Ein Hamburgerturm in tiefster Idylle

Einen der letzten Sommertage hatten wir erwischt, um einen wunderbaren Ausflug aufs Land zu machen: Eine ehe­malige Besseresserin hatte uns auf das Restaurant Diemerswil aufmerksam gemacht. Dieser Empfehlung folgten wir gern und machten uns per Velo gegen Norden auf. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie unmittelbar hinter der Stadtgrenze die tiefste Idylle beginnt. Nachdem wir uns in Herrenschwanden den Hang hinaufgequält hatten, schien die Stadt bereits kilometerweit weg. Bauernhöfe, Getreideäcker und Obstbäume säumten den Weg bis nach Diemerswil, wo ein imposanter Riegbau das Dorfrestaurant beherbergt.

Beinahe hätten wir – hungrig und durstig, wie wir waren – wieder umkehren müssen, denn unsere Reservation war irgendwie nicht angekommen und das Restaurant trotz des verträumten Dorfes ausgebucht. Dank des freundlichen Personals erhielten wir doch noch einen Tisch auf der schönen Terrasse, wo wir uns erst mal einen Hausapéro (Prosecco mit Holunderblütensirup) genehmigten.

Nach einem Blick in die Speisekarte stand auch schnell fest, womit wir den Hunger stillen wollten. Der Besseresser entschied sich für ein Entrecote mit Kräuterbutter, Pommes Frites und Gemüse (45 Fr.), die Besser­esserin bestellte einen Swissness-Burger (28.50 Fr.) ebenfalls mit Pommes Frites. Ein Salat voraus war bereits in­begriffen und wurde nach der Bestellung auch prompt gebracht: Ein hübsch zurecht­gemachter Teller mit Gurken-, Zucchetti- und Rüeblisalat
an einer feinen Sauce (oben im Bild).

Als die Hauptgänge serviert wurden, konnten sich die Besseresser ein Lachen nicht verkneifen: Der Swissness-
Burger war derart hoch aufgetürmt, dass man das Gebilde unmöglich in die Hand nehmen konnte. Zwei Hacktätschli, eine grosse Specktranche, ein Spiegelei, allerhand Gemüse und eine Coleslaw-ähnliche Sauce thronten in einem aufgeschnittenen Bagel. Es blieb nichts anderes übrig, als den Turm Schicht um Schicht abzubauen, was von Anfang bis zum Schluss eine Freude war. Auch der zweite Teller vermochte zu überzeugen, insbesondere die ausgezeichnete hausgemachte Kräuterbutter auf dem sorgfältig zubereiteten Fleisch.

Aus lauter Überschwang bestellten wir nach dem Essen noch ein Dessert, warme Aprikosen mit Rahm (kleine Portion 7 Fr.). Danach waren wir so satt, dass wir auf dem Heimweg eigentlich mindestens dreimal um die Stadt hätten fahren sollen.

Restaurant Diemerswil, Dorfstrasse 1. Tel. 031 869 32 52.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Eine über­sichtliche Auswahl gutbürgerlicher Klassiker.

Abgerechnet: Am oberen Durchschnitt.

Aufgefallen: Von der Terrasse aus hat man eine Aussicht auf die Alpen.

Abgefallen: Langsam gewöhnen wir uns daran, dass Hahnenwasser berechnet wird, aber 4 Franken pro Karaffe dünkt uns arg teuer.

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