Wettrennen im Setzlingsverkauf

Dieser Tomatensetzling ist noch etwas zu klein, um verkauft zu werden.

Es ähnelt der Frage nach dem Huhn und dem Ei. Was war zuerst? Der Tomatensetzling? Oder der Kunde, der Anfang April Tomaten setzen wollte? Für die Landi ist der Fall klar: „Es ist der Kunde, der nachfragt – und wir sind im Vergleich mit anderen Anbietern eher spät“, sagt Mediensprecherin Sonja Schild. Die Landi bietet seit Ende März Setzlinge an, die gemäss der alten Gärtnerweisheit, wonach man die Eisheiligen abwarten sollte, nicht vor Mitte Mai in den Boden sollten. Die Auswahl ist riesig: verschiedene Tomatensorten, Gurken, Zucchetti, Kürbisse. Allesamt frostempfindlich. Doch das ging Anfang April gerne vergessen. Es war schön und warm wie im Sommer. Noch einmal Schnee? Noch einmal Frost? Das konnten sich die motivierten Gärtner fast nicht vorstellen. Als wären alle Naturgesetze ausser Kraft gesetzt. Zugegeben, auch die Schreibende war euphorisiert – und säte Basilikum.

Der verfrühte Sommer kam auch in den Gärtnereien an. „Letzte Woche fragte mich eine Kundin, ob wir kein Basilikum mehr hätten – dabei verkaufen wir Basilikum noch gar nicht“, sagt Franziska Hauert, Inhaberin der Gärtnerei Leonotis in Grossaffoltern. Sie ist strikt: Tomatensetzlinge, Gurken- und Kürbisgewächse gibt es in der Gärtnerei erst im Mai. Doch auch Leonotis spürt den Druck im Wettrennen um den Setzlingsverkauf: „Früher starteten wir den Verkauf nach den Eisheiligen, nun haben wir ihn um eine Woche vorgezogen“, sagt Franziska Hauert. Jedes Jahr sei die Nervosität gross, ob die Setzlinge noch verkauft würden. Schliesslich sind sie zu dieser Zeit schon seit Wochen beim Grossverteiler im Angebot.

„Wenn sich die Leute erkundigen, raten ihnen die Verkäufer schon, die frostempfindlichen Pflanzen entsprechend zu schützen, beispielsweise mit Vlies“, sagt Landi-Sprecherin Sonja Schild. „Aber die meisten fragen nicht nach und kaufen ohne Beratung.“ Bei der Gärtnerei Leonotis bekommen die kaufwilligen Kunden einen Zettel in die Hand gedrückt mit dem Jahresprogrammm, in dem die Verkaufsdaten für wärmeliebende Stetzlinge aufgeführt sind. „Sie sagen Danke. Manche kommen später zurück – andere gehen halt zum Grossverteiler, wo sie ihre Ware schon kaufen können“, sagt Franziska Hauert.

Kürbissetzlinge erleiden bei grosser Kälte einen Wachstumsstopp.

Und jetzt ist es kalt, es schneit. Man ist geneigt, schadenfreudig zu werden. Früh gesetzte Zucchetti, Gurken und Kürbisse würden sich am liebsten in den Boden zurückziehen – so, wie es das Basilikum der Schreibenden getan hat. Und wenn sie nicht erfrieren, erleiden sie einen Wachstumsstopp. Bis sie sich wieder erholt haben und zu wachsen beginnen, wurden sie längst von den Setzlingen überholt, die erst im Mai gesetzt werden. Wetten?