Romantische Bärenhöhle am Fuss des Vully

Was gibt es Schöneres vor dem Essen als einen kleinen Spaziergang? Einen etwas längeren, etwa so wie kürzlich jener der Besseresser von Murten nach Sugiez. Er führt den See entlang durch eine Schilf- und Waldlandschaft von besonderer Schönheit – und wenn man nach rund 1,5 Stunden vor dem Hotel Restaurant de l’Ours ankommt, liegt der Murtner Nidlekuchen genug weit zurück, um bei einem Apéro das Abendessen auszuwählen.

Die Vorspeisen waren zweimal hervorragend, obwohl wir die hausgemachten Teigwaren mit Wirsing und sautiertem Chorizo an Rahmsauce (18 Fr.) leicht nachgewürzt hätten, wenn Salz und Pfeffer auf dem Tisch gestanden wären. Perfekt war das Couscous mit Wintergemüse, Hummus und Naanbrot (16 Fr.) – gewürzt wie im arabischen Märchen das Gemüse, geschmeidig der Hummus, warm und weich die selbst gemachten Naans.

Danach war es wie so oft: Nach zwei fast schon spektakulären Vorspeisen kamen zwei solide Hauptgänge, die das Niveau nicht ganz zu halten vermochten – allerdings wirklich nur knapp, und vielleicht sollten wir das nächste Mal für das Zvieri doch eine Stunde früher anreisen. Beim pochierten Forellenfilet auf Rahmwirsing mit gebratenen Griessnockerln und an einer Pommery-Senfsauce (32 Fr., oben im Bild) jedenfalls harmonierte der butterzarte Fisch perfekt mit der milden Schärfe des Senfs. Auch an den Griessnockerln – aussen knusprig, innen zart – gab es nichts auszusetzen. Dennoch fehlte uns irgendetwas, und sei es bloss ein Farbtupfer.

Von dunkler, edler Farbe war der zweite Hauptgang, eine geschmorte Kalbshaxe in Rotwein mit Risotto und Winterwurzelgemüse (37 Fr.). Bei der üppigen Portion überzeugte das knackige Gemüse, während der Risotto sämiger und würziger hätte sein dürfen.

Wer nicht im «Romantikhotel» übernachtet, ist in zehn Minuten am Bahnhof Sugiez und eine Dreiviertelstunde später in Bern. Der Ausflug zum Bären am Fuss des Mont Vully: ein Katzensprung.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Überschaubare Karte für Fisch- und Fleischesser.

Abgerechnet: Speisen angemessen. Weinkarte mit über 800 Positionen vom günstigen Offenwein bis zu teuren Edeltropfen.

Aufgefallen: Servicepersonal der alten Schule mit fundiertem Wissen zur Weinkarte. Superbe!

Abgefallen: Das Bärenfell im Entree: witzig; auf jedem Tisch ein Zottelbär: na ja.

Hotel Restaurant de l’Ours, Route de l’Ancien Pont 5, 1786 Sugiez.

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