Rassismus im Garten

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Nun, Löwenzahn ist zwar lästig, aber zumindest einheimisch. Seit ein paar Jahren ist in Gartenkreisen ja der nackte Rassismus ausgebrochen. So genannte Neophyten werden ausgerottet, weil sie andere Pflanzen dominieren, weil sie alles andere überwuchern, weil sie offenbar nicht in unser Land gehören. Interessant ist, dass jährlich mehr Pflanzen aus was weiss ich was für Gründen, zu den Neophyten zählen. Neustens sogar der Kirschlorbeer, ein immergrüner Strauch, der mir zwar nicht besonders gefällt, aber zu den wenigen Immergrünen gehört. Was er für Schaden anrichten soll, ist mir schleierhaft. Die nächsten Neophyten werden bestimmt bald publik. Mal abwarten, wann die im frühen Frühling blühenden Forsythien auf die schwarze Liste kommen. Die Forsythia stammt ursprünglich aus Asien, wie sehr viele Pflanzen bei uns. Aber sie produziert keinen Nektar und kein Vogel baut sein Nest in diesem Strauch den viele aufs Schlimmste verstümmeln (Bild) und der trotzdem treu weiterblüht, aber sich nicht weiter ausbreitet. Sie ahnen es: Ich mag Forsythien auch nicht…

Welche Pflanze mögen Sie nicht besonders gut leiden?

10 Kommentare zu «Rassismus im Garten»

  • Alex Zatelli sagt:

    Statt Kirschlorbeer kann man besser hellgrüne Plastikzäune aufstellen. Eine solche Art Sichtschutz“garten“bau sähe weniger abweisend aus.

  • Theres Schmid sagt:

    Erstaunlich ist, dass dieselben Kreise (Grüne) eine möglichst multikulturelle Gesellschaft anstreben. Aber in der Umwelt sollte es möglichst national zu und her gehen.

  • marie sagt:

    gerberat und heliconia „blumen“ – geht bei mir gar nicht…

  • D. Tanner sagt:

    Tagetes! Die sind hässlich und stinken.

  • Mit dem Wort vom Rassisten sind Sie in guter Gesellschaft. Die seit David Simberloff im Jahr 2003 geführte Polemik ist in der Fachwelt der Spezialisten nicht abgeebbt. Er musste sich sogar gegen das Wort Nazi wehren:

    Simberloff, D. (2003). Confronting introduced species: a form of xenophobia?. Biological Invasions, 5(3), 179-192.

    Der Text kann über Google Scholar aufgefunden werden.

    Die Forsythie ist seit den 70er Jahren auf der Liste der unerwünschten Gartenpflanzen von Naturschutzbund und WWF. Es gibt schlicht keine Tiere in der einheimischen Fauna, die damit etwas anfangen können. Haben Sie schon jemals einen Käfer gesehen, der ein Loch in Forsythienblätter frisst oder einen Bestäuber an den Blüten oder das Nest eines nistenden Vogels im Geäst?

  • Noch etwas zur Sachinformation. Wir Ökologen grämen uns nicht wegen jeder fremdländischen Gartenpflanze. Fremdländische Pflanzen werden erst als „Neophyten“ bezeichnet, wenn sie in der hiesigen Flora heimisch werden. Dort können sie eine Randexistenz führen, gelegentlich ihren Platz einnehmen und wieder verschwinden. Auch da shen wir keine Probleme.

    Schwierig wird es, wenn solche fremdländischen Pflanzen nicht nur verwildern, sondern sich invasiv über alles andere hinwegsetzen und einheimisches verdrängen. Sie können dabei Gesundheitsprobleme verursachen, teure Schäden an Bauten bewirken oder ganze Ökosysteme unwiederbringlich ummodelieren.

    Wer genaues wissen möchte:

    http://www.infoflora.ch/de/flora/neophyten/

    „Nicht alle Neophyten sind invasiv. Die Schweizer Flora zählt heute ungefähr 550 Neophyten, davon werden zirka 45 zu den invasiven Neophyten gezählt.“

    • Beispiele aus dem Text:
      Forsythie: Sie kann sich nicht selbständig vermehren, u.a. weil die Bestäuber fehlen. Das heisst, sie wird nicht auswildern. Wie wird nicht als Neophyt Teil der hiesigen Flora werden und schon gar nicht invasiv.

      Kirschlorbeer: Nördlich der Alpen kann er zwar gelegentlich verwildern, aber richtig gruusige Winter werden lokalen Populationen den Garaus machen.

      Im Tessin breiten sich Kirschorbeer und der Japanischen Fächerpalme grossräumig in Bergwäldern aus. Dort sind hiesige natürliche Ökosysteme mit ihrer gesamten Artenvielfalt auf längere Sicht in Gefahr. Inwiefern diese Wälder noch ihre wirtschaftlichen Funktionen (Nutzholz, Brennholz, Kastanienanbau, Schutzwald) erfüllen, weiss ich nicht.

      (Was den Kirschlorbeer nördlich der Alpen betrifft, werden mir sicher ein paar Kollegen widersprechen. Das hängt u.a. davon ab, ob man den Voraussagen der Klima-Weltuntergangs-Propheten glaubt).

      • marie sagt:

        danke für ihre interessante ausführung. ich hatte einmal einen chef (arbeitete in einem „ökologischen“ umfeld), dem man ständig vorträge hielt über neophyten und wie grundsätzlich teuflisch die wären. irgendwannmal meinte er ganz lapidar, ich sehe die probleme schon. aber dabei sollte man nicht vergessen, dass der grösste „neophyt“ an und für sich mittlerweile grundsätzlich der mensch sei. dabei grinste er teuflisch… ich fand seinen „humor“ klasse.
        sind gerbera neuophten?

        • Laura Fehlmann sagt:

          Gerbera stammen ursprünglich aus Afrika, Madagaskar und Asien. Sie sind nicht winterhart, bei uns also Zimmerpflanzen. Deshalb haben sie auch keine Chance, sich unkontrolliert zu verbreiten.

  • Mani sagt:

    Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

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