Garten und Seele verwahrlost?

Quelle: Claudia Salzmann

Vergangene Jahre war ich während der lang erwarteten Erntezeit ferienhalber abwesend. Dass sich dann die ganze Plackerei, das Wasser schleppen und jäten nicht lohnt, versteht sich von selbst. Man kommt nach Wochen heim und alles sieht verwahrlost aus. Doch auch heuer ist es nicht besser, obwohl ich keine Ferien hatte. Im Garten sieht man, wie es der Gärtnerin oder dem Gärtner geht. Ist alles grün, keine kranken Blätter und keine verdorrten Blumen, dann kümmerte sich jemand regelmässig darum und die Hobbygärtnerin war viel daheim.

Das würde auch meine Grossmutter unterschreiben. Sie stand jeweils im Frühling mit dem Fernglas auf der Laube des Bauernhauses im Emmental und urteilte über die Geranien der Nachbarinnen. Stundenlang suchte sie das ganze Tal ab, um jeweils die Blumenkisten an den Balkonen zu kommentieren. «Aha, dort bei Fankhausers ist noch nichts draussen. Warum wohl? Ich glaube, der gehts nicht gut.» Das erzählte sie dann brühwarm beim Zvieri meinem Grossvater, der dann am nächsten Morgen in der Käserei beim Bauern Fankhauser nachfragte. Um dann wiederum eine Geschichte beim Znüni zu erzählen.

Würde meine Grossmutter meine Terrasse beäugen, würde sie sehen, dass ich selten da war, viel auswärts gegessen habe, den Sommer in der Stadt und an der Aare genossen habe. Endlich daheim, war es zu dunkel war, um noch im Garten zu wirken. Beim Giessen sah ich dann 1000 Dinge, die ich noch machen möchte oder sollte. Nun sieht man auch bei den Experimenten, wie meine Stangenbohnen, ob man gut gearbeitet hat oder nicht. Ein anderes Experiment allerdings hat mir alles verziehen: Lustigerweise geht es den Duftgeranien absolut wunderprächtig.

1 Kommentar zu «Garten und Seele verwahrlost?»

  • Ja, das ist halt der Unterschied zwischen dem geruhsamen Landleben und der Hektik der Stadt. In der Stadt genügt es einem nicht, auf dem Balkon sich zu sonnen, man muss auch noch auswärts essen, in der Aare schwimmen, durch die Reitschule streunen, …

    Also bei mir zuhause sehe ich vom Balkon aus mit und auch ohne Feldstecher nur das Feuerwehrdepot und dahinter das Schulhaus. Die Käserei ist nur 30 Meter weiter. Dennoch, falls Sie ein bisschen ruhiges Landleben geniessen und dafür meinen Garten jäten wollen, so hat es bei mir jede Menge Platz: Gästezimmer zur Auswahl.

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