Liebevolles auf der Veranda

Seit Mai wird das Bistro des Tennisclubs Neufeld mit viel Liebe geführt. Kein Wunder, steckt doch ein Liebespaar dahinter: Emmanuelle Gullotti und Tevfik Kuyas. Gullotti kennt man vom Pyri, und sie fungiert als sympathische Gastgeberin; Kuyas ist Musiker und kocht im Matchbox, wie das Bistro heisst. Der Standort ist eher hartes Pflaster, weil die Berner nur kurze Distanzen goutieren, aber die Mitglieder des Tennisclubs liefern den Gastronomen schon mal eine finanzielle Sicherheit. Denn Sport gibt zumindest Durst.

Die Besseresserinnen kommen eines lauen Sommerabends hingegen mit Hunger an. Während Tennisbälle auf dem Platz hin- und herfliegen, setzen wir uns auf die Veranda des roten Holzhauses. In Kombination mit dem roten Platz und der Dämmerung können wir uns keinen besseren Ort fürs Abendessen vorstellen. Als Vorspeise bestellen wir Tintenfisch mit weissen Bohnen (9.50 Fr.). Dies ist nur eines der «Savouries», der französischen Variante von Tapas. Um uns trinken ausgepowerte Tennisler ihre Biere und äugen ein wenig auf unser Essen.

Im Hauptgang bestellen wir ein Carpaccio(25 Fr.), das in etwas zu viel Öl badet, aber schön rosa aufgeschnitten ist. Dem Wunsch, keinen Essig in der Salatsauce zu verwenden, wird sofort Folge geleistet. Anstelle des «Teufelszeugs», wie es die Begleiterin nennt, gibt es Zitronensaft. Der zweite Hauptgang sind lauwarme Spaghetti Caprese (19.50 Fr.) mit Cherrytomaten und gezupftem Mozzarella. Die letzten Tropfen Kochwasser hat der leidenschaftliche Koch Kuyas gleich mit als Sauce verwendet, was das Ganze fein aromatisiert.

Dieser erste Besuch schreit nach einer Rückkehr. Und das tun wir, an einem Sonntag zum Brunch:

Grossstädtisch kann man im Matchbox bis 15 Uhr frühstücken. Ein Buffet gibt es glücklicherweise nicht, denn die sehen innert kurzer Zeit grässlich aus. Das findet auch Gullotti und wandelt den Brunch in einen Mehrgänger um. Für 32 Franken sind ein Amuse-Bouche (ein Apfel-Orange-Limetten-Smoothie), ein Kaffee, ein Glas Prosecco und zwei Gänge enthalten: Birchermüesli, gebackene Eier im New-York-Stil, Omeletts oder Pancakes. Das Müesli können wir an diesem heissen Tag mit einem kalten Gazpacho ersetzen. Dieser ist sehr fein abgeschmeckt und wirkt appetitfördernd. Die gebackenen Eier mit Spinat kommen auch im Glas (unten im Bild) und sind genau richtig in der Grösse, denn die Sauce ist mollig-füllend.

 

Plötzlich kommt Bewegung auf den Platz. Nach einer Bewässerung starten vier Paare ihr Spiel. Ein Wind bläst den roten Staub über den Platz, sodass wir das Gefühl haben, wir seien in der Sahara. Nach eine Pause entscheiden wir uns für einen dritten Gang (plus 6 Franken pro Person). Die Besseresserin hat Lust auf Pancakes mit Ricotta und Ahornsirup. Die Begleitung nimmt das Omelett mit Pilzen und Schnittlauch. Unsere Wirtin behauptet, die Portion sei klein, aber Omelett und Pancakes sind generös. So bleiben Reste auf den Tellern, weshalb wir die Schuld für die zwei Regentage auf uns nehmen. Wir sind in unseren Gedanken sowieso schon wieder auf der wunderbaren Holzveranda beim Essen.

Die Quittung

Auf dem Tisch:  Sättigendes wie Burger oder Fish and Chips stehen im Menü, das Beste ist auf der Schiefertafel angepriesen.

Abgerechnet:  Faire Preise, hier gibt es den mutmasslich günstigsten Negroni der Stadt (12 Fr.).

Aufgefallen:  Das Wirtepaar lädt im September zum kulturellen Mehrgänger mit Mario Capitanio.

Abgefallen:  Mehr Gäste würden das Ambiente perfektionieren.

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