Fast Food vom Förderband

Nach vielen Schweizer Klassikern rund um die Festtage – Fondue in Käse- und Fleischvariation, Filet im Teig, Pastetli oder Raclette – war den Besseressern gerade zu Beginn des neuen Jahres nach Abwechslung zumute. Diese wollten sie mit einer etwas leichteren Küche schaffen, gute Vorsätze und so, Sie wissen schon.

Fündig wurden die Besseresser an der Rathausgasse in der Berner Altstadt und zwar im Restaurant Sushi Dai . Das japanische Lokal gibt es seit knapp zwei Jahren, zuvor war an derselben Stelle auch schon ein Japaner einquartiert. Der grösste Hingucker im sonst etwas kalt geratenen, weiss gekachelten Raum ist zweifelsohne das Förderband, wo kleine Teller mit verschiedenen Speisen dank Magnetfeldern wie von selber immer wieder am Gast vorbeifahren. 28 Personen finden rund um das Band Platz. Die Gäste können die Sushi-Kreationen in Augenschein nehmen, die aus der offenen Küche immer wieder frisch auf die Reise geschickt werden. Bevor die Besseresser sich aber dem Inhalt auf dem Förderband widmen, bestellen sie zur Vorspeise eine Misosuppe (8 Franken), die heiss serviert wird und beide überzeugt – auch wenn der Besseresser ansonsten mit Tofu nicht viel am Hut hat.

 

Anschliessend gilt die volle Aufmerksamkeit aber den Sushi-Tellern. Jedes von ihnen ist mit einer Farbe gekennzeichnet, die den Preis bestimmt. Zwischen 5 und 18 Franken kosten die verschiedenen Gerichte, je nachdem, wie viele Röllchen oder Fischstücke sich darauf befinden. Die Auswahl fällt schwer, denn immer wieder fährt ein schön präsentiertes Tellerchen vorbei, von denen man möglichst viele ausprobieren möchte. «Les yeux plus gros que le ventre» – wenn die Augen grösser sind als der Magen –, dieses Sprichwort fällt der Besseresserin ein, als sie sich eins nach dem anderen schnappt. Die feinen Fischgerichte schmecken vorzüglich, egal ob mit Lachs, Crevetten oder Thunfisch. Schade, dass im Bauch schon bald kein Platz mehr dafür ist. Einziger Abzug gibt es bei den wenigen Gerichten wie den Edamame-Bohnen zum Beispiel, die eigentlich warm beim Gast ankommen sollten. Diese kühlten auf dem Förderband allzu schnell ab.

Da es eigentlich keine Wartezeiten gibt, ist das Essen schon bald einmal vorbei. Japanisches Fast Food sozusagen, das aber in keinster Weise schwer im Magen liegt. Die Besseresser gehen somit mit dem Gefühl nach Hause, dass sie die guten Vorsätze wenigstens einen Abend länger aufrechterhalten haben – und mit der Gewissheit, dass das Sushi Dai einen weiteren Besuch wert ist.

Sushi Dai, Rathausgasse 57, 3011 Bern. 031 311 08 36. 

Die Quittung

Auf dem Tisch: Sushi-Variationen auf dem Förderband.

Abgerechnet: Die einzelnen Teller kosten zwischen 5 und 18 Franken, bei grossem Hunger summiert sich das.

Aufgefallen: Dem Koch zuzuschauen, wie er hinter der Glasscheibe konzentriert an der Arbeit ist, macht Spass.

Abgefallen: Der grosse Bildschirm, auf dem alle 30 Sekunden ein neues Lied gespielt wird.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.