die Tomaten. Nicht täglich, sondern je nach Zeit und Laune. Genützt hat es nichts. Mehr noch: Es hat geschadet. Die Unregelmässigkeit war unser grosser Fehler. Und Rüebli und Lauch gediehen so schlecht wie sonst nie. Letztes Jahr liessen wir es sein. Gossen den Garten bis auf das Tomatenhaus gar nicht. Das Resultat fiel besser aus.

Meine These? Auch Pflanzen gewöhnen sich ans Giessen. Sie werden dadurch verwöhnt, müssen nicht grosse und starke Wurzeln bilden. Das spielt keine Rolle, solange man sie sehr häufig giesst. Aber eben: Dafür fehlt vielen Leuten die Zeit. In diesem Fall giesst man besser gar nicht. So müssen die Pflanzen das Wasser suchen gehen – die Wurzeln reichen also tiefer und werden stärker. Um der Austrocknung und der Verhärtung der Oberfläche vorzubeugen, kann man den Boden mit einer Mulchschicht belegen. Dazu eignet sich zum Beispiel geschnittener Rasen, der nicht zu dick gestreut wird.

Rasenmulch schützt den Boden um die Gurke vor dem Austrocknen. Im Hintergrund Mais.

Die Kefen wachsen so dicht, dass sie weder gegossen noch gemulcht werden.

In diesem Jahr führen wir den Feldversuch weiter. Wir wollen auch Tomaten- und Peperonihaus nicht mehr giessen, da bei Regen die Feuchtigkeit eigentlich auch in den überdachten Boden eindringen sollte. Nur Brennnesseljauche werden sie ab und zu noch kriegen, schliesslich möchten wir auch schöne Früchte ernten.

Das Peperonihaus haben wir in diesem Jahr neu angelegt.

4 Kommentare zu «Auf dem Trockenen»

  • Laura Fehlmann sagt:

    Ich mache die gleiche Erfahrung, giesse selten, dafür länger. Wenn man nur die Oberfläche netzt, trocknet sie aus und im Untergrund bleibt es auch trocken, sogar wenn Regen fällt. Die Wurzeln von Pflanzen, die ständig Wasser kriegen, wachsen weniger in die Tiefe. Was meiner Meinung nach gegossen werden muss sind Saaten und frisch Gekeimtes.

  • Marina Bolzli sagt:

    Einverstanden. Wobei ich mit Vorliebe dann säe, wenn Regen angekündet ist. Auch frische Setzlinge werden je nach Trockenheit und Hitze mehrmals angegossen.

  • Heidi Herrmann sagt:

    Sämlinge und Setzlinge erholen sich nicht richtig, wenn sie nicht genug Wasser haben. Gurken werden bitter und der Salat schiesst bei Trockenstress.

    • Marina Bolzli sagt:

      Salat schiesst bei der momentanen Hitze sowieso, dachte ich. Sogar robustere Sorten wie „Vier Jahreszeiten“. Mir bleibt momentan einzig das „Grazer Krauthäuptl“. Oder weiss jemand noch weitere Sorten, die bei Hitze nicht schiessen?

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