Hinter dem Vorhang rumorts – auf dem Teller schmeckts

Das Restaurant Vierte Wand und das Konzert Theater Bern gehören untrennbar zueinander, da Ersteres die Kantine von Zweiterem ist und Berns erste Theaterbeiz. Wir setzen uns an die Bar und bestellen einen abgewandelten Negroni (12 Fr.). Der Boden ist der alte Bühnenboden mit Tanzspuren und Narben der aufgeführten Dramen. Mitten im Raum steht der mutmasslich längste Tisch von Bern, die meisten Plätze sind voll, die Gäste sprechen leise miteinander. Ob sie Gerüchte aus dem Theater austauschen?

Die Besseresser widmen sich derweil anderen Gerüchten: Ihnen kam zu Ohren, dass die halbe Küchencrew kurz nach der Eröffnung davongelaufen sei. Gastroszenekenner beruhigten, das sei normal bei einer Neueröffnung. Lästermäuler gossen Öl ins Feuer und drehten das Gerücht weiter, dass die Köche wochenweise Überzeiten machen mussten. Item, unser Ziel des Abends war es – nebst dem Abendessen –, die Wahrheit herauszufinden.

Nach dem Aperitif steigerte sich die Lautstärke merklich, wohl weil die Gäste in freudiger Erwartung der Vorstellung waren oder weil der Alkohol in die Blutbahn geraten war. Wir bekamen einen Tisch in der Ecke, von wo wir unserem Hobby – people-watching – weiterfrönen konnten. Unsere überaus kompetente Kellnerin brachte innert Minuten Wasser, Menü und zwei Gläser des Aargauer Riesling-Silvaners (8.80 Franken). Dazu bestellte die Begleitung Rüeblisuppe mit Einlage vom frittierten Sellerie und Kernen (14.50 Fr., oben im Bild).

Die Besseresserin erinnerte sich an einen früheren Besuch und bestellte den Theatersalat (16.50 Fr., oben im Bild), in der Hoffnung, er werde ähnlich sein. Und wurde nicht enttäuscht. Die Sauce war gut verteilt und rund abgeschmeckt. Im Salat verbargen sich unterschiedliche Konsistenzen: frittierter Federkohl, geschälte Mandeln, Tomaten, bitter-milde Salatblätter und Cranberrys.

Beim Hauptgang zog die Polenta bianca die Aufmerksamkeit der Begleitung auf sich, sie bestellte diese mit einem Rindsfiletmedaillon und Topinambur (46.50 Fr., oben im Bild). Der Besseresserin fiel wiederum eine vergangene Bestellung ein, die Küchencrew – auch wenn es wohl nicht die gleiche ist – hat Pasta-Talente, somit fiel die Wahl auf hausgemachte Zitronen-Thymian-Ravioli mit gebratenen Pilzen und Flower Sprout (28.50 Fr., unten im Bild).

Die Portionen waren so grosszügig, dass wir die Dessertkarte nur noch bestellten, um dieses Gerücht mit den davonlaufenden Köchen endlich aufzudecken: Die Kellnerin gab sich diplomatisch. Tatsächlich habe es am Anfang einige Wechsel gegeben. Mehr sagte sie nicht. Wie im Theater üblich läuft hinter den Kulissen vieles nicht, wie es sollte, Hauptsache, vorne auf der Bühne läuft alles glatt. Und das tat es.

Vierte Wand, Nägeligasse 1b, 3011 Bern. 031 329 52 00.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Saisonale Zu­taten, perfekt abgeschmeckt.
Abgerechnet: Gehobene, aber für die Qualität angemessene Preise.
Aufgefallen: Auf der Toilette fühlt man sich wie im Himmel.
Abgefallen: Das Lokal ist voll, bis im Stadttheater der Vorhang aufgeht. Dann wird es sehr ruhig, zu ruhig.

 

Kommentar

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