Hart an der anderen Grenze

Nachdem wir letzte Woche die Grenze des Kantons Bern im Jura ausgelotet haben, nehmen wir uns diesmal die andere Seite vor: Auf den höchsten Bergen des Emmentals verläuft die Grenze zum Kanton Luzern. Die Landschaft besteht aus den typischen Emmentaler Hügeln, grün und meist mit einem mächtigen einzelnen Baum auf der Kuppe. Hie und da unterbricht eine Fluh die steilen Weiden.


Das Bergrestaurant Erika auf der Geisshaldenalp

Unser Ziel befindet sich etwa zehn Meter von der Kantonsgrenze entfernt auf dem Gemeindeboden von Trub: das Bergrestaurant Erika auf der Geisshaldenalp. In unmittelbarer Nähe liegt der berühmte Rämisgummen, wo im April jeweils Tausende von Krokussen blühen und für einen Verkehrskollaps auf der schmalen Strasse sorgen. Die Blumen sind längst verblüht, und es grasen Kühe, dennoch lohnt sich die Gegend auch im Sommer für einen Ausflug.

Weil es richtig heiss ist und die Besseresser richtig sommerfaul, machen wir uns den Aufstieg einfach und nehmen das Auto. Von Eggiwil aus windet sich das Strässlein den Berg hoch durch Weiler mit hübschen Namen wie Untergrosstannen, Hinterblapbach oder Krimishalde. Irgendwo ist auch ein Schulhaus auszumachen, mitten in der grünen Wiese. Wir sinnieren, wie lange die Kinder aus den umliegenden Weilern wohl zur Schule laufen müssen und wie abenteuerlich dieser Weg im Winter sein muss. Fast zuoberst am Berg kämpft sich ein tapferer Velofahrer den annähernd vertikalen Weg hoch – wir sind beeindruckt.

Einige Hundert Meter vor dem Restaurant parkieren wir und spazieren dann Richtung Geissbodenalp. Alpbetrieb und Restaurant liegen etwas unterhalb des Grates. Das ist normalerweise bedauerlich, denn die Aussicht Richtung Alpen wäre wohl fantastisch, doch an diesem Tag versteckt sich das Gebirge hinter Wolken. Auch der Jura auf der anderen Seite mag sich nicht zeigen. Deshalb bewundern wir erst die sichtbaren Hügel ringsum, steigen dann aber ohne grösseres Bedauern hinunter und setzen uns auf die grosse, überdachte Terrasse des Bergrestaurants.


Gibt’s für 38 Franken: Der „Geisshoue-Teller“, ein Entrecôte mit Salat

Die Speisekarte, die uns die freundliche Bedienung sofort bringt, enthält das übliche Bergbeizenprogramm: Rösti in verschiedenen Ausführungen, Variationen rund um Käse und diverse gebratene Fleischstücke mit Pommes frites. Auf der Sommerkarte findet sich neben Wurst- und Käsesalat auch der «Geisshoue-Teller» (38 Fr.), ein Entrecote mit Salat – die Wahl ist schnell getroffen. Die Begleitung entscheidet sich ebenfalls für ein Entrecote, aber mit Teigwaren statt Pommes (36 Fr.). Das Essen wird schnell serviert, da die ­Mittagszeit schon vorüber ist. Ausser dem Velofahrer, der ebenfalls angekommen ist, und uns hat niemand mehr einen Zmittagwunsch.

Allerdings haben wir uns ein Entrecote etwas anders vorgestellt: Es ähnelt von Dicke und Schnittfestigkeit her eher einem Schnitzel, die gewünschte ­Garstufe «saignant» haben die Fleischstücke nicht mal annähernd. Über diesen Mangel hinweg täuscht nicht einmal die feine Kräuterbutter. Aber abgesehen davon sind die Teller schön hergerichtet, die Salate an hausgemachter Sauce. Geradezu ­umwerfend ist der Salat aus fein geschnittenem rohem Lauch.

Zum Dessert genehmigen wir uns noch einen Coupe Heidelbeer mit Vanilleglace, warmen Beeren und Nidle von der nahe gelegenen Käserei Hüpfenboden. Dieser versöhnt uns wieder mit der kulinarischen Welt auf der Geissbodenalp. Danach spazieren wir langsam wieder zurück über den Grat, ein Fuss im Kanton Bern, einer im Kanton Luzern, und glauben nun zu­mindest, in der dunstigen Ferne die Jurakette zu erkennen.


Der Coupe Heidelbeer versöhnt die Besseresser wieder mit der kulinarischen Welt. Fotos: ZVG

Bergrestaurant Erika, Geisshalden­alp, 3537 Eggiwil. Tel. 034 491 17 79.
Dienstag und Sonntag ab 18 Uhr und Mittwoch den ganzen Tag geschlossen. www.bergrestaurant-erika.ch

Die Quittung

Auf dem Tisch Fleischgerichte, Rösti in verschiedenen Ausführungen sowie Käseschnitten.

Abgerechnet  Günstig, abgesehen vom Rindfleisch.

Aufgefallen  Neben dem Restaurant befindet sich die Alp­käserei Geisshalde, wo offenbar seit Jahrhunderten jeden Sommer Berner Alpkäse her­gestellt wird.

Abgefallen  Die Terrasse des Restaurants ist hinter dem Haus. Gut gegen Sonnenbrand, allerdings mit null Aussicht.

Aufgestiegen  Das Erika ist von mehreren Seiten gut erreichbar. Der Verkehrsverein Trub hat einen Rundwanderweg mit Bänkli und Infotafeln ausgerüstet: In gut zwei Stunden geht es vom Bahnhof Trubschachen via Rämisgummen auf die Geisshal­denalp, zurück etwa in gleicher Zeit via Kröschenbrunnen. Das Restaurant ist auch per Velo (die Strasse ist fast durchgehend geteert) oder per Auto erreichbar.

1 Kommentar zu «Hart an der anderen Grenze»

  • Tina haas sagt:

    Liebe SchreiberInnen

    Die Bernerzeitung läuft gut, auch ich bin abmehmer davon. Daher denke ich, ein solches Unternehmen muss sich keine Gedanken um die Existenz machen.
    Ich finde die BZ eine hervoragende Zeitung, darum frage ich mich Was waren Ihre Gedanken bei diesem Bericht?
    Dank Ihrem Bericht halten jetzt viele Leute eine schlechte Meinung über das Erika, zu teuer, „null“ Aussicht, mit einem Dessert zufriedenstellend?!
    Es ist Ihnen wohl nicht klar, das Menschen auf diese Arbeit angewiessen sind.
    Wiso schreibt man einen solchen negativen Bericht in der Zeitung und kommuniziert nicht direkt mit dem Chef?

    Dies ist undankbare schlechte Werbung!

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