Scharmützel vor der Anbauschlacht

Screenshot Smigo.org

An einem langen Abend wird der Garten geplant – am Computer.

Sie steht auf Radieschen, er auf Chili. Sie liebt Krautstiele, er will Zwiebeln. Sie weibelt für Süsskartoffeln, die mitten im Blumenbeet wachsen sollen. Er hingegen möchte für sich und für die Kleine eine Ecke Popcorn. Und natürlich wollen sie sich gemeinsam an Tomaten, Kürbissen, Bohnen, Federkohl, Salat und Rüebli versuchen.

Das alles in den paar Beeten des mit zwei anderen Parteien ge­teilten Schrebergartens unter­zubringen, ist nicht ganz einfach. Zumal sie für eine kunterbunte Mischkultur weibelt; das Durcheinander von Stark-, Mittel- und Schwachzehrern, Tief- und Flachwurzlern, Blatt- und Wurzelgemüsen sei gut für den Boden und ein natürlicher Schutz gegen Schädlinge, argumentiert sie. Er hingegen hat lieber klare Verhältnisse – aus ganz pragmatischen Gründen: Das Risiko, dass er beim Jäten im Chrüsimüsi-Garten die falsche Pflanze erwischt, ist zu gross. Sie, die die Namen und das Aussehen jedwelchen Krauts in jedwelchem Wachstumsstadium schon in jungen Jahren eingeimpft bekommen hat, kanns nicht verstehen. Sie habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er lern­fähig sei, giftelt sie. Das lässt er nicht auf sich sitzen. Flugs kocht er die olle Kamelle nochmals auf: Ja, sie war es, die vor Jahr und Tag sein liebevoll geharktes Beet umgepflügt und der keimenden Petersilie kurzerhand den Garaus gemacht hat.

Die beiden sind sich nicht ganz grün an diesem späten Abend im zu Ende gehenden Winter. Nach der Auslegeordnung, wer was anbauen will, geht sie schliesslich zu Bett. Er hingegen setzt sich nochmals an den Computer. Denn er will einen handfesten Plan für den Garten schmieden.

Er probiert Software aus, mit der sich Gärten planen lassen. Die meisten Programme, die er beim Herumsurfen entdeckt, sind für seine Zwecke aber ungeeignet. Nein, er will keinen neuen Garten bauen, den er mit Tischen, Stühlen und Polstergruppen aufmöbeln und schliesslich in 3-D-Bildchen umrechnen lassen könnte; einzig Hobbygartenarchitekten benötigen so etwas – sowie vielleicht Planungsfanatiker und Leute, die keinen Garten haben, dafür aber zu viel Zeit. Und nein, er will auch keine komplexe Software zur Verwaltung des Saatguts und der Erträge sowie zur Dokumentation der Fruchtfolge. So etwas benötigen höchstens (Hobby-)Landwirte. Er steht zudem nicht auf Software, die von Herstellern von Gartenbedarf angeboten wird. Auf der anderen Seite möchte er aber auch nicht viel Geld investieren. Er sucht lediglich eine einfache Möglichkeit, um die paar Beete zu skizzieren, das Gemüse darauf zu platzieren. Optimal wäre, wenn das Programm ihn zudem auf gute und schlechte Nachbarn für jedes Gemüse aufmerksam macht.

Genau das kann der Onlinedienst Smigo.org, der vom schwedischen Programmierer Christian Nilsson als freie Software ent­wickelt wird: Mit wenigen Klicks wird das Gemüse auf kleinen Quadrätchen platziert. So stückelt man einen Plan des eigenen Gartens zusammen, der dann in den Folgejahren wiederverwendet werden kann. Fährt man mit der Maus über den Übersichtsplan, wird angezeigt, falls die neben einem Gemüse platzierte Pflanze eine besonders gute oder schlechte Nachbarin ist. Ein Klick aufs jeweilige Gemüse blendet die Details dazu ein. Diese können von den Nutzern der Plattform erweitert werden. Das ist zum Teil dringend nötig: Die lokalen Namen von diversen Gemüsen und Beeren fehlen, und Angaben zu Blumen auch. Unvollständig sind zudem die Angaben zu guten und schlechten Nachbarn. Für den Anfänger führt deshalb derzeit noch kein Weg an anderen Quellen vorbei. Eine praktische Datenbank mit umfassenderen Angaben zum Thema Nachbarschaft etwa ist auf der Lernplattform «Serlo» unter Plantbuddies.serlo.org zu finden.

Während sie schläft, klickt er flugs einen Entwurf für ihre gemeinsame Anbauschlacht zu­sammen. Am Morgen wird sie sich verwundert die Augen reiben. Und bei Gelegenheit wird sie ihm auch mal einen Stein in den Garten werfen.


Wie planen Sie Ihren Garten? Und welche Änderungen schlagen Sie bei unserem Beispiel vor?

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