Zmittag mit Aussicht

Das Besseresserli mag nicht nur Essen, sondern auch Fahrzeuge aller Art und natürlich Flugzeuge. Grund genug, einmal dem Flughafen Bern einen Besuch abzustatten. Dieser ist zwar gastronomisch ein eher schwieriges Pflaster, seit das Flughafenhotel geschlossen ist. Aber im hintersten Gebäude an der Flugplatzstrasse versteckt sich in einem Pavillon noch ein Restaurant. Alex Gribi, der Gründer der Airline Skywork, hat dort vor gut zwei Jahren das Gribi’s Eat & Drink eröffnet. Als altem Fuchs im Aviatikgeschäft war Gribi wohl bewusst, dass man so nah wie möglich an den Flugzeugen sitzen will. Darum hat das Restaurant einen grosszügigen Aussenbereich, rundum verglast (gegen den Lärm) und mit guter Aussicht auf das Geschehen.

Mittags sei eine gute Zeit, dann habe es viel Verkehr auf der Piste, empfängt uns die Servicefrau, als das Besseresserli zielstrebig auf den vordersten Tisch zusteuert. Die Bestellung gestaltet sich schwierig, weil gerade dann die erste Skywork-Maschine über die Piste rollt und gegen Süden davonfliegt. Dennoch entscheidet sich das Kind letztlich für Nudeln mit Tomatensauce von der Kinderkarte (10.50 Fr.). Für Papa Besseresser gibts Kalbs­leberli mit Rösti (29.50, unten im Bild) und für die Mama das hausgemachte Roastbeef mit Pommes (26.50, oben im Bild).

Beim Warten auf das Mittag­essen bleibt Zeit, die Umgebung zu betrachten. Das Restaurant zieht offensichtlich eine eigenwillige Mischung aus Gästen an: Hündeler auf dem Weg von oder an die Aare, Flugzeuggucker und auch Einzelpersonen, die mehr oder weniger trüb in ihr Bierglas gucken. Aber egal wer, alle gucken den Flugzeugen beim Starten oder Landen nach. Vor lauter ­Gucken vergeht die Zeit schnell, und schon stehen die Teller auf dem Tisch. Die Leberli sind solid gemacht, auf der Rösti thront zusätzlich ein Spiegelei, was dem Ganzen einen schwindelerregenden Nährwert gibt.

Der Roastbeefteller ist hübsch mit Salaten und Melone dekoriert, das Fleisch und insbesondere die Tatarsauce schmecken vorzüglich. Trotzdem bleibt noch genug Platz für ein Dessert übrig: Die ebenfalls hausgemachte Panna cotta (9.50) ist zwar etwas schief geraten, mundet aber in Begleitung von warmen Johannisbeeren und Cassis prächtig. Und zum Schluss krönt die Ankunft des allergrössten Flugzeugs (die Düsenmaschine von Helvetic Airways), das auf dem Mösli überhaupt landet, den erspriesslichen Besuch bei Gribis.

Gribi’s Eat & Drink Bern Airport, Flugplatzstrasse 69, 3123 Belp. Tel. 031 961 47 47.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Gutbürgerliche Küche mit Klassikern wie Riz ­Casimir und Schnipo.
Abgerechnet: Faire Preise.
Aufgefallen: Die freundliche Bedienung, die den Flugplan auswendig weiss.
Abgefallen: Auf der Dessertkarte fehlt bei den Glacen die Sorte Erdbeer. Das Besseresserli war geknickt.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.