Herbstgelüste am Wasser

Die Besseresser kehren auch nach den warmen Sommer­tagen noch einmal zurück ans Wasser, an die Aare – je näher sich ein Restaurant daran befindet, desto besser. Und nah am Wasser befindet man sich beim Restaurant Schloss Oberhofen alleweil, einen Meter vom Thunersee entfernt. Es ist ein idyllischer Ort im Schlosshof, umgeben von alten Toren, Mauern und Türmchen. Da will der moderne Bau, wo das Restaurant untergebracht ist, gar nicht so recht dazupassen. Im ersten Moment sind die Besseresser also froh, dass sie nach draussen geleitet werden, wo sie von ihrem Tisch aus beobachten können, wie die Sonne hinter den Bergen untergeht und den See in goldenes Licht taucht. Apropos Berge – für die beiden mässigen Bergkenner beginnt beim Warten auf das Essen ein munteres Rätselraten über die Namen der umliegenden Gipfel.

Die Wahl der Vorspeise auf der kleinen Menükarte ist schnell getroffen: Die Antipasti della «Berkel» (24.50 Fr.), der berühmten und weltweit ersten Aufschnittmaschine, klingen einfach zu verführerisch. Und das üppig belegte Holzbrett mit Rohschinken, Käse, Grissini, eingelegten Peperoni und Oliven kann sich sehen lassen. Das Fleisch ist von hoher Qualität, auch wenn die Besseresser der Meinung sind, die Maschine hätte auch noch einen zweiten Aufschnitt schneiden können.

 

Unterdessen ist es am Ufer frisch geworden. Das Licht schwindet, und die Feuchtigkeit lässt den nahenden Herbst nur allzu deutlich erahnen. Gut, dass die aufmerksame Kellnerin mit dem Hauptgang gleich noch eine Decke mitbringt. Die beiden Hauptgänge der Besseresser könnten vom Thema her nicht unterschiedlicher sein. Die Besseresserin läutet mit den geschmorten Wildschweinbäckchen (37 Fr., oben im Bild) den Herbst ein, der Besseresser hängt noch ein bisschen den Sommertagen nach, schaut aufs Wasser und entscheidet sich für die grosse Fischplatte (49 Fr., unten im Bild), deren Dimensionen ihn ein bisschen überfordern. Denn auf dem Teller befindet sich so viel Fisch, dass die Kartoffeln fast untergehen. Vom Geschmack her überzeugt die Platte, genauso wie das Wildschwein, das durch das Schmoren sehr zart geworden ist. Auch die Gemüsewürfel und -chips dazu sind gut abgeschmeckt. Auf die hausgemachten Spätzli als Beilage hat sich die Besseresserin bei ihrem Menü besonders gefreut. Diese werden separat serviert und sind schön angebraten – nur leider mit etwas gar viel Salz gewürzt.

Mittlerweile ist die Dunkelheit über den See gekrochen, vereinzelt sieht man die Beleuchtung eines Schiffs, sonst bleibt es im Schlosshof schummrig. Von den grosszügigen Hauptgängen pappsatt, werfen die Besseresser nur noch einen kurzen Blick in die Dessertkarte. Und können es dann doch nicht lassen, immerhin einen Espresso «più» zu bestellen (7.50 Fr.), der mit einer kleinen Cremeschnitte serviert wird, die in einem Happen schon wieder weg ist – perfekt.

Restaurant Schloss Oberhofen Tel.: 033 243 53 63.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Kleine Karte, italienische Klassiker, saisonal.

Abgerechnet: Für den Preis erhält man grosszügige Portionen, das Glas Wein (12 Franken) war teuer.

Aufgefallen: Zum Hauptgang konnte die Besseresserin zwei verschiedene Weine probieren und sich dann für einen entscheiden.

Abgefallen: Die weissen Lampen im Hof beleuchten wenig und das Licht wirkt etwas kalt.

Kommentar

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