Parlament, Paniermehl und Pfister

Wir geben es zu: So lange hätten wir dem Koch Thomas Pfister nicht gegeben. Seit über einem Jahr kocht er im Restaurant Parlament. Vorher war er im Goldenen Krug in Suberg, und das Ende dort war unschön, wie diese Zeitung berichtete. Im Parlament scheint es besser zu gehen, vielleicht auch, weil Alt-SP-Stadtrat Hasim Sönmez den Gastgeber gibt und sich um die Gäste kümmert. Bei unserem Besuch in der Münstergasse ist vorne am Fenster jeder Tisch besetzt, hinten keiner. Wir dürfen den Tisch wählen, und das Personal tischt rassig auf. Sönmez lädt uns drei Besseresserinnen zum Aperitif ein, wir bestellen Prosecco, Aperol Spritz und Bier.

 

Dann kommt die dreiseitige Karte. Das Mehrgangmenü liesse sich preislich sehen (zwei Gänge für 39 Fr. oder drei für 46), doch die Empfehlung des Wirts lenkt uns ab: Tagliata vom Rind mit Rucola, dazu Pommes allumettes (39 Fr.), das die Besseresserin bestellt. Die andere Besseresserin hat Lust auf das Cordon bleu (39 Fr.). Eine risikobehaftete Bestellung, denn beide Begleiterinnen bereiten das regelmässig selber zu, mit vier Sorten Käse und eigenem Paniermehl. Die dritte Besseresserin bestellt ein Rindstatar (29 Fr.).

Die Hauptgänge sind schnell entschieden, bei den Vorspeisen sieht es anders aus: Wir bestellen eine Tomatensuppe (11 Fr.). Dass diese überhaupt auf der Karte steht, wundert uns, so viel Sonne gab es noch nicht, dass die Tomaten überhaupt Gout haben könnten. Zum Cordon bleu solls ein Märitsalat (8 Fr.) sein, und zum Tatar – damit es nicht wie eine Keto-Diät wirkt, die durch extrem kohlenhydratarme und fettreiche Ernährung geprägt ist – Pasta mit Tomaten und Basilikum. Sönmez nimmt ohne Notizblock auf, weshalb er später nachfragen muss. Es gibt eine kleine Verwirrung bei den Tomaten, die Pastasauce wurde am Mittag leer gegessen und ist noch nicht parat. Wohl hat es aber überhaupt keine Liebesäpfel mehr in der Küche, denn anstelle der Suppe wird ein Märitsalat serviert.

Das Restaurant ist inzwischen leer geworden, weshalb wir die geballte Aufmerksamkeit des Personals bekommen: Die Salate werden zu dritt serviert, fast wie in einem «Michelin»-Lokal, wo oft ein Kellner auf einen Gast kommt. Anstatt Pasta wird ein Nüsslersalat mit Ei, Speck und Croutons (14.50) kredenzt. Die Vorspeisen sind zwar üppig, mit Blümchen garniert, aber bei den Saucen hätte es mehr Handarbeit gebraucht: Diejenige zum Märitsalat ist so deftig mit Knoblauch gewürzt, dass uns später sicher kein Vampir zu nahe kommt. Die italienische Sauce schmeckt verdächtig nach Fertigsauce.

Nach den Hauptgängen sind wir dann zufrieden, vielleicht auch, weil wir einen tollen Tempranillo aus dem Douro (45.50) bestellt haben. Die eine Besseresserin ist leicht enttäuscht, weil sie dachte, dass Tagliatelle serviert werden. Tagliata ist dicker aufgeschnittenes Fleisch, ähnlich wie Roastbeef. Hunger leiden muss sie nicht, denn es gibt genug Pommes allumettes, die kross sind.

Das Cordon bleu gehe grundsätzlich in Ordnung, heisst es. Da weder das Paniermehl selber gemacht ist noch der Käse oder der Schinken speziell sind, finden wir den Preis am oberen Limit. Zudem ist es etwas minimalistisch präsentiert, ohne jegliche Dekoration. Das Tatar ist solid, mit Biss und kommt ungefragt mit Whisky und zusätzlichen Gewürzen. Die Portion ist mit 140 Gramm genau richtig.

Wir bestellen Espressi, die wiederum den Weg nicht auf die Rechnung finden. Dazu bekommen wir ein fein-feuchtes Minischokoküchlein. Inzwischen hat sich der Wirt verabschiedet, schliesslich ist das Restaurant seit morgens um 7 Uhr offen, wenn vor der Tür die Marktstände auf­­machen. Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit mit dem Koch laufe, sagt Sönmez nur: gut. Gut finden wir auch das Lokal, Preis-Leistung stimmt, der Service ist sehr aufmerksam. Mehr Liebe auf dem Teller würde aber nicht schaden.

Restaurant Parlament, Münstergasse 68, 3011 Bern. 031 311 98 45. 

Die Quittung

Auf dem Tisch: Klassiker ohne viel Brimborium.

Abgerechnet: Grosszügige Portionen zu angemessenen Preisen.

Aufgefallen: Die Flaschenpreise der Weine lassen sich sehen.

Abgefallen: Wer sich als Kellner keine drei Gänge merken kann, darf auch einen Notizblock nutzen.

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