Nichts wie rein in die warme Gaststube von Rufibachs

Ein fünfminütiger Fussmarsch vom Bahnhof Fraubrunnen reichte, um uns die Laune und die Frisur zu verderben: Der Wind blies kalt und fies, es regnete horizontal, und kein Mensch war wegen des Sturms Marielou auf der Strasse zu sehen. Also wollten auch wir rein in die warme Stube des <b>Gasthofs Zum Brunnen,</b> wo wir von der Wärme und der Wirtin begrüsst wurden. Wir durften wählen, ob wir in der Gaststube oder im Säli dinieren wollten, und entschieden uns spontan für Letzteres. Dort sass zwar niemand, aber der Raum lockte mit dezenter Weihnachtsstimmung in Form von Sternen.

 

Bei einem Glas Schaumwein aus Tüscherz (9 Franken) studierten wir das Menü. Die Essensauswahl war klein und fein: Wir bestellten den Dreigänger, was sich später als übermotiviert herausstellen sollte. Bis die Vorspeise aufgetischt wurde, dauerte es etwas lange. Langweilig wurde es uns dank dem von der Wirtin Brigitte Rufibach gebackenen Vollkornzopf, dem Küchengruss von ihrem Mann Alexander und einem tollen Tessiner Merlot (92 Franken) nicht.

 

Die Besseresserin entschied sich beim ersten Gang für Atriaux von der Wildente auf Pastinaken-Püree (21 Franken). Atriaux sind Fleischbällchen aus Hackfleisch und Leber gemischt, die köstlich waren. Der Besseresser ass die Wildterrine im Rohschinkenmantel mit Preiselbeerschaum (21 Franken). Beim ersten Bissen knirschte ein kleiner Knorpel zwischen seinen Zähnen. Nicht nur deshalb fand er den Start nicht gelungen und eher fade.

Chüschtiger ging es mit der Spezialität weiter, deretwegen man hierherkommt: Suure Mocke (39 Franken), Rindsschulter, die eine Woche gebeizt wird und hervorragend war. Der Nachschub an Kartoffelstock, der präventiv geliefert wurde, blieb leider unangetastet. Die Besseresserin hatte schon zu viel Zopf im Magen.

Der Besseresser bekam das Rehgulasch Stroganoff (45 Franken), das Fleisch war kurz angebraten und dementsprechend innen noch zartrosa. Die Spätzli, die separat in einer Schüssel serviert wurden, waren ihm etwas zu buttrig. Die Grösse der Teller wurde mit mehreren Löffeln Sauce betont, was nicht von beiden Testessern als ästhetisch eingestuft wurde.

Schleckmäuler wählen zwischen Vacherin glacé, Vermicelles und Brombeerkompott mit Sauerrahmeis, doch auch an Käseliebhaber dachte man mit einem Plättchen und hausgemachtem Birnenbrot. Leider hatten wir beim besten Willen keinen Platz mehr und bestellten als Verdauhilfe Espresso, denn wir wussten, der Fussmarsch zum Bahnhof war schlicht zu kurz. Die gelernte Bäckerin-Konditorin verpasste es nicht, noch einmal ihr Können zu zeigen: Die Friandises mit Mini-Cremeschnitte, Anischräbeli und Kokoskuchen mussten wir natürlich doch noch leer essen. Wer weiss, vielleicht hilft es, damit sich das miserable Wetter schneller bessert?

Gasthof Zum Brunnen, Bernstrasse 6, 3312 Fraubrunnen. Tel: 031 767 72 16.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Kutteln, Suure Mocke und Traditionelles auf «Gault Millau»-Niveau.

Abgerechnet: Drei Gänge gibt es für 75 Franken, doch die Teller sind auch einzeln bestellbar.

Aufgefallen: Rufibachs setzen auf Schweizer Weine. Hausgemachtes wird auch zum Kauf angeboten, beispielsweise Schoko-Samichlaus oder Birnenbrot.

Abgefallen: Dass an einem Freitagabend nicht mehr Gäste dort waren, lässt sich nur mit dem Wintersturm erklären.

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