Italienische Expansion

Seit zwei Monaten haben im Kehrsatzer Restaurant Il Brunello neue Besitzer das Sagen. Es handelt sich um die Familie von Mujo und Buki Kamberi. Sie hat sich in der Region Bern bereits ein kleines Pizzeria­imperium aufgebaut mit Standorten in Belp, Burgdorf und Schönbühl. Also auf nach Kehrsatz, sagen sich die Besseresser, und ab in den Zug – dumm nur, wenn dann der Rucksack mit dem Portemonnaie im Wagen liegen bleibt und weiterfährt.

Der notwendige Umweg nach Belp, wo der Rucksack schon am Bahnschalter bereitliegt, hätte uns immerhin die Möglichkeit gegeben, uns ein umfassendes Bild über den Fa­milienbetrieb zu machen. Schliesslich befindet sich das Puccini nahe der Gleise. Wir verzichten aber auf Apéro und Antipasti im Exil und machen rasch kehrt nach Kehrsatz. Auch das Brunello liegt nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt. Geführt wird es vom Schwiegersohn der Kamberis.

Wir starten mit einem Glas Pinot grigio (5.90 Fr.) und einem Vernaccia (4.90 Fr.) und rätseln, woher die Kräuter­butter zum Pizzateigbrot ihre dunkle Farbe hat. Der freundliche Kellner weiss es: Sie kommt von den Oliven. Nun sehen wir es, aber riechen können wir immer noch nichts. Dann kommen ein kleiner Caprese-Salat (13.90 Fr.) mit faden Tomaten und Gamberi Venezia (18.50 Fr.) aus dem Holzofen. Die kleinen und grossen Crevetten schwimmen in einer scharfen Kräutersuppe.Interessant und gut.

Das Brunello ist an diesem trüben Sonntagabend nicht gerade überfüllt, einsam fühlen sich die Besseresser aber auch nicht. Im August wurde das Restaurant aufgefrischt. Stühle und Bankreihen sind jetzt schwarz und die silbergrauen Kronleuchter Geschmacks­sache. Das Brunello ist eleganter und moderner geworden. Wärme verströmen die Holz­decke und der Holzofen und machen die Kälte wett, die hin und wieder durch die Tür kriecht. Und die grelle Be­leuchtung.

Wir entscheiden uns gegen Pizza, dafür für einen anderen italienischen Klassiker. Die Spaghetti alla carbonara (19.80 Fr.) haben Biss und sind zugleich samtig. Auch die Tagliata di manzo (38.50 Fr.) mit Pommes und Gemüse überzeugt. Das Entrecôte ist bereits geschnitten, leuchtet rosé auf der grünen Kräuterbutter und ist perfekt gebraten. Nur die Frites sind etwas bleich. Dazu gibts nicht einen Brunello di Montalcino, der dem Restaurant den Namen gab, sondern einen passenden Barbera d’Asti (6.30 Fr.).

Wir haben noch nicht genug. Zum Dessert bestellen wir eine üppige Crema catalana (8.50 Fr.) und von der Herbstkarte süsse Ravioli fritti (12.90 Fr.), die mit Marroni, Zimt und Wintergewürzen gefüllt sind. Es dominiert der Rum, und das ist gut so. Beides schmeckt. Noch nicht genug haben auch Kamberis. «Wir wollen wachsen», steht im Flyer, der mit der Rechnung geliefert wird. Wer seinen Standort kenne, solle sich bei der Familie melden.

Il Brunello, Bernstrasse 1, 3122 Kehrsatz. 031 961 02 04. 

Die Quittung

Auf dem Tisch: Pizza aus dem Holzofen, Pasta, Fisch und Fleisch, das (über)volle Italoprogramm.

Abgerechnet: Angemessene Preise für grosszügige Portionen.

Aufgefallen: Wer Alkohol getrunken hat und nicht weiter als 10 Kilometer vom Brunello entfernt wohnt, kann sich gratis heimchauffieren lassen.

Abgefallen: Die Deklaration von gluten- und laktosefreien Menüs auf der Karte ist zwar löblich. Aber wenn schon – warum ist beispielsweise der Risotto nicht glutenfrei?

Kommentar

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