Portugiesischer Aufschwung

Diese Zeitung hat in den letzten Jahren regelmässig über das Restaurant La Villette in Muri geschrieben, wo sich die Wirte in hoher Kadenz ablösten. Der Optimismus, den der neuste Gastgeber Mitte März – kurz nach dem Start – versprühte, wirkte aber irgendwie glaubwürdiger als frühere Versionen. Und tatsächlich: Beim Besuch der Besseresser hinterliessen die neue Crew und das Lokal einen tadellosen Eindruck.

Der Wirt, ein gebürtiger Portugiese, hat Klassiker wie Rindsfilet Stroganoff (42.50 Fr.) oder Wiener Schnitzel (36 Fr.) wieder auf die Karte gesetzt. Wir entschieden uns aber für anderes und starteten mit einem kleinen Rindstatar (21 Fr., oben im Bild) und einem Crevettencocktail (17.50 Fr., unten im Bild). Dieser war ja auch mal ein Klassiker, ehe er irgendwann von fast allen Menükarten verschwand. Seine Sauce war harmonisch abgeschmeckt, die (früher) oft zu dominante Mayo Teil eines gelungenen Ganzen.

Bloss die eher flüssige Konsistenz verunsicherte uns leicht, auf dem flachen Schiefer blieb aber alles geordnet. Auch das saftig mit Zwiebeln und Gurken durchsetzte Tatar war so gewürzt, dass es passte. Dazu gab es reichlich Toast, den wir auch ein bisschen dunkler genommen hätten.

 

Als Hauptgang wählte die Besseresserin Bacalhau à Bras (31 Fr., oben im Bild), einen derben Eintopf aus Kabeljau, Eiern, Kartoffelstäbchen, Knoblauch, Oliven und Petersilie. Das Gericht war eine von vier portugiesischen Spezialitäten auf der Karte, mutmasslich ursprünglich ein Arme-Leute-Restenessen wie die spanische Paella, aber roher als diese. Jedenfalls eine schmackhafte, ehrliche Speise.

Vergleichsweise unspektakulär waren die Gnocchi al Pesto (20.50 Fr.) des Besseressers, doch gerade auch bei solchen Alltagsgerichten kann eine Küche ja zeigen, wie ernst sie ihren Job nimmt. Durchaus ernst, konnten wir am Ende sagen, das Gericht war äusserst solide. Die Prognose sei gewagt: Es kommt gut mit der neuen Villette.

 

Auf dem Tisch: Schweizerisches und Portugiesisches. Fisch.

Abgerechnet: Eher günstig. Mittagsmenüs für 16.50 Fr. und 18.50 Fr., der Wochenhit für 27 Fr.

Aufgefallen: Speziell sorgfältiger und sympathischer Service eines aufmerksamen Zweierteams.

Abgefallen: Täglich frische Backwaren im dazugehörigen Laden – aber hörten wir richtig, dass Jowa und kein lokaler Bäcker liefert?

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