Das Butterreh und der Gourmetcervelat

In den letzten Monaten hörten wir mehrmals, dass der Sternen Muri einen Besuch wert sei – wir wollten nicht mehr an einen Zufall glauben. Ein weiteres Indiz dafür war die belebte Gaststube, die uns an diesem trüben Montagabend erwartete. Im Läubli, wo die Tische mit weissem Stoff bedeckt sind, Kerzen brennen und die Karte im Vergleich zur Gaststube leicht gestrafft ist, war sogar nur noch unser reservierter Zweiertisch frei.

Bei einem Glas Weisswein studierten wir die Karte, dieso war, wie wir es mögen: vielfältig, aber sehr übersichtlich. Unter den Vorspeisen ragte eine als besonders kreativ und fast schon leicht anrüchig hervor: Cervelat-Carpaccio mit grober Senfmarinade (12.50 Fr., oben im Bild) – wer hat denn so was schon gesehen? Ehrenwort: Das vermeintlich derbe, aber leicht süssliche Teil war grossartig, der Wurst aus dem Emmental schien es in der körnigen Senfmarinade, die ziemlich sicher mit Honig verfeinert war, gut gefallen zu haben. Garniert war das Carpaccio mit Salatblättern, dünnen Zwiebelringen, drei Streifen Essiggurke, einem Kapernapfel und einem halbierten Cherrytomätchen. Sehr gut war auch die zweite Vorspeise, auf dem Papier eine zurückhaltende Nüssli-Salat-Variante mit Trauben, Baumnüssen und Birnen (14.50 Fr.), auf dem Teller ein kreativer Salat, den die Sauce – Holunderblütendressing mit Zitrone statt Essig – zu etwas Speziellem machte.

Bei den Hauptgängen landeten wir bei den Wildtieren, ohne dass wir dies so geplant hatten. Für die Besseresserin gab es Hirschpfeffer mit Spätzli, Rotkraut und Marroni (34 Fr., unten im Bild), für den Besseresser Rehschnitzel mit Eierschwämmli-Rahmsauce, Spätzli und herbstlichem Gemüseallerlei (42 Fr.). Zu Letzterem gehörten ebenfalls Rotkraut und Marroni, über die nach dem ersten Versuch Einigkeit herrschte: tadellos.

Das Gleiche galt für die an ihren vielfältigen Formen als selbst gemacht erkennbaren, buttrigen Spätzli, diebei den Rehschnitzeln in einem separaten Pfännchen serviert wurden. Im Gemüseallerlei hatte es weiter Kohlrabi, Rosenkohl, Kürbis und Rüebli – alles knackig, alles einzeln erkennbar.

Auch das Fleisch schmeckte in beiden Fällen, womit der Testbesuch als voller Erfolg verbucht werden konnte, gestützt auch vom Toblerone-Parfait (10 Fr.) ganz am Schluss. Der Hirsch war sowohl beim Beizen wie beim Schmorenmit der gebotenen Sorgfaltund Geduld behandelt worden, was ihn wie dunkle Schokolade aussehen, zart von der Gabel fallen und harmonisch munden liess. Die Rehschnitzel waren aussen scharf angebraten und innen butterzart, und die Sauce bestätigte, was wir schon bei den Vorspeisen ahnten: Die können Saucen im Sternen.

Sternen Muri, Thunstrasse 80, 3074 Muri b. Bern 031 950 71 11

Die QuittungAuf dem Tisch: Fisch, Tatar, Klassiker und eine Saisonkarte – viel mehr brauchts nicht.

Abgerechnet: Angemessene Preise.

Aufgefallen: Dank der Teamfotos in der Karte wissen wir: Der Sternen hat einen Hygienecoach.

Abgefallen: Offenbar sahen wir nach Offenwein aus; die grosse Weinkarte gehört unseres
Erachtens fix auf den Tisch

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