Ättis Znacht und Grosis Kürbissuppe

Ein angenehm-angeheiterter Geräuschpegel dringt durch die Leitung, als die Besseresser im Thalgut in Gerzensee reservieren. Wie im Sommer wegen der grünen Aare steuert man den Familienbetrieb also auch im Winter gerne an. Pesche und Irene Hodler-Krebs führen das Lokal seit 1985. Auch ihre Söhne sind hier tätig. Durch die Küchenfenster erhaschen wir erste Einblicke in ihr Schaffen. Seit fünf Jahren gehört der Betrieb zu den rund 300 Betrieben der «Gilde etablierter Schweizer Gastronomen». 2016 baute die Familie Hodler-Krebs um: Die schiebbare Glasfront vergrössert die 150-plätzige Terrasse an lauen Abenden zusätzlich. Auch das engagierte Team kann die Speisen ein­facher auftragen, da sich alles auf einer Etage befindet.

Es ist kurz vor 20 Uhr, viele Gäste sind beim Hauptgang, einige tragen grosse Papier­lätze um den Hals. Wir bekommen einen Tisch beim Kücheneingang und beim Buffet. Nach Minuten kennen wir alle Vor­namen der drei Servicefachangestellten, weil der Stammtisch sie immer wieder anspricht, wenn Bier fällig wird. Und das ist oft: Während die erste Männergruppe ein frühes Znacht verspeist, kommt die nächste Runde für die TV-Übertragung des Eishockey-Matchs der Nationalmannschaft.

Wir bekommen einen Gruss aus der Küche: ein Gerstensüppchen mit geräuchertem Wels und Dillsenf. Eine an­genehme Überraschung, denn solche Gesten leisten sich primär Spitzenköche. Die grosse Auswahl an Gerichten ergänzt die Bedienung mit den Tagesspezialitäten wie beispielsweise einer Wildschweinbratwurst. Die Besseresserin bestellt eine Kürbiscremesuppe mit Kürbiskernöl (11.50 Fr.),die es auch mit einer Jakobs­muschel-Einlage (16.50 Fr.) gegeben hätte.

Die Suppe schmeckt wie beim Grosi, der Kürbis wird allerdings von der zünftigen Portion Rahm etwas überstimmt. Dazu bekommen wir Brot und Zopf vom Beck. Der Besseresser bestellt die hausgemachte Fleischterrine mit Pistazien, getrockneten Früchten und Calvados, dazu Zwetschgenchutney und Salatstrauss (21.50 Fr.). Die drei dicken Scheiben sind ein happiger Start ins Abendessen.

Beim Hauptgang frischt sich die Besseresserin mit Taglierini (21.50 Fr.) eine Ferienerinnerung auf. Damals im Piemont mit Bolognese und Barbera. Hier im Thalgut tischt Hodler die Nudeln an einer Safran-Rahmsauce und sanftem Belpbergtrüffel auf. Die tollen Teigwaren kommen aus der eigenen Pastamanufaktur.

Für den Besseresser gibt es «Ättis Znacht» (19.50 Fr.). Ein Cervelat-Salat, bei dem nach dem Gusto des Besseressers die Sauce zu wenig Essig enthält, dafür das gewisse Etwas fehlt. Vielleicht klein geschnittene Essiggürkchen? Zum Wurstsalat werden Käse-Hörnli gereicht. Die Hörnli sind so klein, dass man sie glatt für Risotto hätte halten können. Wohl hatte es der «Ätti» so gern. Der Besseresser schnödet ein wenig und hätte sich rassigeren Käse gewünscht. Satt wird er bei der Portionengrösse alleweil, im Gegenteil: Er lässt sogar Resten übrig. Die kleine Portion(15.50 Fr.) hätte es auch getan.

Wir bestellen Espresso, dazu serviert uns die Kellnerin einen klitzekleinen Lebkuchen unter einer ebenso kleinen Cloche. Genau richtig für den spärlich vorhandenen Platz in unserem Magen und noch viel passender zur besinnlichen Weihnachtszeit.

Restaurant Thalgut, Aarestrasse 7, 3115 Gerzensee. Tel. 031 781 08 72.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Fisch, Urchiges und hausgemachte Pasta.

Abgerechnet: Die Preise sind für die Portionengrösse mehr als fair.

Aufgefallen: Vom Zopfbäcker bis zum Hobelkäse der eigenen Kuh – eine ganze Seite der Karte gehört der Herkunftsdeklaration.

Abgefallen: Vegis werden stiefmütterlich behandelt, aber die Ravioli aus Eigenproduktion könnten glücklich stimmen.

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