Warten auf die Wärme

Ich will mich ja nicht rühmen, aber wann immer in den vergangenen Wochen die Leute um mich herum von diesem „wunderbar warmen Frühling“, von den „ach so schönen Tagen“ und den ersten erledigten Arbeiten im Garten sprachen, habe ich entgegnet: Warte nur, es schneit bestimmt noch einmal. Et voilà, ich sollte recht behalten. Wie gesagt, Eigenlob stinkt, und ich war ja selber auch schon draussen, habe ein paar Buchsstauden gepflanzt und ein bisschen gejätet. Aber das wars. Aus gutem Grund, wie sich in den vergangenen Tagen – und vor allem Nächten – gezeigt hat.

 

 

Erste Lebenszeichen: Die Engelstrompeten schlagen aus.

 

Allerdings sind wir Menschen nicht die Einzigen, die den Frühling herbeisehnen. Die Fuchsien im dunklen Keller haben schon kräftig ausgeschlagen. Die Engelstrompeten lassen ebenfalls erste Lebenszeichen erkennen, und die Kakteen und Asparagus im abgedeckten Lichtschacht machen sich langsam, aber sicher bereit für den Tag, an dem sie wieder ganz nach draussen geholt werden. Vor allem Asparagus recken ihre jungen Triebe der Helligkeit jenseits des schützenden Vlieses entgegen. Vorerst aber heisst es: Drinn‘ bleiben, draussen ist es noch zu kalt.

 

Ungeduldig: Der Asparagus streckt inmitten der Kakteen seine Triebe der Helligkeit entgegen.

Natürlich weiss ich, dass man die Stauden jetzt ins Helle bringen sollte, „an einen frostgeschützten Ort“, wie es jeweils so schön heisst. Was aber tun, wenn man den nicht hat? Die Vorstellung, jeden Abend mit einem Stapel Tücher ums Haus zu rennen, um all die Empfindlichen vor den kalten Nachtstunden zu schützen, ist mir zuwider. Dafür bin ich einfach zu bequem. Und darum müssen Fuchsien und Co. noch einen Moment ausharren.

 

Ich will raus: Die Fuchsia ist weit fortgeschritten.

 

Aber versprochen: Sobald sich die nächste einigermassen stabile Warmfront am Wetterhorizont blicken lässt, befreie ich die Pflanzen aus ihren Wintergefängnissen. Langsam dünkt mich nämlich der Anblick der schmucklosen Terrasse und des leeren Kakteen-Gestells ziemlich langweilig. Da helfen auch die Stiefmütterchen vor dem Haus nicht wirklich.

 

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